Manchmal muss man assoziativ doch sehr gelenkig sein, um eine thematische Brücke über eine ganze Woche hin zu schlagen. Diesmal ist es fast zu einfach. Alte Männer, wohin man schaut.
Zunächst natürlich in Österreich, wo Frank Stronach (80) seine Partei plus Programm präsentiert – also letztlich wieder einmal sich selbst. Ein sicherer Lacher. Womit man in diesem Land immer noch am besten fährt, wie nicht nur die Quoten für Braunschlag beweisen. Dass jemand, der frei ist zu tun, was immer er will, ausgerechnet in den österreichischen Nationalrat drängt, ist für unsere politikverdrossene Demokratie ein ermutigendes Zeichen.
Im deutschen Bundestag durfte Kanzlergigant Helmut Kohl anlässlich seines 30-Jahr-Jubiläums zum Kanzlerbeginn wieder einmal auf einen Sprung vorbeischauen. Sein ehemaliges Mädchen, das inzwischen Bundeskanzlerin ist, hielt etwas gequält eine würdige Ansprache auf den 82-Jährigen. Auch der alte Widersacher Wolfgang Schäuble applaudierte artig. Und dann bekam Kohl eine Ehrenbriefmarke überreicht. 55 Cent pro Stück wert, bescheiden für einen Mann, der den damals neuen Bundesländern die D-Mark spendierte.
Als hätten die Deutschen derzeit mindestens drei Kanzler gleichzeitig, lieferte sich Alt-Alt-Kanzler Helmut Schmidt mit 93 Jahren einen bemerkenswerten TV-Schlagabtausch zum Thema Europa mit Bundespräsident Joachim Gauck, der mit seinen 72 Jahren fast ein wenig grün hinter den Ohren wirkte.
Ein anderer deutscher Altmeister, Michael Schumacher, verliert tags darauf seinen Platz im Formel-1-Cockpit des Mercedes-Silberpfeil. Ein eher unehrenhafter Abschied für den Rekordweltmeister, der seit seinem Comeback nur mehr einmal mit einem dritten Platz zur Siegerehrung durfte. Seinen Job bekommt Lewis Hamilton, mit ihm kommt aber der nächste Methusalem zu Mercedes: Unser ewiger Niki Lauda darf dem Rennstall vorsitzen, weil er einen Streit zwischen den Benzen und Formel 1-Chef Bernie Ecclestone geschlichtet hat. Der ist inzwischen auch schon 82 Jahre alt. Damit ein halbes Jahre jünger als Helmut Kohl übrigens.
Und da sage noch einmal einer, wir leben in einer Gesellschaft im Jugendwahn. Her mit dem Briefmarkenalbum, wir beginnen mit der Kohl-Marke. Für 55 Cent.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2012)
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