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Design: Grüner Haushalt

29.02.2008 | 15:09 |  Robert Kropf (Die Presse - Schaufenster)

Ein Kühlschrank im Waben-Look, eine Waschmaschine ohne waschmittel. Nachwuchs-Designer entwerfen nachhaltige Geräte für den Haushalt des Jahres 2020.

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Klären wir zu Beginn ein paar Begriffe: den der Nachhaltigkeit etwa. Sie beschreibt die Nutzung eines regenerierbaren natürlichen Systems in der Weise, dass dieses System in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht: Man darf in einem Wald nicht mehr Bäume fällen, als nachwachsen können. Sonst ist der Wald kaputt. Das wusste schon der Verwalter der Stadt Reichenhall im Jahre 1661. Zur Salzgewinnung wurde dort Sole verdampft, wozu viel Brennholz benötigt wurde. In den Wäldern um die Saline sollten nur so viele Bäume geschlagen werden, wie im gleichen Gebiet jedes Jahr nachwachsen.

Hans Carlo von Carlowitz publizierte den Begriff 1713 erstmals, 1795 taucht er als „sustained yield“ im Englischen auf. Der Rest ist bekannt: Egal ob Airlines oder CO2-freie Restaurants, Chemiekonzerne oder die Autoindustrie – Sustainability gehört heute in den genetischen Firmencode wie hohe Vorstandsgehälter. „Greenwashing“ sagen Kritiker dazu. Viele Unternehmen hinterlassen den Eindruck, als hätte es Nachhaltigkeit vor ihrer Zeit nicht gegeben. In so einem Fall erzählt man am besten von den Holzfällern in Reichenhall.
Nichtsdestotrotz, sich ein bisschen grüner zu geben, schadet nicht. Das merkte auch der Konzern Electrolux mit jährlich mehr als 40 Millionen verkauften Haushaltsprodukten in über 150 Ländern. Der Konzern lud
Designstudenten aus aller Welt ein, umweltverträgliche und kommerziell tragfähige Haushaltsgeräte zu schaffen, die es ermöglichen, im Einklang mit der Umwelt zu leben. Die Aufgabe im Wettbewerb „Design-Lab“ bestand da-
rin, über die bloße Wasser- und Energieeffizienz hinauszugehen. Also eine große Chance für Jungdesigner, eine gute Werbung für Electrolux.

Nüsse für die Waschmaschine. „Mich erschreckte die Umweltbelastung, die sowohl aus dem Waschprozess als auch aus der Produktion von Waschmitteln kommt“, erläutert der Gewinner des „Design-Lab“, der Ungar Levente Szabo (23) von der Moholy-Nagy University of Art & Design in Budapest. Szabo suchte nach einer Substanz, die das Waschmittel ersetzen konnte. Fündig wurde er bei der asiatischen Seifennuss. Das andere Problem war die Form konventioneller Waschmaschinen. Szabo verringerte die Größe und machte das Gerät so flach, dass es in eine kleine Wohnung passt und dennoch eine große Menge Wäsche waschen kann. Er designte die „e-wash“ so, dass sie mit Nüssen statt mit Waschmitteln funktioniert. Ein Kilo davon reicht für ein Jahr aus, „zudem schonen sie die Wäsche und sind gut für Menschen mit Allergien“, erklärt er. Einziger Wermutstropfen: „Ist es nicht CO2-schädlich, wenn man die Nüsse, die nur in Asien wachsen, nach Europa transportieren muss?“ Szabo: „Es ist auch möglich, sie hier anzubauen.“ Für Szabo wirkt sich der Gewinn nachhaltig aus: Er bekommt 5000 Euro Preisgeld und ein halbes Jahr Praktikum in einem der weltweiten Electrolux-Designzentren. Ob die „e-wash“ jemals in Produktion geht, steht in den Sternen.

„Man kann nicht mehr zwischen Design und Öko-Design unterscheiden.“
Henrik Otto



„Den Wasserhahn sieben Stunden laufen lassen, macht 2800 Liter. Eine 60-Watt-Birne 255 Tage brennen zu lassen, entspricht 368 kwh. Das alles würde ein Haushalt sparen, wenn Geräte, die älter als zehn Jahre sind, durch moderne Geräte ersetzt würden“, weiß Henrik Otto, der Chefdesigner des Hauses, aus einer Untersuchung von 150.000 Haushalten in den letzten sechs Jahren. Er ortet Bereitschaft des Kunden, umweltverträglich zu leben. Ein Drittel der Befragten gab an, energieeffiziente Geräte gekauft zu haben. Die Hälfte würde lieber Geschäfte mit Firmen abschließen, die ihren eigenen Beitrag zur globalen Erwärmung senken. Otto meint, „man kann schon heute nicht mehr zwischen Design und Öko-Design unterscheiden. Wegen der voranschreitenden Zerstörung der Umwelt ist es wichtig, bei allen Produkten auf die Ökologie zu achten.“

Das haben die Finalisten getan. Der zweite Platz ging an Laura Pandelle von der École Boulle. Sie entwickelte einen Solarkocher, der aufsprühbare Solarzellen und Induktionswärme zum präzisen und energiesparenden Kochen verwendet. Platz drei ging an den Chinesen He Cheng Fei. „Go fresh“ ist ein Kühlschrank, in dem durch das Wabendesign jedes Lebensmittel bei optimaler Temperatur gelagert wird und damit so lange wie möglich haltbar bleibt. Interessant ist auch die „Fog Shower“ von Joao Diego Schimansky von der Pontificia Universidade Catolica do Parana, Brasilien: Seine Nebel-Dusche kommt mit nur zwei Liter Wasser für eine fünfminütige Dusche aus. Die sparsamsten heutigen Duschköpfe verbrauchen im Vergleich 26 Liter dazu. In einem Punkt versagte die von Electrolux geforderte Nachhaltigkeit bei den teilnehmenden Jungdesignern. Sieger Szabo investiert seine 5000 Euro nicht in die Zukunft: „Ich schmeiße ein Fest für Freunde“. Das ist auch nachhaltig. Irgendwie.

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