Petraeus' Skyfall

17.11.2012 | 18:10 |  von Florian Asamer (Die Presse)

Oder: Warum ein CIA-Chef nicht turteln kann, wie er will, und uns das Sorgen macht.

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Wir haben also bei der Sexiest-Man-Alive-Wahl auch heuer wieder keine Rolle gespielt, kennen den Sieger nicht einmal mehr (Channing Tatum, sagt das irgendjemandem irgendetwas???), hätten aber den Preis eh nicht angenommen, weil ihn Patrick Swayze einmal gewonnen hat und wir auch unseren Stolz haben.

Einschub: Haben Sie übrigens die jüngsten Fotos des Siegers von 2005, Matthew McConaughey, gesehn? Der hungert sich gerade für die Rolle eines HIV-Infizierten auf einen Body-Mass-Index von 18 herunter. Hollywood lässt für solche Selbstversuche gern einmal einen Oscar springen. Bei Schauspielerinnen helfen starkes Zunehmen und Mut zur Hässlichkeit, was nur halb so mutig ist, wenn man nach dem Film wieder so ausschaut wie Charlize Theron. Bei den Männern ist eben Abmagern das Mittel der Wahl, wie der Film dann ist, ist eher zweitrangig. Einschub Ende.

Beunruhigt hat uns diese Woche vor allem der Abgang von David Petraeus. Weniger weil wir besondere Sympathien für den amerikanischen Geheimdienstchef hegen. Vielmehr beschäftigt uns die Frage, wer sich um alles willen datenmäßig noch sicher fühlen soll, wenn selbst der CIA-Chef über keinen unhackbaren E-Mail-Account verfügt? Der hat auch nichts Besseres zur Verfügung als GMail? Oder anders gefragt: Kann ein CIA-Chef, der turteln will, nicht dafür sorgen, dass er das ungestört tun kann? Und wenn nicht, wozu braucht man dann überhaupt noch einen Geheimdienst? Ist die CIA am Ende gar nicht das, wofür man sie als braver Thrillerleser hält?

Anderseits, wer den aktuellen James Bond „Skyfall“ schon gesehen hat, wird nicht sonderlich überrascht sein. Darin ist Judy Dench als MI6-Chefin M Cyberattacken von Fiesling Javier Bardem hilflos ausgeliefert. M hat zwar keine Affären, das übernimmt wie gewohnt Daniel Craig als 007 für sie, aber dennoch keine Kontrolle über den eigenen Laptop. Im echten Leben heißt M also P, ist Amerikaner und nicht Britin, aber sonst läuft alles nach Drehbuch.

Daniel Craig war übrigens 2008 hinter Hugh Jackman zweiter bei der Sexiest-Man-Alive-Wahl. David Petraeus war bisher noch auf keiner Liste. Warten wir auf 2013. Mit Channing Tatum hat heuer ja auch niemand gerechnet.

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2012)

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2 Kommentare

Jetzt, nach der mit krachendem Vorsprung gewonnenen Wahl

und da er sowieso nicht noch einmal gewählt werden kann, könnte Obama schon etwas mehr wagen. Allerdings noch immer nicht sehr viel. Aber immerhin könnte er leichte Veränderungen durchführen lassen.

Um wirklich freie Hand bei politischen Entscheidungen zu haben, müssten der kriegsgeile und milliardenfressende Militärkomplex der USA, der schwer kriminelle CIA und die kriminelle bzw. unsittliche Finanzindustrie an die Kandare genommen werden und auch die Außenpolitik-Vertretungen mit lupenreinen Obama-Leuten besetzt werden. Was aber in den USA völlig unmöglich ist.

Übrigens - in ähnlicher Weise haben sich auch schon einige frühere US-Präsidenten bzw. US-Politiker geäußert!

Eigentlich hätte Obama nichts Besseres passieren können,

als dass er die Posten Finanzministerium, CIA bzw. US-Army und Außenministerium neu und mit Leuten besetzen könnte, die zweifelsfrei seine Politik vertreten.

Denn genau auf diesen Posten müssten Leute sitzen, die wirklich das machen, was er will, wenn die Politik der USA wirklich geändert werden soll. Er würde daher Leute auf diesen Stellen brauchen, denen auch die US-Bürger abnehmen, dass sie "Demokraten" sind. Denn dass viele Demokraten in den USA den Republikanern nicht unähnlich sind, ist ja kein Geheimnis. Wie übrigens auch Leute der SPD in Deutschland, der SPÖ in Österreich usw. usw.

Aber kann Obama auch wirklich Leute auf diese Posten setzen, die er gerne hätte? Also, wenn er nach seiner Erstwahl diese Posten mit Leuten besetzt hätte, die genauso denken und reden wie er, wäre die USA mit der voll destruktiven republikanischen Gegnerschaft, dem übermächtigen, kriegsgeilen Militärkomplex und dem schwer kriminellen CIA (der sogar im Inland stets sein Unwesen treibt und sogar die US-Präsidenten ausspioniert und erpresst) am Rande eines Bürgerkrieges gestanden.

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