Elisabeth Gürtler: "Habe immer schnorren müssen"

21.01.2013 | 13:14 |   (DiePresse.com)

Die Sacher-Chefin schwelgt in Erinnerungen. Gürtler war acht Jahre für den Opernball verantwortlich, mit Direktor Holender hatte sie ihre liebe Mühe.

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Elisabeth Gürtler hat den Opernball insgesamt acht Mal organisiert. 2007 legte sie den Job zurück, ihr folgte Desiree Treichl-Stürgkh nach. Im Interview erinnerte sich die Sacher-Chefin an die Zeit, als sie für das bunte High-Society-Spektakel zuständig war. Zu ihren Hauptherausforderungen zählte wohl der damalige Staatsoperndirektor Ioan Holender, mit dem sie ihre liebe Mühe hatte - vor allem, was das Finanzielle anbelangte: "Es war immer sehr, sehr problematisch, Geld zu bekommen."

Die Zusammenarbeit sei schwierig gewesen: "Ich habe ja einen Direktor gehabt, der diesen Ball am liebsten verbannt hätte, am liebsten nicht hingegangen wär und mir jedes Mal erklärt hat, wie unnötig der Ball ist, obwohl das immer der erfolgreichste Tag des Jahres war." Holender habe eigentlich nur interessiert, wie viel Geld dort erwirtschaftet werde: "Aber er wollte möglichst wenig ausgeben, möglichst gar nichts."

Kostüme schnorren

Es sollte alles gesponsert werden, es durfte alles nichts kosten, erinnerte sich Gürtler: "Ich habe immer schnorren müssen. Wenn unsere armen Kinder Ballett getanzt haben, bin ich zu Peppino Teuschler (Wiener Schneider, Anm.) und habe zu ihm gesagt: 'Bitte, bitte, wir brauchen Kinderfräcke.'" Die Kostüme der Mädchen habe sie mit Annette Beaufays, der Leiterin der Kostümwerkstätten der Österreichischen Bundestheater, zum Teil basteln müssen.

Dies habe sich nun, unter Holenders Nachfolger Dominique Meyer, geändert: "Es ist sicher gut, dass sich der Direktor und die Organisatorin hervorragend verstehen, dass der Opernball vom Direktor gefördert wird, dass er ihn liebt, dass er stolz auf ihn ist." Dabei gab es Lob für ihre Nachfolgerin Treichl-Stürgkh und Meyer: "Ich finde, die machen das sehr gut."

Kunst, Politik und Wirtschaft

Gürtler hatte die Organisation 1999 übernommen, als die Veranstaltung ein wenig zu schrill geworden war. Die Sacher-Chefin sorgte dafür, dass das Spektakel wieder zu den ursprünglichen drei Säulen - Kunst, Politik und Wirtschaft - zurückkehrte. Unter ihr war der Opernball auch wirtschaftlich erfolgreich. Durchschnittlich 1,1 Millionen Euro Reingewinn wurden alljährlich eingenommen.

Contenance bewahren hieß es für Gürtler während ihrer Zeit als Organisatorin wohl auch in Sachen Richard Lugner. Der Baulöwe sorgte mit seinen durchaus schrillen Promi-Gästen, wie Society-Sternchen Paris Hilton, Playboy-Bunny Carmen Electra, Baywatch-Nixe Pamela Anderson oder - bereits in der Treichl-Stürgkh-Ära - dem marokkanischen Partymädchen Karima al-Mahroug alias Ruby Rubacuore , für Aufsehen - und bei manch einem wohl auch für Verstimmung.

Lugner merkt man gar nicht

Auf die Frage, ob es denn möglich sei, Lugner von der Veranstaltung auszuschließen, meinte Gürtler: "Gerade der Opernball ist ein Staatsball und es ist ein öffentlicher Ball. Wir leben in einer Demokratie. Jeder, der sich nicht wirklich schlecht, anstößig benimmt, muss das Recht haben, eine Karte zu kaufen." Der Rummel um den umtriebigen Baulöwen hätte auch eine gute Seite: "Dadurch, dass es in den Medien so hochgepusht wird, ist es Werbung - nämlich, dass der Ball im Gespräch ist. Wenn man am Ball ist, merkt man Herrn Lugner gar nicht, den sieht man bei 6000 Leuten gar nicht."

Trotz dieses Pluspunktes hob sie auch die negative Seite hervor: "Aber es ist natürlich auch wieder so, dass viele sagen: 'Ich will doch nicht mit einer Ruby am Ball sein. Das ist doch kein vornehmer Ball. Dafür soll ich so viel Geld ausgeben?'" Sie fügte hinzu: "Wenn er sich ein bisschen auf stilvolle Gäste beschränkt hätte, wäre es wahrscheinlich nicht schlecht gewesen. Eine Sophia Loren war sicher ein toller Gast, eine Fergie war ein toller Gast - aber eine Ruby?"

(APA)

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3 Kommentare

na klar die meisten damen die nicht mit Ruby

auf dem ball sein wollen, fürchten nur die konkurrenz. :)

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