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Das neue New York

25.08.2012 | 17:51 |  von Florian Asamer (Die Presse)

Das neue New York oder: Warum plötzlich freiwillig von Wien nach Klagenfurt gezogen wird.

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Ob „Weiß“ gerade das neue „Schwarz“ ist oder umgekehrt, wissen wir nicht so genau. Vierzig ist angeblich das neue zwanzig. Wobei man das überdurchschnittlich häufig von Menschen um die vierzig und unterdurchschnittlich selten von Zwanzigjährigen hört. Ob in Wien gerade der 2. Bezirk der neue 6. oder der neue 7. ist, oder innerhalb des Gürtels außerhalb, können nicht einmal mehr Insider beantworten. Wenn man sich gerade so umschaut, könnte die neue Bluejeans die Red Jeans sein. Gut müssen wir das alles ja trotzdem nicht finden.

Die Mutter aller Lifestylefragen dieser Art ist aber nach wie vor, was denn gerade das neue New York ist. Die Londoner behaupten das schon lange von sich (seit Olympia noch mehr), die Shanghaier auch, was man so hört.

Ein verlässlicher Gradmesser zur Objektivierung dieser Frage war eine Zeit lang, wo Brangelina aufgetaucht sind, um einen neuen Wohnsitz zu nehmen. Das war irgendwann neulich Berlin. Dort hat dann noch Quentin Tarantino gedreht und als Ben Becker nach Wien gezogen ist, war Berlin definitiv das neue New York.

Das ist jetzt allerdings schon wieder eine Weile her. Bis Rio de Janeiro 2014 (Fußballweltmeisterschaft) und 2016 (Olympische Spiele) über Jahre die Rolle der Welthauptstadt übernimmt, ist also ein Mondfenster offen. Und vieles spricht dafür, dass Klagenfurt diese Gelegenheit nutzen könnte, um im Städte-Ranking ganz nach vorn zu kommen. Berlin muss sich anschnallen. Die Hypo- und Part-of-the-Game-Affäre kann es mit dem Berliner Flughafendesaster locker aufnehmen, der Wörther- schlägt den Wannsee um Längen und das Krokodil in Kurt Scheuchs privatem Bach wäre ein würdiger Nachfolger für den viel zu früh verschiedenen Eisbären Knut.

Zu allem Überfluss zieht jetzt noch ein wohlbestallter Staatssekretär im Außenamt, der die ganze Welt und vor allem das österreichische Kulturinstitut in New York von innen gesehen hat, freiwillig, wie er wiederholt betont hat, nach Klagenfurt. Er hat sich im Match um den Posten eines Landesrats gegen harte innerparteiliche Konkurrenz durchgesetzt. Vielleicht stehen neben dem Lindwurm bald Enzis, und alle Kärntner tragen rote Jeans. Und die Kärntner ÖVP könnte schon bald die neue FPK sein.

Oder umgekehrt.

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.08.2012)

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