Zwischen Kate und Otmar

Zwischen Kate und Otmar. Oder: Warum ein Land sich über ein Baby freut und ein anderes Schnee schaufelt.

"Stell dir vor, Kate Middleton bekommt ein Baby." Was sonst würde man jemandem nach dieser Woche als Erstes sagen, der, sagen wir einmal, von einer Reise zum Mars zurückgekommen ist, und nicht mitbekommen hat, was inzwischen alles auf dem blauen Planeten passiert ist? Wobei sich zunehmend der Eindruck erhärtet, dass auf diesem Mars, um den nicht nur, was Aliens angeht, immer so ein irrsinniges Remmidemmi gemacht wird, einfach gar nie etwas passiert ist. Curiosity hin, Neugier her. Auf den Fotos der Marssonde schaut alles ein bisserl nach trostloser Westernkulisse aus, also – zumindest für jemanden, der im saftigen Österreich zu leben gewohnt ist – eine ziemliche Gstätten. Würde uns nicht wirklich wundern, wenn da bis auf unsere Sonde nie jemand gewesen wäre. Sorry, Nasa!

Aber egal. Hier auf der Erde ist jedenfalls inzwischen Kate mit ihrem süßen Geheimnis (wir werden uns bemühen, im Lauf dieses Textes auch noch die Wendung „trägt unter dem Herzen“ unterzubringen) herausgerückt, und ganz ehrlich: Es gibt wesentlich Schlechteres, als wenn sich ein ganzes Land über die Aussicht auf ein Baby freut. In Österreich kennen wir diese Form der reinen Kollektivfreude seit dem Rücktritt von Hermann Maier leider nicht mehr.

Wir suhlen uns lieber in den Untiefen und Abgründen des Menschlichen. Wenn zum Beispiel der betont untadelig auftretende Europaabgeordnete Othmar Karas im Prozess gegen seinen ehemaligen Parteikollegen Ernst Strasser aussagt. Und es bei seiner Zeugenaussage nicht damit bewenden lassen will, die ohnehin bis zum Abwinken belastenden Fakten im Sinn der Wahrheitspflicht darzulegen, sondern es offenbar darauf angelegt hat, Strasser ins Gefängnis zu bringen. Der moderne Christlich-Soziale hält sich lieber ans Alte Testament, als Mitleid mit seinem am Boden liegenden Feind zu haben.

Apropos Übelkeit. Dort im glücklichen Großbritannien hat Kate inzwischen die Klinik verlassen, es ist ihr wieder besser, man wünscht ihr Kraft für die nächsten Monate und nur das Beste für das, was sie unter dem Herzen trägt. Die freien Fotografen haben jedenfalls genug zu tun. Wir Österreicher auch. Wir gehen erst einmal hinaus, um Schnee zu schaufeln. Wieder so etwas, was man auf dem Mars nicht kann. Und auch die Briten beneiden uns darum. Angeblich.

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.12.2012)

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