Krankenschwestern-Tod: Moderatoren am Boden zerstört

09.12.2012 | 19:21 |   (DiePresse.com)

Nach einem Radiostreich mit Todesfolge für Herzogin Kates Krankenschwester, hat der Sender eine Dringlichkeitssitzung einberufen. Die Moderatoren wollen öffentlich Stellung nehmen.

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Nach dem Telefonstreich eines australischen Radiosenders in jener Londoner Klinik, in der die schwangere Herzogin Kate behandelt wurde, haben die Eigentümer des Senders eine Dringlichkeitssitzung einberufen. Bei dem Treffen der Führung des Medienkonzerns Southern Cross Austereo (SCA) am Sonntag werde es um den Brief des Krankenhauschefs Simon Glenarthur an den verantwortlichen Sender 2Day FM gehen, sagte der SCA-Vorsitzende Max Moore-Wilton der Zeitung "Sydney Morning Herald". Glenarthur hatte Moore-Wilton in dem Brief aufgefordert, dafür zu sorgen, dass sich so ein Telefonstreich nicht wiederholen könne.

Unterdessen wollen sich die beiden australischen Radiomoderatoren, die nach dem Tod der Londoner Krankenschwester in der Kritik stehen, öffentlich äußern. Die beiden seien nach ihrem Scherzanruf, bei dem die Schwester fälschlicherweise annahm, die Queen persönlich sei am Apparat, am Boden zerstört und in intensiver Therapie, sagte ein Sprecher von Southern Cross Austereo. Einen Zeitpunkt für die Stellungnahme gebe es noch nicht. Die Schwester, die den Anruf des Senders angenommen hatte, wurde am Freitag tot in ihrer Wohnung gefunden.

Moderatoren sind am Boden zerstört

Die Radiomoderatoren Mel Greig und Michael Christian wurden seit Tagen nicht in der Öffentlichkeit gesehen. Sie hatten vergangenen Dienstag das Krankenhaus in London angerufen, in dem Kate, die schwangere Frau von Prinz William, wegen Übelkeit behandelt wurde.

Der Anruf ging um kurz nach fünf Uhr morgens ein. Mel Greig fragte mit affektiertem britischen Akzent, ob sie "mit Kate, meiner Enkelin" sprechen könne. Die Schwester nahm an, es handele sich um die Königin, stellte die Identität nicht infrage und stellte den Anruf zur Station durch, wo eine Kollegin Auskunft über den Zustand von Kate gab. Die Geschichte ging um die Welt. Das Krankenhaus entschuldigte sich bei den Royals und teilte mit, die internen Regeln im Umgang mit Anrufern würden überprüft.

Demütigung zweier Krankenschwestern

Klinikchef Glenarthur hatte in seinem Brief "auf das Schärfste" gegen den Telefonstreich protestiert. Die unmittelbare Folge des "vorsätzlichen und unüberlegten" Streichs sei die "Demütigung zweier aufopfernder Krankenschwestern" gewesen, die nur ihren Job gemacht hätten, nämlich sich um die Patienten zu kümmern, hieß es in dem Brief. Die zweite Folge, der Tod einer der beiden Pflegerinnen, sei "unbeschreiblich tragisch". Dass der Anruf nicht nur aufgezeichnet, sondern anschließend mit Genehmigung durch höhere Stellen des Senders auch ausgestrahlt worden sei, sei "wahrhaft entsetzlich".

(APA/AFP/dpa)

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13 Kommentare

Jetzt schauen die Prolos ...

... von Radio 2day blöd 3n, auch wenn 2fel bleiben, ob die Krankenschwester den Witz so 3st fand, dass ihr kein anderer Ausweg als der Suizid blieb.

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Kosequenzen!!

Welche Konsequenzen gibt für so eine teuere Spass! Was werden wir es nennen? Spassfreiheit? Narenfreiheit?
Eine Millionen klage wäre der richtige Weg!
Niemand hat das Recht auf Kosten andere,
sich lustig zu machen oder seine Quoten zu erhöhen. Wir sind so eine respektlose and liebelose Gesellschaft geworden, unfassbar!

Es macht mich krank wie man sich über solche
Dinge wie königliche-Familien und Ihre verdorbenen Geschichten befassen kann!
Wochenlang wir berichtet weil die Medien glauben, dass wir alles so gerne hören oder sehen! Es ist an der Zeit, dass wir sagen;
Nein Danke, es reicht und genug ist genug.

Re: Kosequenzen!!

Ich kann mir nur schwer vorstellen, daß die beiden australischen Moderatoren jetzt "am Boden zerstört" sein sollen Faktum ist, daß dieses Duo bei früheren Anlässen alle möglichen Fakes zulasten vón armen und behinderten Menschen auf Sendung gestellt und diese dem öffentlichen Spott augesetzt hatten! Da wurden diesen Dinge versprochen, die dann nie gehalten wurden. So wurde etwa so getan, als würde man eine landesweite Spendensammlung inszenieren, tatsächlich wurde gar nichts gesammelt sondern der Familie nur eine Liste von eventuell Spendenwilligen übergeben. Das Ergebnis war dann entsprechend mager Auch andere Projekte der beiden verliefen in ähnlichen Bahnen! Nach oben kuschen und nach unten treten; das scheint mir schon eher das Motto zu sein! Sowohl der beiden Moderatoren wie auch des Senders: Warum sonst hätten dessen Verantwortliche bisher noch alle Pläne ihres "Duo Infernal" abgesegnet...

Die Tricks und Kniffs der Medien ..

... um an Informationen zu kommen, die sie um die Welt posaunen können, haben ein Todesopfer gefordert.

versteckte kamera, oe3 call boy, ..., der anruf von 2dayfm im krankenhaus ...

ohman, was haben wir nicht alle gelacht bei diesen ach so lustigen spässen ...

und nun ist ein mensch tot - und nach heutigem wissen - und genau wegen so einem urlustigen "streich" - dabei haben wir alle sooo g´lacht ...

man könnt ja auch meinen dass man sich auf kosten anderer lustig macht um die eigenen quoten zu heben ...

aber nein, so war das alles natürlich nicht gemeint. interessanterweise immer erst im (recht späten) nachhinein. und natürlich tut uns dann das alles furchtbar viel leid ...


Re: versteckte kamera, oe3 call boy, ..., der anruf von 2dayfm im krankenhaus ...

Sie bevorzugen es halt, sich selbst in der Öffentlichkeit zu entblößen, indem Sie bereitwillig Proben Ihrer frei erfundenen Orthografie zum Besten geben. Jedem das Seine.

Re: versteckte kamera, oe3 call boy, ..., der anruf von 2dayfm im krankenhaus ...

Eine Mutter von ZWEI KINDERN bringt sich sicher nicht wegen sowas um.

Diese Peinlichkeit war vielleicht der Auslöser, aber sicher nicht der Grund, weshalb - FALLS - sie sich überhaupt umgbracht hat. Die muss schon vorher sehr depressiv gewesen sein.

Dass hingegen jetzt die anonyme Masse aus selbstgerechten "Racheengeln" im Internet das Leben der Moderatoren zur Hölle machen wird, ist klar und der eigentliche Skandal.

Medienscherze

Die Frage ist, war es allein dieser Scherz? Der war zwar ursächlich für alles andere, aber welche Reaktion seitens der Klinikvorgesetzten gab es gegenüber diesen Schwestern, die möglicherweise erst unmittelbar zu diesen schwerwiegenden Konsequenzen führte?

Abgesehen davon, wenn ein noch eher harmlos gemeinter Scherz bereits eine solche schwerwiegende Folgereaktion hervorrufen kann, um wieviel mehr sollte man sich vor "Scherzen" hüten, bei denen die potentiellen Folgen unmittelbar erkennbar sind und sie trotzdem der Quote wegen in Kauf genommen werden. Für manche Zuseher mögen diese ja belustigend sein, aber insbesondere für kranke und ältere Menschen, die einer erschreckenden Situation ausgesetzt werden, können sie einen fatalen Ausgang haben.

Bei manchen Sendern mögen anderseits diese Scherze ohnehin gefakt sein. Im Sinne einer Realityshow, bei der die Reality vielfach eine medial inszenierte ist und daher nur bei den Konsumenten Folgereaktionen auslösen und jeder selbst(verantwortlich) sich dieser "Wirklichkeit" aussetzt.


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Solche primitiven Scherze auf Kosten von Anderen

gibt es auch bei uns im Radio. Diese zwei Volldillos Ster-&Grissemann sind sicher neidisch, dass ihnen das nicht eingefallen ist. Im Unterschied zu Australien, wäre im RotFunk nichts passiert. Sie hätten wahrscheinlich noch eine Auszeichnung für guten Journalismus erhalten.....

Re: Solche primitiven Scherze auf Kosten von Anderen

Womöglich war das nichtmal ein Scherz. In diesem Fall hier könnte man genau so gut annehmen, dass die Medienangestellten versucht haben, mutwillig mit dem Namen der Queen an Informationen zu kommen .....

Re: Solche primitiven Scherze auf Kosten von Anderen

kein Wort dagegen!

Wesentlich mehr als die beiden Radiomoderatoren sollten die "Kollegen" in sich gehen, die diesen Vorfall zum Anlass genommen haben, eine Kollegin zu mobben und fertig zu machen.

Und hat sich die Krankenhausleitung gleich um diese Schwester gekümmert, oder vergießt sie bloß jetzt Krokodilstränen?

Big Brother Voyeurismus ...


... ist gesellschaftsfähig geworden. Am Beispiel versch. Trash-Fernsehsendungen, wo Menschen, die sich nicht einmal richtig artikulieren können, mittels pers. bzw. intimer Themen öffentlich für ein paar Euro vorgeführt werden, ohne das selbst mitzubekommen - zum "Gaudium" des Publikums.

Da gibt es keine Grenzen mehr , Subtilität und Respekt sind gestorben.


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