Es ist diesmal ziemlich kompliziert. Wir finden nämlich, dass über das Vorhaben des österreichischen Himmelstauchers Felix Baumgartner, von ziemlich hoch oben Richtung unten zu hupfen, schon ein wenig früh etwas viel berichtet wurde. Wir denken, es hätte ausgereicht, wenn Baumgartner rechtzeitig Bescheid gegeben hätte, was er vorhat, und dann einfach gesprungen wäre. Dann hätten wir uns aufrichtig mit ihm gefreut und auch gern ein Foto von Felix in seinem Raumanzug mit dem Gummibärliwasser-Logo veröffentlicht.
So aber sind wir schon etwas genervt, weil vom ersten Probesprung von einem Zehn-Meter-Brett in einem Freibad in der texanischen Wüste über diverse Anzugsanproben und Luftballonprobeflüge bis hin zur nun zum x-ten Mal verschobenen Generalprobe einfach schon zu viel Zeit vergangen ist. Spring, Felix, spring! Oder lass es bleiben. Aber mach es endlich. Das wäre ja gar nicht so kompliziert, schwierig ist es nur für uns: Durch diese Beschwerde hat es der Skydiver sogar geschafft, in der besten österreichischen Sonntagszeitung vorzukommen.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat unterdessen in Bayreuth das gleiche Kleid getragen wie schon vergangenes Jahr. Eine Tätowierung aus Jugendjahren war immerhin nicht zu sehen. Interessant sind die Reaktionen darauf: ein wenig Spott wegen des austerity chic. Gut möglich, dass ein neues teures Kleid in Zeiten der Eurokrise auch nicht recht gewesen wäre.
Nicht recht machen können es auch Serienmörder der Öffentlichkeit. Nachdem der Norweger Anders Behring Breivik vielen Beobachtern nach der Tat und vor Gericht zu wenig gezeichnet erschien, ist es beim Batman-Killer genau umgekehrt. Der sei eigenartig abwesend, blass, drohe einzuschlafen, stehe neben sich, lautete die Gerichtssaalstilkritik. Das Problem zieht sich durch: Jörg Kachelmann schaute bei seiner Verhaftung zu fröhlich, Dominique Strauss-Kahn wirkte bei seiner Anhörung vor Gericht zu ungewaschen und Kristen Stewart nach ihrem Seitensprung zu wenig... ja, was eigentlich?
Hoffentlich schaut Felix Baumgartner richtig, wenn er dann tatsächlich irgendwann einmal aus der Stratospähre gesprungen ist und seinen Helm abnimmt. Irgendwie gelöst, glücklich, verschwitzt, entrückt und vor allem durstig.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2012)
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