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Team EFSF vs. AC Austerität

09.06.2012 | 18:00 |  von Florian Asamer (Die Presse)

Oder: Warum Eröffnungen von Sportveranstaltungen ein großes Übel sind.

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Die Europameisterschaft hat also begonnen und irgendetwas ist anders. Die institutionalisierte Sublimierung nationalistischer Reflexe will diesmal nicht so recht gelingen. Zu oft werden im Zuge der Eurokrise, die es leider nicht nur alle vier Jahre einen knappen Monat gibt, sondern jeden Monat neu für mindestens vier Jahre, Stereotypen wie „die Griechen“, „die Deutschen“ und „die Franzosen“ strapaziert. Wenn das so weitergeht, spielt beim nächsten Mal womöglich nur mehr eine gemeinsame Mannschaft aller Länder unter dem Rettungsschirm (Team EFSF) gegen eine kerneuropäische Truppe (AC Austerität), der Sieger trifft auf eine Auswahl der Nichteurostaaten.

Aber egal, wie dramatisch man die Lage in Europa auch einschätzt, ein Gegner sollte uns alle einen: die Eröffnungszeremonie von Sportgroßveranstaltungen. Was sich da in den letzten Jahrzehnten als gängiges Opening-Inventar angesammelt hat, findet sich in Niveau und Intensität sonst nur noch bei Volksmusikveranstaltungen im öffentlich-rechtlichen Hauptabendprogramm.

Abenteuerliche Massenchoreografien zwischen Kitsch und Folklore, die in ihrer amateurhaften Unbeholfenheit an Schulabschlussveranstaltungen erinnern, musikalisch untermalt von einfallslosen Popkonserven, die von Gemeinsamkeit und Zusammenhalt künden, vorgetragen von zweifelhaften Popgrößen.

Man würde sich stattdessen wieder eine kurze, altmodische Eröffnungsrede („I declare open the Sowisogames“) samt dem – wenn es denn schon unbedingt Musik sein muss – Absingen der Nationalhymne des Veranstalters wünschen, um danach möglichst rasch zu den Wettkämpfen überzugehen. Ein Glück nur, dass vor einem Fußballturnier wenigstens nicht zwangsoriginell ein olympisches Feuer entzündet werden muss.

Und wenn wir schon beim Wünschen sind: Wenn sich die Architekten der immer ausgeklügelteren, preisgekrönteren Fußballarenen bitte noch eines Detailproblems annehmen und die albernen Autositze auf der Trainer- und Reservistenbank gegen würdevollere Bestuhlung austauschen. Dann könnten wir uns wieder darauf konzentrieren, ob griechischer Fußball wirklich so schlecht ist wie griechische Budgetpolitik. Und ob die Deutschen auch mit den Toren knausern . . .

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.06.2012)

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