Mode ist nicht immer logisch. Man trägt hohe Absätze statt gutes Fußbett, bei nassen ein Grad plus Chiffonkleider statt Goretex-Hosen. Und man konzentriert die täglichen paar Kilo Alltagslast lieber auf einen rechts geschulterten schneidend dünnen Taschenhenkel, anstatt sie ergonomisch freundlich auf dem gesamten Rücken zu verteilen. Warum? Weil das eine schick ist. Und das andere eben nicht. Und im Falle des Rucksacks: schon länger nicht. Einerseits leider – siehe oben. Andererseits sagt Ina Kent, gebe es bei Rucksäcken halt nur zwei Kategorien: „schiach oder sportlich“.
Weswegen sich die Leder-Autodidaktin aus Wien-Neubau ein ehrgeiziges Ziel gesteckt hat. Sie möchte „die Rucksäcke aus der Rucksack-Ecke holen“ und hinein ins erwachsene Großstadtleben. Weiche leichte Beutel will sie kreieren und verlässliche, aber lässige Aktenbewahrer. Die Pläne dafür (und für neue Laptop-Taschen) sind derzeit zwar erst im Skizzenstadium, aber Kents aktuelle Arbeit zeigt, in welche Richtung es geht: Seit vergangenem Winter entwirft und verkauft die Wienerin in ihrem winzigen Shop-Werkstatt-Hybriden Ledertaschen und -Gürtel. Neben ihrer Kinderlinie (bunt, mit Tiermotiven), die aber Frauen gerne für sich selbst kaufen, setzt Kent auf (Multi-)Funktionalität. Durch einen Zug am Gurt lassen sich die schlichten Entwürfe (80 bis 180Euro) in Form und Größe verändern.
Bauch oder Nacken?
Beim Material hat es Kent gern pur: „Ich mag es, wenn man sieht, woher das Leder kommt – vom Bauch oder vom Nacken. Das ist dann wirklich das Tier.“ Das schwer zu kriegen ist. Wer in kleinen Stückzahlen produziert, blitzt mit hohen Ansprüchen bei den Lieferanten öfters ab. Wobei für Kent „Erleichterung in Sicht ist: Die Geschäfte laufen gut, sie wurde als Designerin für eine bestehende Marke angefragt: „Es ist absehbar, dass meine 20 Quadratmeter zu klein werden.“ Aufgeben werde sie den Standort aber nie: „Ich hänge dran.“ Nicht immer logisch, die Mode.
Ina Kent, 7, Lindengasse 46; Di–Fr: 11–18.30h, Sa:11–17h
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2008)

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