Üblicherweise beschränken sich die Pressemitteilungen von „Clarence House“, der offiziellen Residenz von Prinz Charles, auf die Bekanntgabe von Besuchsterminen oder die Abschriften längst gehaltener Reden des Thronfolgers und seiner Söhne. Doch gestern Mittag sah sich der Pressestab des Prinzen zu einer „Klarstellung“ genötigt – so groß war offenbar der Ärger wegen angeblich „irreführender“ Berichterstattung über Charles und die Kosten seiner Reiseaktivitäten für die britischen Steuerzahler.
Mit Schlagzeilen wie „Royal Flush: Prinz Charles bekommt 12 Prozent Gehaltserhöhung während der Rest von uns unter der Kreditklemme leidet“ („Daily Mirror“) und „Geldverschwender Charles freut sich über prinzliche Gehaltserhöhung“ („The Sun“) hatten die britischen Medien zuvor über die steigenden Ausgaben der Königsfamilie berichtet. Demnach stieg der steuerfinanzierte Etat des Thronfolgers 2011 um knapp 200.000 Pfund auf 2,1 Millionen Pfund – fast ein Viertel davon (500.000 Pfund) ging für eine neuntägige Reise durch den Nahen Osten und Afrika drauf.
Doch dieser Trip – wie alle 48.000 Meilen, die Charles und Camilla 2011 zurücklegten – sei schließlich im Auftrag der britischen Regierung absolviert worden, so die im Ton leicht beleidigte Stellungnahme von „Clarence House“. Zur Verteidigung des Prinzen wurde auch gleich noch der Chef des Diplomatischen Dienstes, Simon Fraser, zitiert: „Die Besuche des Prinzen von Wales haben britische Wirtschaftsinteressen, Investitionen und Entwicklungsziele unterstützt und unsere Werte in der ganzen Welt beworben.“
Insgesamt gab der Prinz über eine Million Pfund für seine Reisen aus – allein eine Kurzvisite von Aberdeen ins krawallgebeutelte London im vergangenen August kostete fast 20.000 Pfund, eine königliche Zugfahrt von Schottland nach London fast doppelt so viel. Zum Vergleich: Die Afghanistan-Reise von Premier Cameron im gleichen Jahr kostete gerade einmal 2000 Pfund.
Wofür der Rest genau draufging wollte „Clarence House“ nicht verraten. So seien etwa die Kosten der Hochzeit von Prinz William und Kate „Privatsache“. Und auch, dass Charles allein in diesem Jahr bereits 35.000 Pfund für die offizielle Garderobe seiner Schwiegertochter ausgegeben haben soll, mochte sein Privatsekretär den britischen Boulevardmedien nicht bestätigen.
Dabei steht nicht nur Charles wegen seiner Reiseaktivitäten in der Kritik: Wie die „Times“ berichtet, gab sein jüngerer Bruder Andrew ebenfalls mehrere hunderttausend Pfund für Reisen aus, auch noch nachdem der Herzog von York im Juli 2011 seinen ehrenamtlichen Posten als offizieller Handelsbotschafter hatte aufgeben müssen (er war beim Feiern mit einem verurteilten Kinderschänder aus den USA erwischt worden).
Der Blick in die Haushaltsbücher der Queen und ihrer Kinder ist in Großbritannien ein jährliches Medienritual – an dem sich auch die Haltung zum Königshaus ablesen lässt: Während der königstreue „Daily Telegraph“ (nicht grundlos die Lieblingszeitung der Queen) vorrechnete, dass die Königsfamilie jeden Briten doch nur 52 Pence (65 Cent) koste, hob der „Guardian“, linksliberales Lieblingsblatt der versprengten Republikaner, den enormen Reiseetat hervor: Insgesamt kosteten die Besuche der Königsfamilie die öffentliche Hand über sechs Millionen Pfund, ihr Gesamtetat aus Steuermitteln stieg um 200.000 auf 32 Millionen Pfund.
Angesichts des dramatischen Sparkurses, den die Regierung den Untertanen der Queen derzeit aufbürdet, bemühte sich der Buckingham Palace, die steigenden Kosten herunterzuspielen. Wenn man die steigende Inflation miteinrechne, so der Hüter der königlichen Privatschatulle, Sir Alan Reid, seien die Ausgaben über drei Jahre sogar um 26 Prozent gesunken.
Die britischen Royals sind beim jährlichen Rechenschaftsbericht in die Kritik geraten. Insgesamt kosteten die Besuche der Königsfamilie die öffentliche Hand über sechs Millionen Pfund. Insbesondere Prinz Charles (63) und die Herzogin von Cornwall sorgten für einen markanten Anstieg der Ausgaben. Angesichts der empörten Schlagzeilen ließ sich Charles gestern von seinem Pressebüro – höchst ungewöhnlich – rechtfertigen. Er selbst feiert gerade 60 Jahre als Herzog von Cornwall – mit einer Reise dorthin.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2012)
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