Als besonderen Gag hat sich das Mode-/Kunst-Starlet Dasha Zhukova zuletzt während der New York Fashion Week etwas ganz Originelles einfallen lassen: eine eigene Radiosendung über Mode, abrufbar auf der Website ihres Hochglanzmagazins „Garage“. Für diese ausgefallene Idee wurde ihr natürlich viel Anerkennung gezollt, denn – Mode zum Anhören, wo gibt es denn so etwas? Schließlich beruht das Gros der medialen Aufbereitung von Mode auf dem Weiterreichen schöner Bilder.
PR-Agenturen stellen sich taub. Es braucht also einiges an Wagemut, um Mode im Hörfunk zu thematisieren. Eine Pionierleistung erbringt auf diesem Gebiet der schwedische Kultursender P1: Hier gibt es eine wöchentlich ausgestrahlte einstündige Sendung über Mode zu hören. „Stil“ existiert seit 2007, die Programmleiterin heißt Susanne Ljung. Vor ihrem Engagement beim Radiosender arbeitete Ljung als Printjournalistin, war zum Beispiel Chefredakteurin der Zeitschrift „Damernas Värld“. Sie kennt also auch die andere, sozusagen sichtbare Seite der Profession: „Leider ist es wirklich so, dass wir mit unseren Anfragen bei PR-Agenturen oft lange in der Warteschleife bleiben. Wenn sie hören, dass eine Interviewanfrage von einem Radiosender kommt, gibt es häufig gar keine Antwort.“ Hier gilt es mit derselben Hartnäckigkeit vorzugehen, wie sie beim Start des neuen Sendungsformates vor fünf Jahren notwendig war.
„Als P1 die neue Show ankündigte, gab es einen Aufschrei der Hörer dieses Kultursenders: ‚Wie könnt ihr es wagen, uns Mode als Thema zuzumuten?‘, hieß es da. Heute haben wir über 400.000 Hörer pro Woche und bekommen Leserbriefe von alten Herren, die uns mitteilen, wie sehr ihnen die Sendung gefällt, obwohl sie sich für Mode nicht im Geringsten interessieren“, erinnert sich Ljung.
Diesen Erfolg erklärt sie sich mit einem wachsenden Interesse an Mode als Teil der Allgemeinbildung mit Gegenwartsbezug: „Selbst unter Intellektuellen sehe ich in Schweden immer weniger Skepsis, sich mit der Mode auseinanderzusetzen.“ Um der anspruchsvollen Hörerschaft des Kultursenders gerecht zu werden, bringt Ljung mit ihrem Team viele Hintergrundgeschichten – einschließlich historischer Seitenblicke. So stellt sie einmal Kaiserin Eugénie von Frankreich oder Pauline von Metternich als stilprägende Ikonen im Paris des 19. Jahrhunderts dar; ein andermal widmet sie Modehäusern wie Chloé und Dior oder lebenden Designern wie Michael Kors kurzweilige Porträts. Das Einzige, was es aus österreichischer Perspektive negativ anzumerken gibt, ist eigentlich die sprachliche Zugänglichkeit von „Stil“. Ein hoffnungslos schwieriges Idiom ist das Schwedische aber nicht. Und wer es sich für (oder dank?) „Stil“ aneignen möchte, dem steht immerhin auch die Welt sämtlicher Mankell-Krimis im Original offen. Also: Hej då! e
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