Unser fremdes Geld

12.01.2013 | 18:03 |  von Florian Asamer (Die Presse)

Oder: Warum die Sicherheitsmerkmale auf dem neuen Euro zu spät kommen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Nun wurde also der neue Fünf-EuroSchein präsentiert, mit einer Menge neuer Sicherheitsmerkmale (ausgerechnet jetzt, wo eh keiner mehr auf die Idee käme, ausgerechnet Euros zu fälschen, aber bitte . . .). Jedenfalls hat uns der Anblick der grauen, uncharismatischen, technoiden Geldnote wieder daran erinnert, warum wir uns dereinst so schwer vom Schilling getrennt haben. Der Euro hat schon damals nicht ausgeschaut, wie hartes Geld (Schilling und D–Mark) ausgeschaut hat, sondern wie eine jener grauen Kunstwährungen, an die man dauernd Nullen anhängen muss, damit man damit zumindest eine Semmel kaufen kann. Bis heute geben wir den Euro aus wie fremdes Geld. Vielleicht ist ja das der wahre Grund für die Eurokrise. Unterbewusst, irgendwie.

In den USA sorgt man sich übrigens wegen der Unterschrift des neuen Finanzministers Jacob Lew. Diese schaue aus, wie ein Kind ein Telefonkabel zeichnet, heißt es von Kritikern. Deshalb könne diese Unterschrift unmöglich auf den Dollar gedruckt werden. Abgesehen davon, dass genau so ein menschlicher Störer auf dem faden Euroschein fehlt, ist der Vergleich natürlich ein Unsinn. Kinder zeichnen gar keine Telefonkabel, weil sie überhaupt keine Telefonkabel mehr kennen. Nur Schnurlostelefone und Handys.

In die Zeit der Vierteltelefone fühlte sich zurückversetzt, wer diese Woche die Sendung „Bürgerforum“ am Dienstag im ORF gesehen hat, in der sich Bundes- und Vizekanzler in Sachen Zukunft der Wehrpflicht duellierten, Inhaltlich sehr informativ das alles (was die Hauptsache ist, jawohl), fühlte man sich ästhetisch in die „Tritsch Tratsch“-Ära zurückversetzt. Samt dem Bundesheerfahrzeug als Deko. Wir haben jeden Moment damit gerechnet, das Joki Kirschner die Koalitionsspitze ein Ladel aufziehen lässt. Wäre interessant, was US-Schauspieler Tom Hanks, der sich neulich nach einem „Wetten, dass“-Besuch verwundert über das anachronistische Format geäußert hat, zu unserem Fernsehen zu sagen hätte.

Im Kino immerhin ist Österreich doch einigermaßen konkurrenzfähig, wie es scheint. Wenn das so weitergeht, kann man die Oscars bald zusammen mit der Romy in Wien vergeben. Lauter österreichische Preisträger, nur Steven Spielberg bekommt eine Auszeichnung fürs Lebenswerk.

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

1 Kommentare
1 0

Qualitätszeitung?

Selten einen derartigen Blödsinn gelesen !!!!

AnmeldenAnmelden