Politik nützt kurze Fußballpause: Rot und Schwarz feiern – getrennt

20.06.2012 | 18:34 |   (Die Presse)

Feste. Im Altmannsdorfer Gartenhotel traf sich die linke Reichshälfte gestern zum (abgespeckten) Kanzlerfest. Die andere feierte Veit Sorgers Abschied und Geburtstag.

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Im Vorjahr war die Sache noch klarer gewesen: Die eine Reichshälfte im Gartenhotel in Altmannsdorf, wo sich der Kanzler feiern ließ. Die andere draußen vor den Toren der Bundeshauptstadt, in Laxenburg, wo sich der niederösterreichische Landeshauptmann feiern ließ. Erwin Pröll hat heuer (Zufall? Absicht?) auf eine zeitgleiche Gegenveranstaltung verzichtet, das Sommernachtsfest der niederösterreichischen ÖVP findet erst nächsten Dienstag statt. Nichtsdestotrotz kam es auch heuer zum Match der großparteilich zuordenbaren Abendveranstaltungen.

Denn während Werner Faymann im Grünen zwischen Festzelten antrat, um Hände zu schütteln, tat dies andernorts Veit Sorger: Die Industriellenvereinigung hatte zum Fest für ihren Präsidenten gebeten, der nach acht Jahren Amtszeit die Geschäfte abgibt. Und außerdem Geburtstag feiert – am 10. Juni wurde Veit Sorger 70.

Immerhin, einen dritten Konkurrenten hatte man mit der Terminwahl da wie dort wohlweislich ausgeschlossen – indem man sich für den fußballfreien Tag entschied, an dem die Spieler der Euro Pause machen dürfen, ehe es morgen in die Viertelfinalspiele geht. Was blieb, war allein das Match um jene Unentschlossenen, die sich nicht sicher waren, welchem der beiden Sommerfeste man sich nun zuwenden solle. Denn so klar sind die Trennlinien nie gesteckt, als dass man nicht beiden Seiten die Aufwartung machen könnte: 2011 hat Sorger, der zwar keiner Partei angehört, aber als konservativ gilt, Faymanns Sommerfest selbst besucht.

Heuer stand „daheim“, im Haus der Industrie auf dem Schwarzenbergplatz, anderes für ihn auf dem Programm: Ein Cocktail und ein Satz aus dem Dvorak-Sextett des Gustav Mahler Jugendorchesters, eine Diskussion über „Österreich in der EU“, zum Abschluss ein „Zapfenstreich“ – ehe man zum Empfangsteil überging.

Auf der „nur“ 400 Personen umfassenden Gästeliste: Wolfgang Anzengruber, Christoph Badelt, mehrere Botschafter und Bankchefs, Brigitte Ederer, Benita Ferrero-Waldner, Elisabeth Gürtler, Alt-Abt Gregor Henckel-Donnersmarck, Christoph Leitl, Josef Pröll, Erhard Busek und die ÖVP-Minister Michael Spindelegger, Maria Fekter, Beatrix Karl, Reinhold Mitterlehner und Karlheinz Töchterle.


Musikalisch weniger klassisch (mit „DelaDap“ und „da Blechhauf'n“) ging es in Altmannsdorf zu. Und auch ruhiger als sonst: Aus Spargründen hatte man die Gästeliste um ein Drittel von 3000 auf 2000 gekürzt. Immer noch – neben SP-Granden – drauf: Barbara Stöckl, Konrad Paul Liessmann, Thomas Brezina, Robert Menasse oder Schwimmerin Fabienne Nadarajah. Partyhopping betreiben mussten die SP-Minister Rudolf Hundstorfer, Doris Bures und Gabriele Heinisch-Hosek, aber auch Erich Hampel, Christian Kern und Franz Vranitzky: Sie hatten sich für beide Feste angekündigt. tes

Auf einen Blick

In Wien-Altmannsdorf fand gestern das Kanzlerfest statt. Werner Faymann hatte 2000 Gäste geladen – im Vorjahr waren es noch mehr als 3000 gewesen. Im Haus der Industrie fand mit 400 Gästen ein Fest für Veit Sorger, den Präsidenten der Industriellenvereinigung, statt. Er wurde am 10. Juni 70 und scheidet nach acht Jahren aus dem Amt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2012)

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