Krassnitzer: Neue Serie, neue Masche

07.06.2012 | 18:21 |  von Köksal Baltaci (Die Presse)

Harald Krassnitzer dreht in Wien seine neue Serie „Paul Kemp – Alles kein Problem“. Beim Setbesuch gibt er sich verräterisch bescheiden.

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Ein Vollblutschauspieler wie Harald Krassnitzer weiß einfach, wie er mit Medienvertretern umzugehen hat. Seit jeher ist das Understatement das Mittel seiner Wahl, die noble, bescheidene Zurückhaltung. So beginnt er auch das Interview im Rahmen eines Setbesuchs für seine neue Serie „Paul Kemp – Alles kein Problem“ mit einer scheinbar aufrichtigen Entschuldigung. Und zwar dafür, fast eine Stunde zu spät zum vereinbarten Termin gekommen zu sein.

„Uns Schauspielern geht es leider nicht anders als euch, für dieselbe Arbeit haben wir immer weniger Zeit“, rechtfertigt er die Verzögerung und schmeichelt ganz beiläufig den anwesenden Journalisten. Wer ist schließlich nicht der Meinung, dass sein Job immer stressiger und undankbarer wird? Und was die Verspätung angeht – dafür ist nicht er, sondern die vielen Fotografen verantwortlich, die im Übereifer lieber ein paar Fotos zu viel als zu wenig machen. Was für ein sympathischer Zug von Krassnitzer, sie dafür auch noch in Schutz neu nehmen.

Dumm nur, wenn auch er dem Übereifer erliegt und einige Minuten später im lockeren Plausch verrät, dass es seine neueste Masche ist, sich in heiklen Lebenslagen vorsorglich zu entschuldigen, um sein Gegenüber milde zu stimmen. Auch dann, wenn es gar nichts zu entschuldigen gibt. „Wenn Sie in der U-Bahn von jemandem angerempelt werden – bitten Sie ihn einfach um Verzeihung. Sie werden sehen, dass das die Situation sofort entspannt und sich die Person, die Sie angerempelt hat, auch bei Ihnen entschuldigt“, rät der Schauspieler. Der Tipp käme im Übrigen von einem gewieften Innsbrucker Rechtsanwalt. Dieser habe ihm verraten, dass die meisten Prozesse überflüssig wären, wenn sich die Beteiligten beieinander einfach nur entschuldigen würden.

Obwohl – Prozesse seien ohnehin nichts Zeitgemäßes. Mediation laute der neueste Trend, um Standpunkte auszuführen und Konflikte beizulegen. Daher ist es auch kein Zufall, dass er in seiner neuen Serie keinen Anwalt oder Detektiv spielt, sondern einen Mediator, der für jeden noch so schwierigen Fall eine Lösung findet und viel Fingerspitzengefühl für die alltäglichen Probleme seiner Klienten beweist. „Privat ist er allerdings ein betriebsblinder Chaot“, so Krassnitzer, der in Paul Kemp Parallelen zu sich selbst erkennen könne. Die Figur sei ihm ähnlicher, als es etwa seine Rollen im „Tatort“ oder beim „Winzerkönig“ sind. „Es geht um die Wahrnehmung des Gegenübers. Ich bin immer jemand, der zuerst schaut, was mit dem anderen ist, und wie es dem anderen geht. Nur auf mich selbst konzentriert zu sein, fände ich sehr langweilig.“


Mit einem Mediator habe er selbst „interessanterweise“ noch nie zu tun gehabt, im Gegensatz zu Psychologen – „was in meinem Beruf relativ normal ist“. Einige berufliche Kniffe des Mediators habe er sich aber für sein Privatleben bereits abgeschaut. Die ersten sechs Folgen wurden zwischen August und Oktober vergangenen Jahres abgedreht. Seit April 2012 laufen in Wien und Niederösterreich die Dreharbeiten zu sieben weiteren der insgesamt 13 Folgen der Serie. Zu sehen ist die ORF/ARD-Koproduktion 2013.

Neben Krassnitzer stehen Katja Weitzenböck als Kemps Frau Ella und Michael Dangl als Nachbar und Ellas Gspusi vor der Kamera. Beim Setbesuch in einem schmucken Haus mit Garten in Wien Penzing (Paul Kemps Residenz in der Serie) war auch Armin Assinger als „mein Albtraum“ – so Krassnitzer – mit von der Partie, stand aber für Interviews nicht zur Verfügung. Assinger spielt, wie könnte es anders sein, sich selbst – und zwar in einer Traumsequenz als „Millionenshow“-Moderator.

Jede Folge beginnt nämlich mit einem Albtraum des Hauptdarstellers, dessen Inhalt sich im tatsächlich Erlebten widerspiegelt. Ob Kemp in seinem Traum zum Millionär wird, sei nicht verraten. Nur so viel: Er schafft es zur Millionenfrage – bei der ihm Assinger ein X für ein U vormachen will.

Auf einen Blick

Neue TV-Serie. Seine Rolle als „Winzerkönig“ Thomas Stickler war gestern – der Harald Krassnitzer von morgen heißt Paul Kemp. Der österreichische Schauspieler dreht mit „Paul Kemp – Alles kein Problem“ derzeit wieder eine TV-Serie mit Fortsetzungspotenzial. Dreh- und Angelpunkt der vorerst 13 geplanten Folgen ist Krassnitzer selbst, der einen beruflich erfolgreichen und privat chaotischen Mediator spielt. Zu sehen ist die ORF/ARD-Koproduktion voraussichtlich 2013.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2012)

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7 Kommentare
Gast: qimon
08.06.2012 08:36
7 0

Entschuldigung, aber muss man SPÖ-Sympathisant sein, um einen bestdotierten ORF Dauerjob zu erhalten?

An der Qualität dieses "Vollblutschauspielers" kann es ja nicht liegen, denn andere sind auch keine Halbblutschauspieler. Eher sehr peinlich das Ganze, da sich diese Spielfilmchen auf Soapniveau befinden und dafür bekommt auch noch etwas bezahlt statt dem Zuschauer eine ErschwernisFernsehzulage zu gewähren. Für viele jedenfalls ein Grund den Sender zu wechseln, wenn der mitseift.

3 0

Re: Entschuldigung, aber muss man SPÖ-Sympathisant sein, um einen bestdotierten ORF Dauerjob zu erhalten?

Das Beste dazu ist - die Roten lachen sich die Hucke voll über die Blödheit der Fernseher, die mit ihren Gebühren diesen Schmarrn auch noch finanzieren. Vorsorglich hat eine andere Gruppe unter der Bezeichnung "Staatsschauspieler" dazu eine Parodie herausgebracht.

Gast: Der Kulturkapitalist!
08.06.2012 06:48
0 0

Was mach ich jetzt? - Habe keine Glotze!

Ob der Hauptdarsteller seine eigenen Filme in der Glotze ansieht und dafür Gebühren zahlt, ein Spiegel ist besser, billiger und Umweltfreundlicher!

Spiegel sind auch sehr Energiesparend, AAAA++++++, 0 Watt im Dauerbetrieb, blöd nur das er keinen StandBy Modus hat, Mensch sieht auch dann wenn er gar nicht sehen will, vor allem nicht sei eigenes Gesicht, aber dafür gibt's das Gesichtsbuch, dar ist der Platz das Spiegelbild für die Ewigkeit und noch viel länger zu Archivieren, wenn Interessiert's , Millionen Freunde und die Werbewirtschaft, Werbung in dem dann Herr K. aufgefordert wird, K.filme zu sehen, samt den Vorzügen wenn K. sich das kauft...

Was soll das jetzt, ganz einfach, der Inhalt von dem Film ist sicher nicht intelligenter als der Text, dafür kann ich meinen Text selber lesen, ohne dafür zu zahlen! - Nennt sich Selbstverwirklichung!

Achja, Urheberrecht, bin auch Urheber mache aber kein Geschrei wenn das jetzt Leute lesen ohne zu bezahlen, das ist das schöne daran, man kann sich selbst den Spiegel vorhalten, neue Idee wie man doch nicht verhungert dabei, ein 500 von der Bank holen und im Spiegel betrachten, dann hat man ein 1000er, wie praktisch wenn man DRM Geschütz ist, und am morgen sich im Spiegel sehen will, und dort steht, sorry, sie sind Kopiergeschütz!

Ein Unsympathler

und Gusi-Freund!

Gast: Carambolage
08.06.2012 00:10
10 0

Staatsschauspieler

ORF Zuschauer sind ja genügsam - immer wieder die selben Gesichter und Geschichten. Wenn es den ORF noch so lange geben sollte, spielt der Harald Krassnitzer noch 20 Jahre in Serie.

Gast: UKW
07.06.2012 20:26
12 0

Na da werden die Hausfrauen im Gemeindebau aber kreiischen vor Freude, wenn der Genosse Krassnitzer vom Genossen Wrabetz wieder einen Filmjob bekommen hat


Antworten Gast: xxx
07.06.2012 21:47
10 0

Re: Na da werden die Hausfrauen im Gemeindebau aber kreiischen vor Freude, wenn der Genosse Krassnitzer vom Genossen Wrabetz wieder einen Filmjob bekommen hat

man muss sich vorstellen krassnitzer fast non stop irgendwo in serie seit 1992 !!!

wo ist mein mediator ähmm psychologe, falls ich mich beim einschalten mal verknips....

:-)


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