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Berlin: Die glanzvolle Modehauptstadt?

24.07.2008 | 16:40 |  Von Petra Percher (Die Presse - Schaufenster)

Die Kollektionen selbstbewusst, die Besucher aufgebrezelt, die Partys glamourös: Berlin will endlich auch Modehauptstadt werden ¿ hat es auf dem Weg dorthin aber nicht leicht.

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Mehr als 700 ­Designer arbeiten in Berlin. Am Prenzlauer Berg, in Wedding, hinter den ­Hackeschen Höfen – überall wuchern Minigeschäfte, temporäre Showrooms, junge Ateliers. Aber Modehauptstadt? Nein, Modehauptstadt ist Berlin noch keine. Deutschland sei das einzige Land, wo es kein ­Modezentrum gebe. Wo Designer, Schauen und Magazine nicht in einer Stadt sitzen, raunt die Szene. Umso mehr müssten jetzt alle an einem Strang ziehen, damit so eine Plattform entstehe. Das möchte natürlich auch Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit. Und prompt ließ er quer durch die Stadt 500 Plakate aufkleben, damit das Mode-Tamtam auch ja keinem entgeht.

Gleichzeitig rümpfen Modeleute aber schon wieder die Nase. Immer wieder kommt der Vorwurf, der Termin sei mit Juli zu früh. Aber die besten Termine sind eben schon besetzt. Von Paris, Mailand, New York und London. Der zweite Jammer: In Berlin werden keine Geschäfte gemacht. Richtig, die großen internationalen Einkäufer lassen sich lieber nach Paris und Mailand fliegen. Aber der deutsche Markt ist ja auch nicht gerade klein. Und Klage Nummer drei: Deutsche Zugpferde verweigern Berlin. Wolfgang Joop etwa mit seinem Label „Wunderkind“, die Marke Escada oder Thomas Maier, der für Bottega Veneta designt.

Stärken und Schwächen. Der Weg zur Modehauptstadt bleibt in der Tat lang und beschwerlich. 2003 wurden die Modemessen Bread & Butter und Premium gegründet, die mehr als 40.000 Besucher anzogen. Dann ist die beliebte und vielgelobte Bread & Butter ins sonnigere Barcelona übersiedelt, und die Besucheranzahl im auch heuer regnerischen Berlin ist auf ein Drittel zusammengeschrumpft. Umso mehr Kraft ist jetzt notwendig, die Fashion Week in der dritten Saison zur wichtigsten Laufstegveranstaltung des Landes zu machen. Und wenn’s nach den Deutschen ginge, auch Europas.

Schließlich hat die Stadt auch Stärken: jede Menge Platz etwa und tolle Locations. Vom Bauruinen-Schick ehemaliger Fabriksanlagen bis zum Mercedes-Benz-Zelt auf dem Bebelplatz bei der Oper, wo sich schon im 19. Jahrhundert Luxusmodehäuser für den Berliner Adel angesiedelt haben. Hier, rund um die Wurzeln des Erfolgs, zeigten letzte Woche 26 Designer ihre Kollektionen für Sommer 2009. Darunter deutsche Labels, vielversprechende Nachwuchstalente, aber keine großen internationalen Namen. Bis auf Vivienne Westwood, die einst an Berlins Uni unterrichtet hatte und nun mit ihrer wie immer mit politischen Statements aufgeladenen Anglomania-Kollektion zurückkam. Hugo Boss zeigte die Linie „Hugo“ mit sehr grafischen Schnitten, und Designer Bruno Pieters liebste Farbe für nächsten Sommer: Blitzblau.

Blumig, bunt und fröhlich
gab sich der Liebling der Berliner Fashionszene, Michael ­Michalsky. Der ehemalige Adidas-Chefdesigner ließ sich vom etwas abgenutzten Thema Flower Power und der Protestkultur von 1968 inspirieren, machte daraus aber einmalige Prints auf wallenden Damenkleidern und hautengen Herrenhosen. Auf Accessoires druckte er „Atomkraft? Nein danke“ oder „Jute statt Plastik“. Nun ja. Mitbewerber Wolfgang Joop hat es gefallen. Er ist ein bekennender Fan und saß mit zerrissenen Jeans und ­dunkler Brille in die erste Reihe. Ein Signal, dass er Berlin gegen­über nicht mehr ganz so skeptisch ist?
Für sein ursprüngliches Label „Joop! Jeans“ designt mittlerweile Dirk Schönberger. Zu Orgelklängen aus Bachs Toccata führten Models in einem ehemaligen E-Werk viel Lack und Latex vor. So gewagt werden es die Teile wohl nie vom Laufsteg in die Geschäfte schaffen. Gabriele und ­Viktoria Strehle zeigen mit dem jungen Label „Strenesse Blue“ dafür umso Tragbareres unter dem Motto „Alles, was Frauen im Kasten der Männer finden“. Gürtel, Sonnenbrillen und – es musste ja kommen – das Hemd von Jogi Löw.

Und natürlich gab es auch Prominenz, Partys und modewocheimmanente Blitzlichtgewitter. Nach der Schau bei Michalsky etwa, als zu Disco-Sound Champagner ohne Ende floss (die Kollektion für Tchibo bringt offenbar viel Geld). Oder bei der Aftershowparty von Joop!. Als Glamour-Höhepunkt der Woche galt das Fest zum 20. Geburtstag der Modezeitschrift „Elle“. Beim Riesen-Remmidemmi wurde der neue Modepreis Mercedes vergeben. Die wichtigste Kategorie ging an Karl Lagerfeld für sein Lebenswerk. Auch Jil-Sander-Designer Raf Simons und das Modeduo 6267 räumten ab, und die Strenesse-Familie Strehle, Exmodel Claudia Schiffer, Annie Lennox, ­Boris Becker, Sex-and-the-City-Star Kim Cattrell feierten mit. Zufrieden musterte der selbst in Smoking und Lackschuhen herausgepellte „Elle“-Verleger Hubert Burda seine Gäste und meinte: „Ohne Glanz, das sage ich Ihnen, geht es nicht.“ Sicher nicht auf dem Weg zur Modehauptstadt.
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