"Notting Hill"-Aufguss

24.11.2012 | 18:04 |  Florian Asamer (Die Presse)

"Notting Hill"-Aufguss oder: Was wirklich passiert, wenn Hollywoodstars auf Sterbliche treffen.

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Mit jedem aufgesperrtem Christkindlmarkt steigt unsere voradventliche Laune um einen Punkt auf der nach oben offenen „Oh Tannenbaum“-Skala. Und damit sind unsere Herzen offen für all die alten Geschichten, die immer nur gut ausgehen. Von den neueren Geschichten, die gut ausgehen, hat es uns immer schon „Notting Hill“ besonders angetan. Das ist jener Film aus den späten neunziger Jahren, in denen sich eine Hollywood-Schauspielerin bei Dreharbeiten in London in einen kleinen britischen Buchhändler verliebt und diesen – nach vielen Auf und Abs – letztlich heiratet. Der Haken an der Geschichte: der Buchhändler, der Julia Roberts, die den Feger aus L.A. verkörpert, schließlich herumkriegt, wird von Hugh Grant gespielt. Also quasi der männliche Julia Roberts, was die ganze Geschichte ad absurdum führt. Nicht einmal im hippen Notting Hill schauen Buchhändler so aus.

Im Jahr 2012 aber, in dem Hugh Grant längst nicht mehr Liebhaber sondern Indianer („Cloud Atlas“) spielt und Julia Roberts die Schwiegermutter in Schneewittchen-Adaptionen gibt, sieht man, was wirklich passiert wenn eine unwirkliche Schönheit aus der Traumfabrik auf normale reale Männer trifft. Sie ist entsetzt!

Jessica Biel, ähnlich makellos wie Julia Roberts, wenn auch hauptsächlich durch ihre Liaison mit Justin Timberlake bekannt geworden, sitzt also mit Bikini (!) und T-Shirt (!!) in einer Sauna (!!!) im Alpenraum, als zwei ältere, beleibtere Österreicher die Holzbox betreten und dann das tun, was man in einer Sauna in unseren Breiten halt so tut: unbekleidet schwitzen. Frau Biel dürfte sehr gegraust haben, wenn man ihre Erzählung in einer amerikanischen Talkshow richtig interpretiert. Geheiratet hat sie ein paar Wochen später. Aber natürlich keine der beiden Sauna-Bekanntschaften, sondern Justin Timberlake. Natürlich weiß man nicht, was passiert wäre, hätten sich Julia Roberts und Hugh Grant in einer Sauna und nicht in der Buchhandlung getroffen.

Der Culture Clash zwischen den europäischen Gebräuchen und jenen in der Traumfabrik wurden erst neulich deutlich, als sich Tom Hanks und Halle Berry über das deutsche Verständnis von Samstagabendunterhaltung im Allgemeinen und den Moderator Markus Lanz im Besonderen gewundert hatten. Immerhin blieb ihnen eine Sauna-Wette erspart.

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.11.2012)

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