Die Mittagssonne stand hoch über Cape Cod, als der Hubschrauber mit dem Präsidentensiegel auf das Anwesen herniederschwebte. Der Jungschauspieler war geblendet und gebannt – vom Glamour des Paares, von der gelben Hose des Präsidenten, vom unwiederbringlichen Zauber eines sommerlichen Sonntags anno 1961, als John F. und Jackie Kennedy Zerstreuung suchten von den Amtspflichten im Weißen Haus. Der Schriftsteller Noel Coward unterhielt die illustre Runde mit leichten Songs, derben Witzen und bösem Klatsch. Der Präsident brüllte vor Lachen, er schlug mit der Hand auf den Tisch und bat um eine Pause: „Lassen Sie mich Atem holen.“ Eine Freundin und Theaterkollegin, die Tochter der Milliardärin Bunnie Mellon, hatte Frank Langella zum Lunch eingeladen. Beiläufig fügte sie hinzu: „Es kommen auch ein paar Gäste.“
Jahre später, kurz bevor sie Aristoteles Onassis heiratete, sollte er in der Ferienvilla der Mellons auf Antigua – nur zart angedeutet – selbst eine Affäre mit Jackie Kennedy haben. Und noch einmal 40 Jahre danach porträtierte er schließlich einen Präsidenten – den im Zuge des Watergate-Skandals in Schimpf und Schande aus dem Weißen Haus gejagten Richard Nixon in dem Film „Frost/Nixon“, der ihm eine Oscar-Nominierung einbrachte.
In seinen Memoiren „Dropped Names“ erinnert sich Langella in 66 skizzenhaften Porträts und Vignetten an die Begegnungen mit Hollywood-Diven, Theatermimen und den Kennedys. Ganz im Sinne des britischen Autors Coward tischt er Klatsch und Tratsch auf, enthüllt die Schwächen und Marotten der Broadway-Größen und Filmgötter. Diskretion muss er sich nicht auferlegen – mit Ausnahme der inzwischen 101-jährigen Mellon sind die Protagonisten tot.
Spätestens als Marilyn Monroe dem 15-Jährigen ein „Hi“ zuflötete, stand für den Buben aus New Jersey der Berufswunsch fest. Im Lauf seiner Karriere verfiel er einer Reihe reiferer Partnerinnen. Bei den Dreharbeiten zu „Der Zorn Gottes“ in Mexiko, einem seiner ersten Filme und ihrem letzten Film, teilte er 1972 mit Rita Hayworth Tisch und Bett. 20 Jahre älter, verkörperte sie auf der Leinwand seine Mutter. Gezeichnet von Alkoholismus und – wie sich hinterher herausstellen sollte – einer Alzheimer-Erkrankung hatte sie Mühe, ihren Text zu memorieren. „Bei Kerzenlicht und dem Glimmer des Kaminfeuers wurde sie wieder zu einer Göttin.“
Auch die Ära von Elizabeth Taylor war schon längst vorüber, als sie nach acht Scheidungen etwas Trost und Zuspruch suchte. Körperlich ein Wrack, aufgeschwemmt von Medikamenten, kochte sie ihm Pasta. „Komm noch rauf, Baby, und bring mich ins Bett: Wer sollte da widerstehen?“, notiert Langella, der sich damals – 2001 – gerade von Whoopi Goldberg getrennt hatte.
Von Liz Taylor blieb ihm ein Paschminaschal. Seine Erinnerung an ihren zweifachen Exmann Richard Burton fällt weniger schmeichelhaft aus. Er besuchte ihn nach einer „Dracula“-Aufführung am Broadway in seiner Garderobe. Berauscht von einer Oscar-Nominierung leerte der trinkfeste Waliser eine Flasche Scotch und schwelgte in Dylan-Thomas-Gedichten: „Was für ein elender Langweiler.“
Von Charles Laughtons Poolpartys und Telefonsex mit Bette Davis über Saufgelage des Machos Robert Mitchum bis hin zu Paul Newman spannen sich die pikanten Erinnerungen. Vom britischen Shakespeare-Mimen John Gielgud eignete er sich den Sprachduktus an, dessen Rivale Laurence Olivier lässt sich über die Nymphomanie seiner Exfrau Vivien Leigh aus. Langella erzählt von einer zotigen Annäherung Anthony Perkins', vom Mega-Ego und den Eitelkeiten Yul Brynners, Anthony Quinns oder von Charlton Heston. Und von kleinen Tragödien: Ohne je ein Wort mit ihm zu wechseln, schleppt er einen im Flur kauernden, sturzbetrunkenen Montgomery Clift in dessen New Yorker Townhouse.
Frank Langella: „Komm noch rauf, Baby, und bring mich ins Bett“
17.05.2012 | 16:12 | von THOMAS VIEREGGE (Die Presse)
Der in New Jersey geborene Bühnen- und Filmschauspieler Frank Langella erinnert sich in seinen Memoiren an Affären mit den Filmdiven Hayworth und Taylor, an die Kennedys und die Eitelkeiten der Stars.
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