Kann auch ziemlich öd sein, so ein Staatsbankett. Das dürfte sich Pentti Arajärvi gedacht haben. Der Mann der finnischen Präsidentin Tarja Halonen blickt während einer dieser pompösen Veranstaltungen fadisiert durch den Raum, bis sein Blick am Ausschnitt seiner Sitznachbarin hängen bleibt. Diese bemerkt die Blicke – und verdeckt mit einer Hand ihr Dekolleté. Arajärvi hingegen reagiert wie ein klassischer Ertappter und blickt pfeilschnell auf die Decke, ganz nach dem Motto: „Hübsch hier.“
Für gewöhnlich würde dieser Fauxpas nach ein bisschen Kopfschütteln in der untersten Anekdoten-Schublade verschwinden. Nun handelt es sich bei der besagten Sitznachbarin aber um Kronprinzessin Mary von Dänemark, das hochoffiziöse Bankett wurde mitgefilmt und dank YouTube haben die Royals wieder einmal das Wohnzimmer unterhalten.
Genau das wird ab Dienstag nächster Woche wieder passieren: Die ORF-Moderatoren Lisbeth Bischoff und Alfons Haider präsentieren auf ORF2 die fünfteilige Serie „Die Royals“ (jeweils am Dienstag um 21.05 Uhr). Viel Pomp, viel Glamour, viel Etikette, aber – noch dramatischer – viel Schmutzwäsche, wie die Namen der Folgen offenbaren: „Ihre wahren Neigungen“, „Ihre dunklen Geschäfte“ und „Ihre geheimen Codes“. Nicht zu vergessen ihre Affären, Romanzen und Liebschaften, die selbst in den Jahrhunderten zuvor das Volk belustigt, entsetzt, jedenfalls aber beschäftigt haben.
Und noch immer fasziniert der Adel. Aber warum eigentlich? „Wir betrachten sie als Vorbilder“, sagt Bischoff, die sich auch für den inhaltlichen Teil verantwortlich zeigt. Und: „Wenn Adelige Probleme haben, dann werden sie menschlich.“ Als etwa die schwedische Prinzessin Madeleine vor zwei Jahren ihre Verlobung mit Jonas Bergström (nach siebenjähriger Beziehung) aufgelöst hatte, trauerte der Boulevard mit Madeleine mit: Bergström soll sie schließlich betrogen haben – und natürlich hat ganz Schweden Bescheid gewusst.
Das Leben in der Öffentlichkeit ist für die Royals allerdings kein Sprung ins kalte Wasser, wie es bei den meisten Neo-Bewohnern der Hollywood-Stratosphäre der Fall ist: Das Land zu repräsentieren ist schließlich der Job der meisten Hochadel-Familien. Und im Gegensatz zu Hollywood scheinen die Royals auch eine Eigenschaft zu bieten, die in der Facebook-Ära untergeht: Wertehaltung, Kontinuität.
Das Internetzeitalter hat aber auch die Royals verändert – sie sind greifbarer geworden (auch dank der Paparazzi-Bilder), man begegnet ihnen auf Augenhöhe. Als Bilder des spanischen Königs Juan Carlos I. auftauchten, die ihn bei der Elefantenjagd in Afrika zeigen, musste sich der König der öffentlichen Kritik beugen; er trat als Ehrenpräsident des WWF zurück. Die Plagiatsaffäre rund um den deutschen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg blieb ebenfalls nicht folgenlos: Da seine Dissertation Urheberrechtsverletzungen aufwies, trat Guttenberg als Minister zurück. Von einer Funktion kann man schließlich zurücktreten, von der eigenen Familie aber nicht. Fast nicht.
Der britische Prince of Wales, Edward, war nur ein Jahr lang König Edward VIII. (1936): Seine zahlreichen Affären waren der konservativen Regierung ein Dorn im Auge. Als er die geschiedene Wallis Simpson heiraten wollte, wurde ihm nahegelegt, abzudanken – woraufhin das Paar Großbritannien verließ.
Das Duo Bischoff/Haider hat freilich auch alte Geschichten aus dem Hause Habsburg herausgekramt. Mindestens genau so frivol wie das eingangs erwähnte Staatsbankett ist die Anekdote über Kaiser Joseph II., der im Jahr 1778 aus dem „Gasthaus zum sechsbeinigen Löwen“ (heute „Witwe Bolte“ in Wien-Neubau) hochkantig herausgeflogen sein soll, wie es in einer Inschrift im Lokal heißt. Joseph II. soll hier, als Bürger verkleidet, die Dienste einer Dirne in Anspruch genommen haben, ohne zu bezahlen. Wie gesagt, Schmutzwäsche gab es auch schon im 18. Jahrhundert.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)
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