New York
Manche der von Michelle Obama bevorzugten Jungdesigner in New York (wie Alexander Wang, der optimistisch leuchtende Kleider zeigte) dürften schon aus PR-strategischen Gründen auf eine Wiederwahl des amerikanischen Präsidenten hoffen. Andere, etwa das von Anna Wintour geförderte Label Proenza Schouler oder die Rodarte-Schwestern, überzeugten mit einer charakteristischen Formensprache: Ihr Retro-Futurismus lässt sich auch trefflich mit Kreationen von Vintage-Fan Marc Jacobs kombinieren. Zukunftsweisend war auch die Kooperation von Diane von Fürstenberg mit Google, dessen geheimagententaugliche Spezialbrillen mitdefilierten. Nicht Geheimagenten, sondern die Securitys hatten bei der Show von Zac Posen alle Hände voll zu tun: Eine französische „très importante“ Person ohrfeigte eine Presseagentin, die ihr keinen standesgemäßen Sitzplatz besorgen konnte. Und auch abseits der Laufstege lagen die Nerven des Modevolks blank: Die Modekritikerin der „New York Times“, Cathy Horyn, und Oscar de la Renta titulierten sich in Zeitungsartikeln gegenseitig als „Hamburger“ und „drei Tage alter Hotdog“. Na, Mahlzeit!
London
Eine Station weiter, in London, hatten sich die Wogen wieder geglättet, man beäugte mit der gebotenen Aufmerksamkeit die vielfältigen Muster und Digitalprints, mit denen die junge Designszene von sich reden macht. Einer der auffälligsten Mustermischer war der Tiroler Peter Pilotto. Marios Schwab, der andere Auslandsösterreicher im Bunde, setzte auch auf Muster, jedoch verhaltenere: Bienenwabenzitate sollten auf die Bedeutung von Honig für den traditionellen Handel in Griechenland verweisen und so eine Referenz auf Schwabs griechische Wurzeln darstellen. Da es auch in Österreich den einen oder anderen Imker gibt, muss sich das heimische Publikum nicht gänzlich ignoriert durch das expatriierte Talent wähnen. Für besonderes Aufsehen sorgte in London Burberry Prorsum – das liegt zum einen an einer ziemlich fabelhaften Frühlingskollektion von Christopher Bailey (mit koketten Minicapes und viel metallisch Glänzendem), zum anderen an der Eröffnung des umgebauten Store in der Regent Street: eines digitales Technikwunderwerks, das im echten Leben an Burberrys Ruf als Online-Pionier anknüpfen soll.
Mailand
uch in Mailand verlief die „Settimana della moda“ nicht ohne begleitende Dramen. Roberto Cavalli hatte sich in seinem Blog darüber ereifert, dass der italienische Modeverband in erster Linie die Terminwünsche des „reuccio“ – in etwa als „Oberkönig“ zu übersetzen – Giorgio Armani berücksichtigen würde. Herr Armani nahm es mit Humor und bedeutete dem Aufgebrachten daraufhin bloß, er möge sich vor dem Zorn des „reuccio“ in Acht nehmen. Für angewandte Harmonielehre sorgte zum Glück wenigstens das Treiben auf den Laufstegen: Viele Häuser setzten auf Retrolooks, Dolce & Gabbana holten sich Inspirationen aus dem sonnigen Sizilien, und auch Miuccia Prada zeigte Inselinspiriertes: Sie kredenzte verschiedentlich Verspieltes in japanischer Anmutung. Die modehungrige Klientel in Tokio & Co. dürfte es ihr danken. Apropos Japan: Dort, nämlich bei der Großhandelskette Uniqlo, hat Jil Sander in den vergangenen Jahren ihr Talent einsetzen dürfen. Erneut an die Spitze des von ihr gegründeten Modelabels gehievt, machte sie deutlich, dass sie keineswegs an gestalterischer Euphorie eingebüßt hat. Ihre erste Damenkollektion als neue Kreativchefin der Marke, die ihren Namen trägt, ist, so wollten es die Shownotes, „im Geiste des Konstruktivismus“ entstanden: klar Schiff für klare Formen.
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