Gutes Benehmen: Der Kavalier kommt aus der Mode

30.11.2012 | 10:09 |   (DiePresse.com)

Müll wegwerfen oder Vordrängen werden als ungehörig empfunden. Die Tugenden der Kavaliere der alten Schule werden weniger wichtig.

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92 Prozent der Österreicher halten gutes Benehmen für wichtig. Die Definition adäquater Umgangsformen hat sich aber in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Der Kavalier der alten Schule ist etwas aufs Abstellgleis geraten, der Dresscode wurde lockerer und die urösterreichische Titelwirtschaft verlor an Bedeutung. Das zeigt eine Umfrage des Linzer Instituts IMAS, deren Ergebnisse am Freitag veröffentlicht wurden.

Die Meinungsforscher interviewten im heurigen August 1077 repräsentativ ausgewählte Österreicher über 14 Jahre und verglichen die Daten mit einer Umfrage von 1973. Damals fanden es 74 Prozent höchst unschicklich, wenn Frauen mit Lockenwicklern einkaufen gehen oder Autofahrer einander den Vogel zeigen (61 Prozent). Theaterbesuche in Alltagskleidung waren für 60 Prozent der Österreicher nicht akzeptierbar, heute mokieren sich darüber nur noch 33 Prozent. Kein eigenes Sonntags-Outfit anzulegen, empfanden damals 30 Prozent aus Fauxpas, heute tun das nur mehr 15 Prozent.

Gentleman-Tugenden werden weniger wichtig

Auch die Benimmregeln für Männer im Umgang mit Frauen haben sich geändert: 1973 fanden es 58 Prozent ungehörig, wenn er ihr nicht in den Mantel hilft, heute stört das nur mehr 23 Prozent. Sitzen zu bleiben, wenn eine Dame den Raum betritt, war früher ebenfalls für deutlich mehr Leute (41 Prozent) ein Fehltritt als heute (zehn Prozent).

Die Anrede "Herr oder Frau Doktor" ist nicht mehr so verbindlich wie früher. Einen promovierten Akademiker nur mit seinem Namen anzusprechen, widersprach 1973 noch für 32 Prozent der Etikette, heute stört das nur mehr 18 Prozent. Von jemandem, den man lediglich flüchtig kennt, mit "Du" angesprochen zu werden, empfinden 33 Prozent als nicht in Ordnung (1973 nicht erhoben).

Auch wenn vieles lockerer geworden ist, so legen die Österreicher nach wie vor Wert auf gute Umgangsformen. Ältere und besser Gebildete messen ihnen besonders viel Bedeutung zu. Dennoch sind auch 86 Prozent der Unter-30-Jährigen der Ansicht, gutes Benehmen sei wichtig. Unter den Über-50-Jährigen sind es 95 Prozent.

Was heutzutage nicht goutiert wird

Heute wird man laut Umfrage vor allem schief angeschaut, wenn man auf der Straße etwas wegwirft - für 73 Prozent ist das ungehörig - oder sich an der Kassa vordrängt (72 Prozent). Einem älteren oder gebrechlichen Menschen in der Straßenbahn keinen Sitzplatz anzubieten, halten 71 Prozent für ein Zeichen schlechter Kinderstube.

Wer einem anderen Autofahrer den Parkplatz vor der Nase wegschnappt, wird von 67 Prozent als Manieren-Muffel empfunden, ebenso, wer sich nach dem Toilettenbesuch nicht die Hände wäscht. Im rauchfreien Bereich blauen Dunst zu erzeugen, halten 55 Prozent für ungehörig, sonntags Rasen zu mähen 44 Prozent. Neue Technologien bringen zudem neue Benimmregeln: Handyklingeln im Kino oder Spital ist 47 Prozent ein Dorn im Auge, öffentliches lautes Telefonieren 31 Prozent. Dem Sitznachbarn in Öffis über die Schulter zu schauen, wenn dieser liest oder surft, halten 42 Prozent für unhöflich.

(APA)

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19 Kommentare

die proletisierung

greift immer mehr um sich. seit der prolet als konsument und als wähler entdeckt wurde, wird er immer mehr von der konsumgüterindustrie und den parteien umworben, gehegt und gepflegt. es gibt nun einmal wesentlich mehr proleten als menschen mit stil und niveau. so wie sich die mode eines herren und einer dame im wesentlichen seit jahrhunderten nicht geändert hat so ist auch gutes benehmen in all den jahren gleich geblieben. man darf volkstümliches verhalten und proletentum nicht verwechseln. woran erkennt man einen proleten ? zunächst an der sprache, des weiteren am schrillen und lauten auftreten, an seiner unbildung und am fressen, sowie am hemmungslosen erzeugen von geräuschen, wie rülpsen, prusten, schnaufen, pneumatisches zähnereinigen, bzw. an seiner körpersprache. einen wesentlichen beitrag leistet der orf mit serien wie mundl, kaisermühlenblues und anderen serien, die sich alle auf unterstem niveau abspielen, sowie unsere kabarettisten und inne, die man ohne dolmetsch nicht versteht und über die ich auch nicht lachen kann. ich möchte nicht verabsäumen die internationale unterstützung durch frau westwood und dergl. zu erwähnen die mit vielen anderen einen wesentlichen beitrag zur vergrässlichung unseres planeten beiträgt.

Viele verwechseln die Öffis

mit ihrem Wohnzimmer.

Gutes Benehmen: Der Kavalier kommt aus der Mode


Nein!!! Ich muss ehr-lich sagen, dass das so nicht stimmt!!

Zuletzt bin ich von den Männern immer sehr zuvorkommend und hilfsbereit behandelt worden. Die Österreicher - ich mein die Männer - sind überhaupt ganz liebe!! Ich habe doch einige so total nette und gebildete kennen gelernt!!

Ja, und lieb waren sie mir Alle auch.

Bam, Oide!

Fix!

Schüssel war wohl nach den letzten Enthüllungen

eher ein großer Gauner!

Re: Schüssel war wohl nach den letzten Enthüllungen

Indirekt proportional zur Körpergröße allerdings.

Re: Schüssel war wohl nach den letzten Enthüllungen

warum gehen Sie nicht zu Fazebuk mit Ihren ulkigen Beiträgen

Ein Kavalier war

wer Damen gegenüber höflich war.
Also Thema ( oder Überschrift ) verfehlt.
Durch Genderwahn werden die Kavaliere sowieso aussterben.
Über gute Manieren:
Es ist nicht unhöflich, neben einer laut telefonierenden Person ( z.B. in der U-Bahn ) sich laut zu beschweren, sodaß das Telefonat gestört wird.
Es ist unhöflich in der U-Bahn laut zu telefonieren.
usw...

Re:

Es IST unhöflich, sich in der Öffentlichkeit über schlechtes Benehmen anderer laut zu beschweren.
Nur zwanghafte Oberlehrer haben das nötig.

Re: Re:

WIE sollte man denn solche Leute in die Schranken weisen, damit sie besseres Benehmen lernen, als mit lauter Unmutsbekundung in der Öffentlichkeit??
Sich Frechheiten duldnerisch gefallen lassen, damit diese Leute glauben, sie könnten sich alles erlauben??
Ein Oberlehrer...

Re: Re: Re:

Lautes Gemeckere von Mitpassagieren nervt mich als U-Bahnpassagier nicht weniger als lautes Telefonieren. Es geht auch nicht um das Erziehen des Telefonierers (dem ist ihr Geschimpfe sowas von egal, der findet es ja ok, was er tut), sondern um die andern, die sich das anhören müssen.

Re: Re: Re: Re:

Ein Kleinkind findet es auch ok, wenn es Sand auf den Teppich kippt - wenn man ihm allerdings mit Geduld erklärt, daß es den Eltern viel Arbeit und Zeit kostet, den Sand wegzuschaffen, wird es verstehen lernen, daß es NICHT OK ist.
Ich will niemanden "erziehen" - dafür ist es bei einem erwachsenen Mitbürger sowieso schon zu spät - aber ihn darauf aufmerksam machen, das es unter Menschen nun mal das Wort "Rücksicht" gibt!

da gibt es n o c h eine lästige Ungehörigkeit:

...vorwiegend Menschen jüngeren Alters platzieren ihre von Schmutz starrenden Fussbekleidungen in öffentlichen Verkehrsmitteln an ihren gegenüberliegenden Sitzgelegenheiten, weil sie das angeblich "cool" finden.

"napfoaa" - das möchte ich amal bei denen daham im HotelMama mach´n.....

.... da gäb´s sicha an trara sondergleichen

Kofferträger

also Gentleman-Tugenden, sind evidente Zeugen der Diskriminierung von Männern.

Die Ladies-First Philosophie, die in die selbe Kerbe schlägt, boomt aber mehr denn je.

"Öffentliches lautes Telefonieren stört 31 Prozent"

Nur 31%...????
Das erklärt so manches, was sich rund um uns akkustisch abspielt.

Re: "Öffentliches lautes Telefonieren stört 31 Prozent"

Das ist einer der wenigen Punkte, der mich auch nicht stört. Ist häufig sogar ziemlich lustig da zuzuhören.

Re: Re: "Öffentliches lautes Telefonieren stört 31 Prozent"

Manchmal ist es lustig. Aber manchmal nervt es schon. Als ich einmal in ein Zugabteil eintrat fragte die Frau, die bereits drinsaß, ob sonst nichts frei wäre. Ich wunderte mich über die Frage. Dann wurde mir aber alles klar. Während der ganzen Stunde, die die Fahrt dauerte, erledigte die Frau ein Telefonat nach dem anderen, dabei redete sie fast ausschließlich selbst. Es waren geschäftliche Telefonate. Es war einfach furchtbar.

Re: Re: "Öffentliches lautes Telefonieren stört 31 Prozent"

Nicht wenn man versucht sich selbst normal mit jemandem zu unterhalten. Oder schwierige Texte lesen will.

...die urösterreichische Titelwirtschaft verlor an Bedeutung.

Da wünsche ich dann viel Erfolg beim nächsten Amtsbesuch...

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