Es ist ein anstrengendes Jahr für die Queen (86): Seit sechs Jahrzehnten sitzt Elizabeth II. auf dem Thron – das muss gefeiert werden: Los ging es schon im Februar mit einer Baumpflanzaktion für den „Diamanten Jubiläumswald“ auf ihrem Landsitz Sandringham in Norfolk. Seitdem fährt die zweitlängste Monarchin der britischen Geschichte (nur Victoria thronte länger) mit ihrem Gatten fast wöchentlich landauf, landab, lässt sich in Kindergärten, Schulen und Rathäusern ehren – freundlich, stoisch und ohne große sichtbare Gemütsregungen.
Doch wenigstens eine der zahllosen Veranstaltungen dürften der Regentin wohl wirklich Spaß gemacht haben: Das „Diamond Jubilee Pageant“, eine Gala mit über 500 Pferden und 1000 Darstellern aus 18 Nationen bei der diesjährigen „Royal Windsor Horse Show“ in ihrem Park in Windsor. Das Spektakel, das am späten Sonntagabend zu Ende ging, gefiel der Queen so gut, dass sie sich das „Pageant“ gleich zwei Mal anschaute.
Von heimischen Shetland-Ponys bis zu 110 arabischen Vollblütern aus dem Sultanat Oman waren die Vierbeiner und ihre menschlichen Begleiter aus allen Kontinenten per Flugzeug und Transporter angereist (die Delegation aus Aserbaidschan war 17 Tage unterwegs). Nach dem Motto „In 60 Jahren um die Welt“ skizzierte die Show die über 260 Auslandsreisen der Queen in ihrer Dienstzeit – und spiegelte gleichzeitig ihre größte Leidenschaft wider: Pferde.
Gebannt (wenn auch ohne äußerliche Gefühlsregung) verfolgte die Queen gemeinsam mit Prinz Philip und Schwiegertochter Camilla, zwei weiteren Pferdenarren, wie Schüler der Reitschule des Kreml nach Kosakenart über ihre wild galoppierenden Pferde turnten. Vor der spektakulären Kulisse des ins Abendrot getauchten Windsor Castle zogen Mitglieder königlicher Regimenter aus Kanada, Neuseeland und Australien komplizierte Quadrillefiguren in den Sand der Arena.
Amerikanische und chilenische Cowboys ließen ihre Pferde Pirouetten tanzen, ein französischer Pferdeflüsterer zeigte seinen Zauber an einer Herde ungezäumter Camargue-Pferde. Indische Rösser und ihre Reiter demonstrierten „Tentpegging“, bei dem Zeltpflöcke vom Boden aufgespießt werden müssen. Bei so viel tierischer Starpower spielte Dame Helen Mirren, die für ihre Darstellung der Queen einen Oscar gewonnen hatte, als Komoderatorin des Abends nur eine kleine Nebenrolle.
Die „Royal Windsor Horse Show“ ist schon seit über 65 Jahren der persönliche Höhepunkt im Kalender von Elizabeth. Sie ist nicht nur Schirmherrin, sondern intensiv an Planung und Durchführung des fünftägigen Reit- und Fahrturniers beteiligt. Wenn sie wie in diesem Jahr zünftig in Gummistiefeln und Kopftuch über das Gelände stapft und ihre Pferde bei den Wettbewerben beobachtet, wirkt sie so entspannt wie selten. Die Monarchin soll pferdebesessen sein, seit sie im Alter von vier Jahren von ihrem Großvater, König Georg V., ein Shetland-Pony namens „Peggy“ bekommen hat. Sie reitet bis heute durch die Parks von Windsor, Balmoral und Sandringham – und soll sich hartnäckig weigern, einen Helm zu tragen.
Prinzgemahl Philip teilt die Passion: Der knapp 91-Jährige war viele Jahre Präsident der Internationalen Reiterlichen Vereinigung. Bei dem diesjährigen Turnier in Windsor fungierte er nicht nur als Richter und schleppte Autobatterien herum, die er als Energiequelle für einen Zeitmesser brauchte. Der Duke of Edinburgh startete, trotz einer Herzoperation zu Weihnachten, höchstselbst in der Königsdisziplin im Fahrsport, dem Vierergespann.
Zu den guten Freunden des königlichen Paares soll übrigens auch der amerikanische Pferdeflüsterer Monty Roberts gehören. Der Kalifornier hat einige ihrer Pferde eingeritten und ist oft zu Gast in Windsor, so auch in diesem Jahr. Die Queen, so verriet Roberts der „Mail Online,“ sei ebenfalls eine große Pferdepsychologin. Noch besser könnte sie es nur mit ihren Hunden.
Die Konstante: Ihre Majestät Elizabeth II.






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