Opernball: Der junge Ball?

Der Wiener Opernball soll jünger, moderner, cooler werden, das hat sich Desirée Treichl-Stürgkh zum Ziel gesetzt– aber funktioniert das auch? Eine Untersuchung in der Ballnacht am Donnerstagabend.

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(c) APA

Die tätowierte Ballerina auf dem Plakat steht dafür: Der Opernball soll jünger, moderner, cooler werden, das hat sich Desirée Treichl-Stürgkh zum Ziel gesetzt. Nicht gerade die erste Assoziation am Donnerstag beim Blick in die Logen, durch die Gänge und auf die Tanzfläche. Vielleicht im neuen „Jugendraum“? Unter dem Dach liegt die „Galerie-Bar“, in der der Wiener DJ Felipe, bürgerlich Philipp Straub, im stylish-weißen Ambiente Musik auflegt. Oder auch nicht: Während die Tanzfläche unten voll ist, sitzen hier nur ein paar Paare, denen die Füße schmerzen.

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Party schaut anders aus. Idee gut, Umsetzung ausbaufähig, urteilt Straub. Denn die DJ-bespielte „Galerie-Bar“ ist von Tischen umgeben, die „60-plus-Gäste gebucht haben. Das führt natürlich zu Konflikten. Man müsste es als Clubraum verkaufen, und an der Raumgestaltung arbeiten – derzeit ist es taghell, das bräuchte mehr Anonymität.“ Straub ist übrigens „kein Ballgänger“ – obwohl sein Vater zwei Jahrzehnte Geschäftsführer der Hofburg war. Und staunte über die vielen SMS, die er von seinen Underground-Freunden bekam, „die sich nun wirklich nicht mit dem Opernball identifizieren“.

Erstaunt war an diesem Abend auch Burkhard Kieker, der Tourismuschef Berlins. Er war mit seinem Wiener Pendant Norbert Kettner auf dem Ball – nachdem die beiden international kooperieren und die Städte nach dem Motto „cool plus stilvoll“ gemeinsam vermarkten. „Was einen wirklich beeindruckt, ist diese ungeheure Lebensfreude – auch wenn man aus Berlin kommt, wo ja bekanntlich die Post abgeht.“ Er hat sich den Ball „formaler vorgestellt, in Deutschland denkt man, das sei eine extrem konservative Veranstaltung“. Stattdessen ist er überrascht über die „vielen jungen Leute“, berichtet er nach der Quadrille am Würstelstand. „Wir haben gerade zwei Männer tanzen gesehen“, ergänzt Kollege Kettner. „Das wäre vor zehn, 15 Jahren ein totaler Skandal gewesen.“

Und auch das Image des Balls habe sich – nach Jahren der Schieflage auch im deutschen Boulevard – zuletzt wieder gebessert; auch der Red Carpet sei für Wien ganz gut. Dass viele am Ball zumindest gern jung wären, beobachtete Soko-Kitzbühel-Star Kristina Sprenger, nach kurzfristiger Einladung erstmals ungläubig auf dem roten Teppich („Opernball ist etwas, das schaut man sich im Fernsehen an, da ist man nicht dort!“). Sie erfreut sich am Schauen – und an den Damen in rosa und türkisen Kleidern, die „auch jenseits der 50 glauben, sie seien Debütantinnen. Das ist ganz putzig. Und charmant: dass das Träumen nicht aufhört.“

Von einer „lustigen Veranstaltung“ spricht auch André Tegeler. Unter dem Künstlernamen Moguai ist der Deutsche als DJ in den USA, Europa und Asien unterwegs und bespielt Clubs in Las Vegas und Miami. Auf den Opernball hat ihn DJ Felipe geladen. „Schon sehr imposant“, findet er die Sache, dann aber auch „nicht so spektakulär wie den Hype darum. Eigentlich so, wie ein Ball halt ist.“ In einer Zeit, in der alles „im Rush“ ist, finde er „so etwas Gesetzteres, leicht Angestaubtes, das die Tradition aufrechterhält, eigentlich toll“. Um wirklich „jung“ zu sein, meint er, müssten gerade die jungen Leute lockerer werden. „Die sind Mitte 20 und kommen daher wie Mitte 60. Das müsste aufgebrochen werden – auch bei der Kleiderwahl. Das ist ja manchmal antiquarisch!“

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