Weihnachtspulli: Wonne mit Wolle

Der gestrickte Weihnachtspullover ist besonder im angelsächsischen Raum ein beliebtes Modegenre, das sein muffiges Image längst losgeworden ist.

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Was die Prinzen William und Harry und womöglich gar die Queen höchstselbst am 25. Dezember beim Auseinanderdröseln ihrer Christmas Stockings tragen, ist natürlich ein so gut gehütetes Geheimnis, dass es nicht einmal "Hello! Magazine" oder die "Sun" zu lüften vermag. Es könnte aber gut sein, dass auch im Innersten des Königshauses der Vorliebe für ausgefallen gemustertes Strickwerk die Ehre gegeben wird. Zu Weihnachten darf es schließlich gern ein bisschen exzentrischer zugehen, als es das Diktat betuchter Fadesse nahelegt, das etwa von der Hochadels-Postille "Tatler" propagiert wird. Man könnte in diesem Zusammenhang durchaus an eine Art von "Mut zur Hässlichkeit" denken, der alle Briten mitunter beseelt (Inselmentalität?). Hemmungslos kitschige "Christmas Jumpers" erfreuen sich jedenfalls auch außerhalb von Buckingham Palace und Balmoral wachsender Beliebtheit.

Tag der 'Christmas Jumper': Kitsch für den guten Zweck

Schicker Strick. Denn es hat in den letzten Jahren eine Trendwende stattgefunden. Was früher als bieder galt, ist auf einmal angesagt, und mehr als ein Drittel der Briten, so eine von der "Daily Mail" zitierte Studie, findet die Träger von drolligen "Christmas Jumpers", Männer und Frauen übrigens, neuerdings sexy. Schließlich deute das Tragen hübsch-hässlicher Kreationen auf ausgeprägten Sinn für Humor hin, und das empfindet man als attraktiv. Als Wendepunkt in der strickpullirelevanten Mentalitätsgeschichte nennen kompetente Beobachter immer wieder die Pulliszene in "Bridget Jones   Schokolade zum Frühstück": Dass der von Bridget Jones heiß begehrte Mark Darcey auf einer Weihnachtsparty in einem durchaus diskutab-len Rentierpullover auftritt, identifiziert ihn als "Good Guy" und stattet ihn mit dem nun offiziell gewordenen Strick-Sex-Appeal aus.

Das Tragen eines Strickpullis mit vorzugsweise weihnachtlichem (oder sonstwie "lustigem" Motiv) gehört also für viele Menschen im angelsächsischen Raum zu den typischen Feiertagsritualen, wobei anscheinend der weihnachtliche Look auch in den Wochen davor schon gern ausgeführt wird. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich unter Pulloveradepten außerdem sogenannte "Ugly Christmas Jumper"-Partys im Büro, bei denen es darum geht, die grausigst denkbare Version auszuführen (ein Kinderspiel für Handarbeitsprofis). In einem Online-Forum, in dem über das Thema diskutiert wird, erzählt eine Britin sogar davon, dass ihre Familie heuer einen Hässlichkeits-Contest am Weihnachtstag ausrichtet, um die Festivitäten ein bisschen unterhaltsamer zu gestalten.

Beliebt: Weihnachtspulli

Oma-Strick. Eine nur logische Konsequenz der in Großbritannien grassierenden Weihnachtspulli-Manie war der am 14. Dezember erstmals ausgetragene Christmas Jumper Day: Möglichst viele Menschen waren aufgerufen, Pulli und Spendierhose anzulegen   also für einen guten Zweck Geld zu spenden und sich auf der Pinnwand der Facebook-Fanpage zu verewigen. Als gedruckte Dokumentation legte anderswo das Autorenduo Anne-Marie Blackman und Brian Howard Clark den Bildband "Rock Your Ugly Christmas Sweater" vor: Auf 192 Seiten wird hier dem eben genannten "Mut zur Hässlichkeit" sehr facettenreich die Lanze gebrochen. Die Autoren skizzieren eine analoge Situation in den Vereinigten Staaten und schwingen sich zu einem generationenübergreifenden Appell auf: "Machen Sie Ihrer Oma eine Freude und ziehen Sie den buntesten Pullover an, den sie schon vor Jahren für Sie gestrickt hat."
Dass, um wieder zur Familie Windsor zurückzukehren, auch das britische Prinzenduo von Großmutter Eli-zabeth selbst gestrickte Rentierpullis anlegt, muss leider bezweifelt werden, und doch wird einem bei dem Gedanken fast warm ums Herz.

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TIPP

Strick und kein Ende. Das Buch "Rock Your Ugly Christmas Sweater" ist bei Running Press erschienen. Bilder von Briten, die am "Christmas Jumper Day" teilnahmen und sich in Weihnachtspullis ablichteten, stehen auf Schaufenster.DiePresse.com 1. Dries van Noten um 448 Euro über www.mytheresa.de 2. Jil Sander um 490 Euro 3. Mit Pferdchen, von Sisley um 49,90 Euro 4. Burberry um 2095 Euro 5. Emma Cook für Topshop um 78 Euro über www.topshop.com 6. Lala Berlin um 169 Euro über www.lalaberlin.de 7. Sonia by Sonia Rykiel um 341 Euro 8. Kenzo um 490 Euro 9. Altuzarra um 690 Euro, wie Nummer 8 über www.thecorner.com 10. Asos um 49 Euro über www.asos.com

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