Last Christmas

26.11.2011 | 18:03 |  von Florian Asamer (Die Presse)

Oder: Warum wir stolz sind, wenn ein Weltstar hier bei uns Lungenentzündung hat.

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Eine Woche, in der Georg Kreisler und Ludwig Hirsch gestorben sind, ist definitiv eine traurige Woche. Diese beiden Stillen kommen (außer mit ihrem Schaffen) nicht umsonst nur mit ihrem Ableben in die Schlagzeilen, in denen sich sonst Menschen wie Wolfgang Ambros und Reinhard Fendrich öffentlich die Freundschaft aufkündigen.

Auch ein anderer Lauter macht gerade wieder Radau. Karl-Theodor zu Guttenberg will mit einem Interviewband und als Souffleur der deutschen Innenpolitik von Kanada aus in den politischen Ring in Berlin oder zumindest München zurück. Den er doch gerade eben erst mit dem Zurücklegen aller Ämter mit viel Pomp und wenig Stil verlassen hat. Schaut so aus als hätte KTG, der deutsche KHG, nicht sonderlich viel zu tun in Übersee und nicht wirklich eine berufliche Alternative zur Parteienkarriere. Sein groß angekündigter Abschied aus der Politik samt Auswandern nach Übersee hat sich als besserer Urlaub entpuppt. Und dafür muss man gewöhnlich nicht gleich seinen Look verändern. Schaun wir, ob diese Volte bei den Deutschen auch reingeht.

Die Österreicher mit ihrem Prominentenkomplex sind derzeit gerade mächtig stolz darauf, dass mit George Michael ein ehemaliger Weltstar mit Lungenentzündung (vielleicht war der hiesige Feinstaub-GAU für die zarte Insellunge zu viel?) auf der Intensivstation im Wiener AKH liegt.

Doch seine Genesung wird sicher rasch fortschreiten. Da in den Stationszimmern in unseren Spitälern gerne das Radio läuft, wird George Michael mitkriegen, dass sein Weihnachtspopklassiker „Last Christmas“ (es gibt übrigens eine empfehlenswerte Coverversion von „Element of Crime“) zusammen mit Chris Reas „Driving home for Christmas“, „Wonderful Christmastime“ von Paul McCartney und John Lennons „Happy X-Mas (War is Over)“ rauf und runter gespielt wird. Von der Tantiemenfreude, bei der sein Wham!-Partner Andrew Ridgeley mitschneidet, einmal abgesehen, ist allerdings schwer zu sagen, ob dem britischen Sänger überhaupt so recht ist, dass eine Jugendsünde das sein wird, was von ihm musikalisch bleiben wird.

Wir wünschen Georg Michael, dass er Weihnachten zu Hause feiern kann. Seinen Wiener Fans ein Ersatzkonzert, das so gut wird, wie die Kritik vom abgesagten Konzert.

Wie gesagt: Es war eine traurige Woche.

florian.asamer@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2011)

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