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Über Schottland hängt ein Tief

12.05.2012 | 18:16 |  von Florian Asamer (Die Presse)

Oder: Warum Prinz Charles eine Variante für fast jeden Job im Fernsehen wäre.

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Mitglieder europäischer Königshäuser haben ja nicht erst seit Juan Carlos' Elefantenjagdunfall einen schweren Stand in der öffentlichen Meinung. Zu teuer, zu sinnlos, zu degeneriert, zu anachronistisch lauten die gängigen Einschätzungen. Charles, der ewige Prinz von Wales, gilt als Paradebeispiel einer zwecklosen Existenz. Seine rüstige Mutter erntet Respekt, die Di-Söhne samt Kate sind eine Attraktion, der arme Charles steht als Missing Royal Link dazwischen herum.

Doch um das Bild von Charles zu komplettieren, lohnt es sich, seinen Auftritt vom Donnerstag im schottischen Regionalsender der BBC anzusehen. Der Thronfolger nutzte seinen Besuch dort, um den öffentlich-rechtlichen Sehern das Wetter zu präsentieren. Die „Über Schottland liegt ein Tief, leider hängt's ein bisserl schief“-Nummer hat gezeigt, welche Qualifikation man als zukünftiger King von Geburt an erwirbt: mit welcher Selbstverständlichkeit und Grandezza Charles das Wetter präsentierte, ist sehenswert.

Berlin hat unterdessen neben dem schlechten Wetter nun auch seinen Skylink. Der Neubau des dortigen Flughafens läuft völlig aus dem Ruder. Deutsche Medien berichten darüber, dass der dortige Bauleiter statt der Bauarbeiten immerhin seine Dissertation fertig gestellt hat. Das kolportierte Thema: Optimierung am Bau.

Optimiert wird derzeit auch wieder einmal das geschlechtliche Zusammenleben. Nachdem wir gerade erst gelernt haben, als Single sei es am besten, scheint es jetzt doch in eine andere Richtung zu gehen. Polyamorie heißt das neue Schlagwort, unter dem offenbar der Spagat zwischen Treue und Ausschweifung geschafft worden ist. Folgt man diesem Modell, wird die serielle Monogamie, die ihrerseits nachhaltig das „Bis dass der Tod euch scheidet“-Konstrukt unterwandert hat, durch eine Art parallele Monogamie abgelöst. Man ist also außerordentlich treu, weil gleich mehreren Personen gleichzeitig. Der Vorteil dieses Modells ist, dass alle damit glücklich sind (so versichern zumindest die Proponenten von „Loving more“).

Fritz Wepper ist an diesem Modell allerdings gescheitert und wird künftig wieder weniger lieben. Er hat seine halb so alte Geliebte samt Kleinkind verlassen, um zu seiner gleichaltrigen Ehefrau zurückzukehren. Nicht nur Royals haben eine schlechte Nachrede.

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2012)

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