Los Angeles statt Bergisel

15.12.2012 | 18:25 |  von Florian Asamer (Die Presse)

Oder: Warum bei den Oscars neuerdings mehr zu holen ist als auf der Piste.

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Früher war es Kitzbühel oder der Bergisel. Im Wintersport konnte Österreich praktisch immer mit Stockerlplätzen, Medaillen und Kugeln rechnen. Klammer, Moser-Pröll, Kronberger und Maier waren immer eine Bank. Aber seit ein paar Jahren hat sich das Gewicht verlagert. Nach Los Angeles.

Keine Oscar-Verleihung mehr ohne österreichischen Favoriten. Nach den Auszeichnungen für Stefan Ruzowitzky und Christoph Waltz werden heuer Michael Haneke und Christoph Waltz nominiert sein. Haneke könnte mit seinem Cannes-Sieger „Liebe“ vielleicht sogar aus dem Kategorie-Ghetto „Bester ausländischer Film“ in die allgemeine Klasse ausbrechen. „Beste Regie“? Vielleicht gar „Bester Film“? Und Christoph Waltz hat sich offenbar nachhaltig in der Riege der besten Darsteller festgespielt. Wer will da noch Hahnenkammrennen schauen?

Wer Javier Bardem als James-Bond-Bösewicht gut findet, hat wahrscheinlich die neuesten Fotos von Nordkoreas Führer Kim Jong-un noch nicht gesehen. In einem offiziellen Foto beobachtet der Diktator auf einem Bildschirm, der direkt aus der Zeit stammen könnte, in der Roger Moore noch James Bond gewesen ist (bei Sean Connery hat es noch keine Bildschirme gegeben, oder?), mit einer Zigarette in der Hand auf einem monströsen Drehsessel den Langstreckenraketentest seiner Streitmacht. Mit einem dicken Militärwintermantel, der Kontrollraum ist offenbar nicht gut geheizt. Das kann jedenfalls niemand besser erfinden. Auch Ian Fleming nicht. Ein Oscar in der Kategorie „Bester ausländischer Diktator“ ist jedenfalls denkbar.

Papst Benedikt XVI. hat in dieser Woche zum ersten Mal getwittert. Mit einem iPad – natürlich – hat er seine Follower gesegnet. Dabei zwitschern Tauben nicht, sondern gurren.

Das gute alte Telefon ist seit dem so tragisch misslungen Scherz einer australischen Radiostation im Zusammenhang mit dem Krankenhausaufenthalt von Kate Middleton auch in Verruf geraten. Viele halblustige Comedy-Radios auch in Österreich dürften sich derzeit ihre Gedanken machen, wie sie in Zukunft ihre Sendezeit füllen. Den Hörern wird nicht viel abgehen, wenn Callboy und Co. endlich etwas anderes machen als ahnungslose Leute zu sekkieren.

Bis nächste Woche – falls die Welt doch nicht untergeht.

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.12.2012)

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