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Leben als Philharmoniker: "Ein Geschenk des Himmels"

17.06.2012 | 18:36 |  von Christine Imlinger (Die Presse)

Philharmoniker Karl Jeitler erzählt von Konzerten vor dem Papst, dem Spielen trotz Bombendrohung und seinem einzigen Kater zu Neujahr. Aufhören? Das war für Jeitler nie ein Thema.

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Hauptberuflich Posaunist. Das bringt Karl Jeitler immer wieder zum Schmunzeln. Schließlich, erzählt er, habe er immer wieder nach Konzerten gehört: „Schön war's. Aber was machen Sie eigentlich hauptberuflich?“ Verwunderlich ist das nicht, schließlich bezeichnet er selbst seine Arbeit als einen „unendlichen Glücksfall“, ein „Geschenk des Himmels“. Jeitler spielt seit Jahrzehnten im Orchester der Wiener Staatsoper und der Wiener Philharmoniker. Nun hat seine Tochter, die Werbetexterin Maria Jeitler, seine Erinnerungen im Buch „In Frack & Lederhose“ festgehalten.

Der Frack, sagt Jeitler, stehe für die Welt der Klassik. Die Lederhose für seine Liebe zur Natur, zu den Bergen, seiner Kindheit im niederösterreichischen Dorf Grafenbach. Aufgewachsen in einer Familie der Blasmusikanten, und selbst seit seiner Jugend Posaunist, waren die Philharmoniker für ihn dort „so exotisch wie Astronauten“. Und doch ging ihm das berühmte Orchester nie aus dem Kopf. 1970, noch als Student, wurde er bei den Symphonikern aufgenommen, 1974 wurde er Mitglied des Orchesters der Staatsoper und schlussendlich der Philharmoniker.

Aufhören? Das war für Jeitler nie ein Thema. Wer es einmal zu den Philharmonikern schafft, der bleibt. Schließlich hat er nur dort die Möglichkeit, mit den berühmtesten Dirigenten zu arbeiten. „Bernstein, Karajan, das sind Genies, legendäre Gestalten, wie man sie nur selten trifft.“ Und die, ein Sonderfall, zu den Philharmonikern als Gastdirigenten geladen werden, was die gemeinsame Arbeit ungleich leichter macht.

Weit mehr als hundert Konzertreisen hat Jeitler unter anderem mit diesen Dirigenten unternommen. „Der Applaus“, sagt er, „ist in jedem Land so unterschiedlich wie die Speisekarten.“ „Ein Konzert im Petersdom in Rom, eine Messe mit Karajan und dem Papst, das vergisst man nicht so schnell“, oder einen Auftritt im Amphitheater, direkt unter der Akropolis in Athen. Oder im „Théâtre des Champs-Elysées“, in dem Dominique Meyer, dort damals Direktor, den Philharmonikern persönlich Schokolade in die Garderobe brachte.

Dort, im Théâtre des Champs-Elysées, hat Jeitler auch eines seiner denkwürdigsten Konzerte erlebt. Eine Bombendrohung ging in der ersten Hälfte ein, die Musiker wussten davon, um Panik zu vermeiden mussten sie aber bis zur Pause weiterspielen. Aber das Publikum der Philharmoniker ist treu, es blieb, nachdem es von der Drohung erfahren hatte (und die Sicherheitskräfte keine Bombe finden konnten).

Trotz aller Reisen, so Jeitler, könne keine Konzerthalle der Welt, nicht die Oper in Sidney, nicht die Carnegie Hall in New York, nicht die Royal Albert Hall in London, mit dem Musikverein mithalten. „Aber das hat wahrscheinlich emotionale Gründe.“ Das speziellste Konzert spielt Jeitler freilich stets zu Neujahr. Schließlich sei den Musikern klar, dass sich für viele Menschen ein Lebenstraum erfüllt, wenn sie einmal am 1. Jänner im Goldenen Saal des Musikvereins sitzen, die Stimmung sei eine ganz besondere. Dass 73 Fernsehstationen übertragen, dass 43 Millionen Menschen in aller Welt hören könnten, wenn er einen Fehler macht, daran dürfe er in dem Moment nicht denken, um nicht nervös zu werden. Der Silvesterrausch, so erzählt er im Buch, falle damit für die Musiker freilich aus. Oder sie probieren aus, wie sich ein Neujahrskater mit dem Konzert vereinbaren lässt. („Was für eine Qual! Ich saß da mit hämmernden Kopfschmerzen, neben mir das Schlagwerk und die Pauken.“). Es war seine letzte ausgiebige Feier.


Zumindest bisher. Fortan kann Jeitler unbeschwert den Jahreswechsel feiern, mit September geht er in Pension. „Ich sehe dem gelassen entgegen“, sagt er, schließlich werde er als Musiker aktiv bleiben. „Ich bin unendlich dankbar und glücklich über diese Karriere.“ Über einen Beruf, der einem nie auf die Nerven gehe. Über ein Glücksgefühl beim Spielen, wenn er etwa wieder eine neue, feine Nuance in der Zauberflöte entdecke, das all die Jahre angehalten habe.

Auf einen Blick

In Frack und Lederhose – Aus dem Leben eines Wiener Philharmonikers (168 Seiten, mit beiliegender CD), Verlag Styria Premium, 24,99 Euro. Die Werbetexterin Maria Jeitler hat darin die Lebensgeschichte ihres Vaters, des langjährigen Philharmonikers Karl Jeitler, aufgezeichnet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2012)

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10 Kommentare
Gast: 12345678
18.06.2012 10:56
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HANSI HINTERSEER VERDIENT MEHR

NA UND ??

Gast: Hör´ ich richtig?
17.06.2012 19:48
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überbezahlt

Ich weiß von einem Philharmoniker der sich gerade 4 Eigentumswohnungen zur Kapitalanlage kaufte.

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Re: überbezahlt

Hätten Sie halt Triangel spielen gelernt!
Wenn man Kultur nur unter dem Kostenaspekt sieht,dürfte kein einziges Theaterstück,keine einzige Oper oder Operette und kein einziges Musical gespielt werden.Alle bekommen Subventionen sonst wäre kein Kulturbetrieb möglich.
Und wenn Sie es schon so mit der Kostenwahrheit haben-der ORF zahlt Millionen für die Übertragungsrechte div.Sportveranstaltungen,ob Fußball oder Formel 1.Indirekt finanzieren wir alle mit unseren Gebühren dass die Töchter von Herrn Eccelstone mit Platinkreditkarten zahlen können und das unintelligente Fußballer die nicht einmal unfallfrei guten Morgen sagen können,mit Luxuskarossen durch die Gegend fahren.Und da regen Sie sich über Philharmoniker auf,die Eigentumswohnungen kaufen,das ist wirklich lächerlich.Im Prinzip sind diese Berufsfelder die einzigen,die noch nach Angebote und Nachfrage funktionieren.Sollte es einmal so viele arbeitslose,erstklassige Profimusiker wie arbeitslose Arbeitnehmer mit "normalen" Berufen geben,wird auch deren Gehaltsniveau sinken.

Re: überbezahlt

Was sollen Ihre neidigen Kommentare? Auch dürften Sie wenig Ahnung von Musikkultur haben. Mit Ihren Äußerungen blamieren Sie sich noch dazu. Eines der besten Orchester der Welt besteht nun mal aus hervorragenden Musikern und die sollen auch entsprechend entlohnt werden. Dass Kultur Geld kostet, das ist klar. Aber was täten wir ohne unsere (Musik)kulltur? Seien wir doch stolz darauf und gönnen wir diesen außergewöhnlichen Künstlern ihr Einkommen, Herr Kulturbanause.

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Re: überbezahlt

Ah, wir fangen die Neiddebatte wieder an!

Warum, nicht, da wir ja sonst nichts können......

Antworten Gast: bergziege
18.06.2012 01:07
2 0

Re: überbezahlt

Warum sollte er nicht? Die hat er sich verdient? Wer in diesem Beruf fit sein will, muss viel üben.

Antworten Antworten Gast: Hör´ ich richtig?
18.06.2012 08:28
2 6

Re: Re: überbezahlt


Erstens sind sie unteres Mittelfeld. Zweitens ist für subventionierte Gagen uns nichts zu teuer. Die paar Nostalgiker und Liebhaber unter den Zuhörern könnten mit ihren Eintrittspreisen diese Gagen nie finanzieren. Würde Kostenwahrheit bestehen, müssten die Philharmoniker noch etwas für die Saalmiete drauflegen, weil die Einnahmen an der Abendkassa nicht ausreichen.

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Re: Re: Re: überbezahlt

Unteres Mittelfeld?

Wenn man so wenig Ahnung hat, sollte man lieber schweigen!

3 1

Re: überbezahlt

nein. sie hören nicht richtig, denn sonst würden sie nicht so einen Blödsinn schreiben.

Re: überbezahlt

Erstens sind die WP eine Elite - unter den Top3 weltweit. Zweitens bieten sie was dafür. Und drittens - na und? Der Neid is a Hund, was? Übers Blockflötenspielen net rausgekommen?