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Vergogelt

20.10.2012 | 18:03 |  von Florian Asamer (Die Presse)

Oder: Warum ein alter Softporno heute sogar für die Werbung zu harmlos ist.

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Zugegeben. Es ist etwas schwer, mit dieser Leere umzugehen. Nachdem Felix Baumgartner doch noch gesprungen ist (wir mussten hier heute so einsteigen, um quasi öffentlich Abbitte dafür zu leisten, dass wir daran gezweifelt haben, ob er jemals springen wird), ist es schwer, sich wieder auf das unspektakuläre Leben zu konzentrieren.

Da findet sich so Normales wie EU-Gipfel, die weitgehend unverständliche Dinge beschließen, um den Euro zu retten. Aufgefallen ist uns nur, dass der französische Präsident François Hollande und der griechische Premierminister Antonis Samaras sich zunehmend ähnlich schauen. Vor allem aber, dass Kommissionspräsident José Manuel Barroso optisch immer mehr der Trainerikone Otto Barić gleicht.

Übrigens, wer nach Baumgartners Sturz aus dem All auf den Geschmack gekommen ist, sollte sich die Bilder des Besuchs der australischen Premierministerin Julia Gillard in Indien anschauen. Nachdem die Politikerin an einer Gandhi-Gedenkstätte einen Kranz niedergelegt hatte, blieb sie mit dem Stöckelschuhen im Gras stecken und schlug der Länge nach hin. In ihrem Statement danach blieb sie Baumgartner-cool: „Für Männer, die den lieben langen Tag flache Schuhe tragen: Wenn Sie einen Absatz tragen, kann er im Gras feststecken, dann ziehen Sie den Fuß hoch – und der Schuh folgt nicht.“

Der Suchmaschinenriese Google hat sich vergogelt. Zu früh wurde die Bilanz veröffentlicht, was zu Zigmilliarden Verlust in ein paar Minuten führte. Alles, was die tun, bewegt gleich ein paar Milliarden. Auch die Fehler.
Sonst gibt es traurige Nachrichten: Sylvia Kristel ist mit nur 60 Jahren an Krebs gestorben. Sie hat als Hauptdarstellerin der „Emmanuelle“-Serie mindestens so viel für die Aufklärung einer ganzen Generation getan wie Dr. Sommer und sein Bravo-Team. Wer den Anlass nutzt, um Kristel-Bilder zu googeln, findet sich in einer unschuldigen Weichzeichnerwelt wieder. Was damals unter Softporno firmierte, ist heute für eine durchschnittliche Drogeriemarktwerbung zu keusch. Die niederländische Schauspielerin trat übrigens an der Seite von Alain Delon auf und spielte in Filmen von Regisseuren wie Claude Chabrol und Woody Allen mit. Bekleidet. Unbemerkt.

Diese Leere. Hoffentlich kommt Felix bald vorbei. Auf einen Sprung.

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2012)

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