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Madonna: "Gehe jetzt besser mit Druck um"

23.06.2012 | 18:02 |  von Barbara Gasser (Die Presse)

Mit "W.E." hat sich Madonna an die Verfilmung der Liebesgeschichte zwischen King Edward und Wallis Simpson gewagt. Was sie motiviert hat und wie sie nun mit Kritik umgeht, erzählt sie im Interview.

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Was war Ihre Motivation, sich mit „W.E.“ an die Verfilmung der größten Liebesgeschichte des 20.Jahrhunderts zu wagen?

Madonna: Weil die Geschichte des britischen Königs Edward VIII. und der geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson unbestritten die bewegendste Liebesgeschichte ist. Es passiert für gewöhnlich nur im Märchen, dass der König aus Liebe abdankt. Welches Gefühl muss es sein, so zu lieben, um dieses Opfer zu bringen? Diese Frage bewegte mich anfangs. Im Zuge meiner Recherche verlagerte sich mein Interesse zunehmend auf Wallis Simpson. Ich hatte das Glück, ihre Briefe zu lesen. Darin spricht Wallis Simpson offen ihre Gedanken aus, tagtäglich mit dem Gewicht der Verantwortung leben zu müssen, dass der König für die Nichtadelige und geschiedene Amerikanerin auf den Thron verzichtete.

 

Wie erklären Sie Ihrer 15-jährigen Tochter Lourdes, dass der Märchenprinz und die große Liebe nicht unbedingt real sind?

Das ist eine gute Frage, interessanterweise träumen viele Frauen davon, dass uns der perfekte Mann den Boden unter den Füßen wegzieht und die große Liebe unser Leben auf den Kopf stellt. Darum geht es auf der zweiten Ebene von „W.E.“, auf der Wally Winthrop mit einem gut aussehenden Arzt verheiratet ist und auf der noblen Park Avenue in New York lebt. Nach außen hin perfekt. Meiner Tochter und anderen Teenagern würde ich jedoch gern vermitteln, dass weder Eltern noch Freundinnen noch die Gesellschaft bestimmen, wer oder was perfekt ist. Diese Entscheidung trifft nur sie.

Wie sind Sie bei der Arbeit vorgegangen?

Das Wichtigste war intensive Recherche. Ich traf mich mit Menschen, die Wallis und Edward VIII. kannten, las unzählige Bücher und sah die Auktionskataloge durch. Eine Wand in meinem Arbeitszimmer war vollgepflastert mit Fotos der beiden. Das half mir beim Schreiben, um vollkommen in diese Welt einzutauchen.

 

Haben Sie Ihre beiden regieführenden Ex-Ehemänner Guy Ritchie und Sean Penn konsultiert?

Ja, Sean hat mich bei technischen Fragen unterstützt, während Guy mit mir den historischen Kontext diskutierte.

 

Sind Sie auf Grenzen gestoßen?

Ja. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zum letzten Mal so oft „Nein“ gehört habe (lacht).

Pflegen Sie gewisse Rituale vor Beginn der Dreharbeiten?

Mein Ritual bestand darin, meine Darsteller bei den letzten Details zu „begrapschen“ beispielsweise ein letzter Bürstenstrich durch die Frisur, eine Kette um den Hals legen oder die Falten des Anzugs glatt streichen. In diesen Berührungen sah ich gutes Omen vor Beginn eines harten Arbeitstages.

 

Stilistisch wirkt „W.E.“ wie ein Hochglanzmagazin mit atemberaubender Mode.

Meine Kostümbildnerin Arianne hat über 80 Haute-Couture-Modelle angefertigt. Man darf nicht vergessen, die Dreißigerjahre sind die Geburtsstunde der Modehäuser Christian Dior, Yves St. Laurent, Givenchy, Vionnet, Schiaparelli und Balenciaga, und ich bin ein Fan dieser Ära, weil die Designs innovativ sind.

Einblick in das Luxusleben der oberen Zehntausend vermittelt in „W.E.“ die Auktion bei Sotheby's, wo Sammler bereit sind, nicht nur für Haute Couture und Juwelen astronomische Summen hinzublättern, sondern sogar für Serviettenringe, Pillendosen oder ein Paar getragener Handschuhe. Wann waren Sie zuletzt bei einer Versteigerung, und was wollten Sie erwerben?

Ein Gemälde von Tamara de Lempicka. Das war vor rund zwei Jahren. Ich habe kein einziges Bild erstanden. Zu teuer (lacht).

 

Bei den Kritikern ist „W.E.“ durchgefallen. Wie gehen Sie mit Kritik um?

Wenn eine Kritik fair ist und mein Film in seinem künstlerischen Anspruch kritisiert wird, nehme ich mir das zu Herzen. Film als Medium ist relativ neu für mich. Allerdings bin ich in anderen Genres erfolgreich, weshalb bei mir andere Maßstäbe angelegt werden als bei einem unbekannten Regisseur. Kritik lässt mich dann kalt, wenn sie diese Erfolge als Vergleich heranzieht. Der Druck erinnert mich an die Anfänge meiner Musikkarriere. Damals war ich nervös, weil ich ahnungslos war. Den Erfolg habe ich mir hart erarbeitet. Das Filmgeschäft ist nicht anders als das Musikgeschäft, bloß heute gehe ich besser mit Erfolgsdruck um.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2012)

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