Liste Arnie

02.02.2013 | 18:12 |  von Florian Asamer (Die Presse)

Oder: Warum sich die etablierten Parteien bald Frank Stronach als Gegner zurückwünschen könnten.

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Arnold Schwarzenegger war also diese Woche in Wien und hat unter anderem auch den Bundeskanzler getroffen. Stehen beide beim Fototermin nebeneinander, sieht man, dass der Action-Star kaum größer wirkt als unser oberster Politikdarsteller. Das wissen wir theoretisch eh, praktisch wollen wir das aber nicht sehen. Weil Schwarzenegger soll nicht ausschauen wie Sie und ich.

Als neulich Gérard Depardieu bei Wladimir Putin im Kreml war, um sich seinen Pass abzuholen, war das übrigens ganz anders. Putin hat schrecklich klein gewirkt neben seinem Neo-Landsmann. Der Franzose hat Putin in seinen Film gebeamt, nicht umgekehrt, und dort wirkte der mächtige russische Präsident im Vergleich mickrig. Kate Moss weiß offenbar, wie das mit dem „bigger than life“ geht. Als das Model neulich in Wien war, ließ sie sich im Kunsthistorischen Museum fotografieren. Nur sie und die alte Kunst. So macht man das.

Was Österreich von Schwarzenegger noch lernen könnte, ist die Sache mit den Ringen. An der einen Hand trägt der Schauspieler einen Totenkopfring. Silber, schwer, furchteinflößend. Was er wem damit sagen will, ist nicht überliefert. In einem Wahlkampf könnten die Piraten jedenfalls blass ausschauen. An Arnolds anderer Hand meinen wir einen kalifornischen Gouverneursring entdeckt zu haben. Ein Mordstrumm von Apparat, um einiges eindrucksvoller als die hiesigen Orden jedenfalls.

Sollte Arnold Schwarzenegger jedenfalls jemals auf die Idee kommen, in seiner alten Heimat für den Nationalrat zu kandidieren, würden sich die Parteien wohl Frank Stronach als Gegner zurückwünschen. Eine Liste Arnie würde wohl tief in verschiedenste Kernwählerschichten eindringen. Und jemand, der Kalifornien in den Bankrott führen kann, dem wird das wohl mit Österreich auch noch gelingen.

Für Facebook gibt es übrigens eine neue Applikation „Bang with friends“. Um es mit den Freunden zu tun, muss man in der Freundesliste nur jene markieren, mit denen man sich etwas vorstellen könnte. Wenn das Gegenüber auch in der App ist und den gleichen Namen auswählt, bekommen beide ein Mail . . . Wir fürchten, dass da alle möglichen Dramen programmiert sind. Aber vielleicht sind wir auch nur neidisch. Wie auf Schwarzeneggers Totenkopfring.

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2013)

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