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Emir von Katar kauft Modehaus Valentino

13.07.2012 | 18:29 |   (Die Presse)

Der Ausverkauf italienischer Labels erreicht mit Valentino einen neuen Höhepunkt.Das Modehaus, das seinen Firmensitz im Zentrum Roms hat, feierte im Februar dieses Jahres seinen 50. Geburtstag.

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Mailand/Es/Ag. Nun ist es also offiziell. Eines der traditionsreichsten italienischen Modehäuser, bekannt für klassische Eleganz und unerschwingliche Haute-Couture- Roben, geht in den Besitz der Herrscherfamilie von Katar über. Für 600 Mio. Euro übernahm die Gruppe „Mayhoola for Investments“, an der der Emir von Katar Hamad bin Kalifa al-Thani beteiligt ist, das gesamte Valentino-Aktienpaket. Das Angebot aus Katar dürfte so überzeugend gewesen sein, dass der jetzige Haupteigentümer Permira seine Pläne, noch ein Jahr mit dem Verkauf zu warten, aufgegeben hat.

 

Braun gebrannter Lebemann

Das Modehaus, das seinen Firmensitz im mondänen Palazzo Mignanelli im Zentrum Roms hat, feierte im Februar dieses Jahres seinen 50. Geburtstag. Rechtzeitig zum Jubiläum schrieb Valentino nach einigen turbulenten Jahren erstmals wieder schwarze Zahlen und verzeichnete einen Umsatz von 320 Mio. Euro.

Begonnen hatte alles im Jahr 1959, als Valentino Garavani im Alter von 27 Jahren in Rom sein eigenes Modehaus gründete. Eine seiner ersten Kundinnen soll Elizabeth Taylor gewesen sein, die sich damals zu Dreharbeiten in Rom befand. Heute gehören Nicole Kidman, Scarlett Johanson und Kate Winslet zu den Fans des Hauses.

In Giancarlo Giametti fand Valentino nicht nur einen fähigen Geschäftsführer für sein Modehaus, sondern auch den Partner fürs Leben. Fast 40 Jahre stand der zierliche und stets eine Spur zu braun gebrannte Lebemann Valentino als kreativer Kopf und Eigentümer an der Spitze seines Imperiums. 1998 verkaufte Valentino an den Mischkonzern HdP, blieb aber Chefdesigner. 2001, als das Modehaus erstmals Verluste schrieb, übernahm die Marzotto-Gruppe das Ruder für 260 Mio. Euro. Im Jahr 2007 verkaufte die Familie Marzotto achtzig Prozent der Firma an die Investmentgruppe Permira, worauf sich der 75-jährige Valentino in den Ruhestand zurückzog. Permira zahlte 3,4 Mrd. Euro und übernahm 2,3 Mrd. Schulden.

Zu diesem Zeitpunkt gehörte auch die deutsche Marke Hugo Boss zur Valentino-Gruppe. Im Rahmen der folgenden Umstrukturierung wurde diese aber ausgelagert. Nach einem harten Sanierungskurs und einer Reihe kreativer Differenzen mit der Chef-Designerin Alessandra Facchinetti bewegt sich das Modehaus mit dem Designerduo Chiuri und Piccioli auf dem gewünschten Kurs zwischen zeitlosem Chic und Innovation.

 

Italienischer Stil nicht in Gefahr

Bei Valentino macht man sich keine Sorgen, dass man sich nach der Übernahme nun dem Geschmack arabischer Kundinnen anpassen muss. Die Gattin des Emirs, Sheika Mozah, gilt als Liebhaberin der roten Couture-Roben aus Chiffon, die das Markenzeichen von Valentino sind. Das Herrscherhaus Katar hat auch bereits versichert, dass man nicht daran interessiert sei, die „Herkunft der Marke und damit ihren Wert anzutasten“.

Valentino ist nicht die erste italienische Luxusmarke, die ihre europäische Eigentümerstruktur aufgeben muss. Cerutti, Gianfranco Ferré, Gucci, Fendi und der römische Juwelier Bulgari gehören längst ausländischen Konglomeraten. Das Problem: Den alteingesessenen italienischen Marken, die noch ihren Gründern gehören, fehlt oft das Kapital, um sich auf dem Luxusmarkt mit Edelstandorten für die Boutiquen prestigeträchtig zu positionieren.

Der Emir von Katar hat sein Faible für europäischen Luxus schon bewiesen: Ihm gehört das Londoner Kaufhaus „Harrods“. Außerdem ist das Herrscherhaus von Katar am Luxusmarkenkonglomerat LMVH, Porsche und der Skandalbank Barclays beteiligt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2012)

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