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Pariser Modewoche: Neinsagen als Accessoire

28.02.2008 | 18:10 |  PETRA PERCHER (Die Presse)

Viel Schwarz und wenig Haut, welch schlechtes Zeichen: Wie die Modedesigner versuchen, auch die ökonomischen Trends vorherzusagen.

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Geht es um die Einschätzung der wirtschaftlichen Situation, liegen Modeschöpfer oft richtiger als Analysten. Entwerfen sie lange Röcke, droht eine Krise, gibt es viel nacktes Bein und Dekolleté, geht es bergauf. Bei den soeben stattfindenden Modeschauen in Paris wandern die Säume nach unten und gleichzeitig schlägt die Farbwelt von bunt und knallig auf Grau und Schwarz um. Welch schlechtes Zeichen.

Alessandra Facchinetti ließ diese Theorie erst einmal außer Acht. Als neue Kreativchefin bei Valentino stand sie unter schärfster Beobachtung und setzte sich lieber mit dem Archiv ihres Vorgängers auseinander, als Prognosen zu treffen. Bei ihrer ersten Schau traute sie sich allerdings kaum, von der Linie des Traditionshauses abzuweichen. Allein, die Kleider wirkten leichter und jünger. Damit geht sie auf Nummer sicher.

Bei anderen war die Reduktion auf das Wesentliche zu spüren. Christian Lacroix etwa verzichtete auf wilde Muster und opulente Accessoires. Balenciaga zeigte eine immer noch futuristisch angehauchte, in den Farben und Stoffen aber weitaus klassischere Kollektion. Und Karl Lagerfeld schickte ausschließlich monochrome Mode auf den Laufsteg. Die bis unter das Knie fallenden Rocksäume ließen annehmen, dass auch er sich im Sog der unsicheren Wirtschaftslage nach unten ziehen lässt. Er selbst jedoch verneinte: „Es gibt nicht nur eine Rocklänge. Wir brauchen Abwechslung.“


Viktor & Rolf empfehlen: Träumt weiter!

Neben Abwechslung und Abschwung gibt es für kürzere Röcke noch eine dritte Erklärung: das Alter der Kundinnen. Die bis zum Supermini nach oben gerutschten Säume mögen vielleicht an schlanken Teenager-Beinen gut aussehen. Am Körper der Käuferinnen aber nicht. Die sind eben keine 20 mehr. Sonst könnten sie sich die Pariser Mode nämlich nicht leisten.

Wenn Mode darauf Rücksicht nimmt, ist das kein gutes Zeichen. Es heißt so viel wie: Jeder Umsatz zählt, die größtmögliche Käuferschicht muss erreicht werden.

Zu sehen war das bei John Galliano von Dior. Als Junger Wilder hatte er stets die 20- bis 30-Jährigen angesprochen. Als Salonfähiger kokettiert er nun mit reiferen, reicheren Frauen und – wie Simon & Garfunkels Song „Mrs. Robinson“ aus dem Film „Die Reifeprüfung“ im Hintergrund suggeriert – mit frustrierteren. Schmale Etuikleider in kräftigem Rot und Orange und Brigitte-Bardot-mäßig auftoupierte Haare sollen die Blicke auf sie ziehen.

Designer wollen mit ihrer Mode etwas mitteilen und tun dies manchmal auch ganz klar, wie Viktor & Rolf. Sie schminkten „No“ über die Gesichter und arbeiteten „Dream on“ in graue Flanellmäntel ein. Schuld daran sei der Druck zu performen, sagte das Duo. Deswegen erklären sie Neinsagen zum Accessoire. Ein Protest, der allerdings etwas zu deutlich ausgefallen ist. Für subtilere Aussagen ist Avantgardist Junya Watanabe bekannt. Er engte den Spielraum der Hände mit ärmellosen Jacken ein, umwickelte den Kopf mit dunklen Tüchern und modellierte geometrischen Formen darauf. Solche Experimentierfreude lässt den Betrachter fragend mit den lebendigen Skulpturen am Laufsteg zurück. Eine ökonomische Antwort dafür gibt es vorerst einmal nicht.

MODEWOCHE: Paris

Bei den Prêt-à-porter-Schauen in Paris, die noch bis Sonntag andauern, zeigen mehr als 90 Modehäuser ihre Kollektionen für die Herbst-/Wintersaison 2008/09. Die wichtigsten darunter: Valentino, Chanel, Dior, Balenciaga, Yves Saint Laurent. Einkäufer aus der ganzen Welt bestellen daraufhin ihre Ware.

Paris bildet den Höhepunkt und Abschluss der zweimal im Jahr stattfindenden Modewochen, die auch in New York, London und Mailand abgehalten werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.02.2008)

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