Pariser Modewoche: Lagerfeld umarmt die Welt

05.03.2013 | 15:41 |   (DiePresse.com)

Saint Laurent setzt auf die Rock-Girl-Attitüde, Chanel präsentiert einen schwarzen Globus und Joop schwelgt in Naturtönen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Ist die Luft draußen? Kurz vor Ende der Pariser Schauen für die Kollektionen Herbst/Winter 2013/14 ist von der knisternden Aufbruchstimmung der vergangenen Saison nicht mehr viel zu spüren. Im Herbst hatten die Debüts von Raf Simons für Dior und Hedi Slimane für Saint Laurent beim Pret-a-Porter der Damenmode alle in Atem gehalten. Doch nun fehlt irgendwie die "Lokomotive".

Alexander Wangs Startkollektion bei Balenciaga am Donnerstag (28.2.) wurde gelobt, war jedoch nicht spektakulär. Und Hedi Slimanes Entwürfe für Saint Laurent am Montagabend wirkten diesmal in ihrer Rock-Girl-Attitüde etwas deplatziert für ein elegantes Haus. Trotz des zweifelsohne coolen Looks, den der 45-Jährige auf den Laufsteg brachte.

Mit fedrig fliegenden Haarsträhnen und ungeschminkt wirkenden Gesichtern erinnerten die Models an die Schauspielerin Jane Birkin mit ihrem androgynen Reiz in den 1970er Jahren. Sie trugen Miniröcke aus Leder, Bikerjacken, Glitzerstrümpfe und übergroße Holzfällerhemden in Rot oder Blaugrau-Tönen. Oder karierte Outdoor-Jacken zu nachlässig gestylten Spitzenkleidern. Slimane schien Saint Laurent in die Ära des Grunge überführen zu wollen. Allerdings: Hier und da mixte er einige schneidermäßige Elemente darunter, etwa in Form von klassischen Mänteln. Kleidchen mit Blütenmuster, weißem Kragen und Lackschleife fügten der Kollektion einen Hauch von Bourgeoisie hinzu. Sie erinnerten an Yves Saint Laurents Entwürfe aus den 1960er Jahren.

Modewoche Paris: Nasenringe und Buchstabenketten

Alle 27 Bilder der Galerie »

Bei Chanel thronte am Dienstag eine schwarze Weltkugel voll goldener Leuchtpunkte in der Mitte des Laufstegs. Die Erde bei Nacht, aus der Luft gesehen. Fähnchen auf dem Globus zeigten die weltweit verstreuten Chanel-Boutiquen an und demonstrierten die modische Macht von Designer Karl Lagerfeld. Wie eine Armee der Eleganz, bereit den Weltraum zu erobern, traten die Models heraus. Ihre ausladenden Mäntel, Kostüme und Röcke glitzerten wie die Milchstraße und waren dabei weitgehend in Schwarz oder Nachtblau gehalten. Stiefel mit klobigen Absätzen, schwarze Ledergamaschen und Astronautenkappen in Leuchtfarben aus Fell ließen die Outfits wie glamouröse Uniformen erscheinen. Jacken waren von den überbreiten runden Schultern aus gearbeitet und fielen locker herab, die knielangen Röcke schwangen in Glockenform.

Joops weiche "Wolldecken"

Wolfgang Joop zog es mit den Entwürfen seiner Marke Wunderkind in die Natur. Steppjacken in Cremetönen, weiche "Wolldecken"-Miniröcke mit Fransen in Kornblumenblau und Jacken aus einem neuartigen Hanf-Wollgemisch weckten Lust auf frische Herbstluft. Neben Weiß, Blau und Rot - den Farben der Trikolore - schwelgte Joop in Naturtönen. "Ich bin auf dem Land groß geworden und liebe das. Die Entwürfe sollten ein wenig an abgeerntete Kornfelder erinnern", sagte der 67-Jährige nach der Schau. Die Models schritten leichtfüßig auf flachen Halbstiefeln einher. Der Potsdamer verzichtete auf High Heels. "Wenn man sich anguckt, wie Frauen oft dargestellt werden, sind das oft verheiratete Frauen in Bustierkleidern", meinte er. Die würden von zwei, wenn nicht drei Männern versorgt. "Ich wollte dagegen eine Frau zeigen, die sich selbst bewegen kann auf flachen Schuhen."

(APA/dpa)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

AnmeldenAnmelden