Christiane Arp: „Jetzt muss etwas passieren“

Christiane Arp steht dem neuen deutschen Moderat vor und bringt demnächst die „Vogue“-Shoppingnacht auch nach Wien.

Schließen
(c) Peter Rigaud

Unter ihrer offiziellen Biografie auf der Homepage der deutschen Niederlassung des Condé-Nast-Verlags findet sich der etwas kryptische Eintrag „Gewichtung: 1“. Den braucht es freilich gar nicht, um zu erahnen, dass Christiane Arp als Chefredakteurin der deutschen „Vogue“ eine Schlüssel­figur der gesamten Modewelt ist. In ihrem Heimatmarkt tritt sie zudem neuerdings als Präsidentin eines in Gründung begriffenen Moderates auf. Was es mit diesem Fashion Council auf sich hat und weshalb bald Wien verstärkt die Aufmerksamkeit von Frau Arp genießen wird, hat die Magazinmacherin exklusiv dem „Schaufenster“ mitgeteilt.

Details über den Fashion Council Germany sollen während der Berliner Modewoche im Juli verlautbart werden. Besteht in Deutschland Handlungsbedarf?
Die Intentionen hinter dem Fashion Council Germany sind ähnlich wie bei der Gründung des „Vogue“-Salons, unserer Nachwuchsförderungsplattform auf der Fashion Week in Berlin. Es geht darum, aktiv dort hinzusehen, wo es in Deutschland Modedesign-Talente gibt, die es zu fördern und anzuerkennen lohnt. Die Förderung und Unterstützung dieser Talente liegt mir sehr am Herzen. Darum engagiere ich mich letztlich auch im Council, weil es eine 365-Tage-Lobby für diese jungen Designer braucht, und das kann auch ich als Chefredakteurin allein nicht leisten, sondern dafür ist eine andere Organisation vonnöten, die genau das in ihren Statuten stehen hat.


Die Initiative geht auf Ihren Austausch mit führenden Persönlichkeiten der deutschen Modebranche zurück?
Den Ruf nach einem Fashion Council gibt es ja schon seit vielen Jahren. Das ist auch ganz logisch, denn da, wo anderswo Fashion Weeks und Modestandorte funktionieren, gibt es vergleichbare Institutionen, die hervorragende Arbeit leisten – auch hinsichtlich der Förderung des Nachwuchses. Zum Beispiel in den USA oder Großbritannien. Die Idee war also nicht neu. Aber es gibt einfach hin und wieder Schlüsselmomente, in denen klar wird: Jetzt muss etwas passieren. So einen Moment gab es im vergangenen Jahr, als wir mit mehreren Personen aus der Branche, die ich seit Langem kenne, um einen Tisch saßen. Ich beschloss, meine Vorbehalte gegenüber Vereinsmeierei über Bord zu werfen, und sagte zu, den Council ehrenamtlich als Präsidentin auf Zeit zu unterstützen. Ich hatte das Gefühl, dass alle Personen an diesem Tisch an einem Strang ziehen wollen.


Ist Berlin die Modehauptstadt Deutschlands, und glauben Sie weiterhin an das Potenzial der dortigen Fashion Week?
In erster Linie glaube ich an Modedesign aus Deutschland. Der Standort eines Designers ist zweitrangig. Von Anfang an haben wir zum Beispiel René Storck unterstützt, er lebt und arbeitet in Frankfurt. Die Berlin Fashion Week bietet sich als Präsentationsfläche natürlich an: Die deutsche Modewoche muss es aber schaffen, sich so in den Schauenkalender einzureihen, dass internationale Pressevertreter und Einkäufer Zeit haben, nach Berlin zu kommen. Die Stadt ist sehr attraktiv für ausländische Besucher, weil sie eine vibrierende Metropole ist, die ständig schwankt zwischen dem Rauen und dem Geschliffenen – das, was Kreativität braucht.


Mit dem Fashion Council vergleichbare Institutionen in anderen Ländern unterstützen Designer auch mit Geldmitteln aus der öffentlichen Hand oder von privaten Sponsoren: Wird so etwas in Deutschland auch passieren?
Dazu möchte ich zu diesem Zeitpunkt noch keine konkrete Aussage treffen, weil Details erst während der Berliner Modewoche im Juli bekanntgegeben werden. Die Grundintention und auch meine Motivation, mich zu engagieren, ist klar: Die Förderung von Modenachwuchs in Deutschland als eine der wichtigsten Säulen der Branche. Wie genau das passieren wird, welche Partner wir als Verbündete gewinnen konnten, da muss ich noch um ein wenig Geduld bitten.


Ein anderes Thema: Mit der Vogue Fashion's Night Out (VFNO), die alljährlich weltweit im September stattfindet, wenden Sie sich als Magazinmacherin direkt an die Endverbraucher. Das funktioniert?
Das hat weltweit gut funktioniert, in Deutschland sogar besonders. Die VFNO ist eine globale Einkaufsnacht für unsere Leserinnen und alle Modebegeisterten. Die Partner im Handel laden an diesem Abend mit besonderen Aktionen oder auch limitierten Kollektionen in ihre Stores ein. Ins Leben gerufen wurde die Initiative 2009 mitten in der weltweiten Wirtschaftskrise. Wir wollten damit den Modehandel unterstützen und zeigen, wie viel Spaß die Beschäftigung mit Mode macht.


Unlängst wurde bekannt, dass die Fashion's Night Out am 10. September erstmals in Wien Station macht. Wie kam es dazu?
Tatsächlich gab eine spontane Begegnung den Anstoß. Während der letzten VFNO in Berlin kam ich in kleinem Rahmen mit einer gebürtigen Wienerin ins Gespräch, und sie war es, die anregte, dass es das Format doch auch in Wien geben könne. Der Gedanke gefiel mir, und wir haben bei Condé Nast begonnen, ernsthaft darüber nachzudenken, die Modenacht auch nach Österreich weiterzutragen. Wir haben immer wieder Anfragen aus anderen deutschen Städten, wollen aber auch für unsere österreichischen Leserinnen einmal präsent sein. Wir reisen mit einem großen Team in die VFNO-Städte, weil es uns unglaublich wichtig ist, bei diesen Events selbst vor Ort zu sein.

In der Pressemitteilung wird explizit das Goldene Quartier erwähnt: René Benko und die Signa-Gruppe waren in Wien ein logischer Ansprechpartner?
Wir arbeiten ja in Berlin sehr erfolgreich mit dem KaDeWe zusammen, das zur Signa-Gruppe gehört. Das KaDeWe ist dort der zentrale Treffpunkt der Fashion's Night Out.


Es sollen aber auch andere Händler teilnehmen. Ist die Liste der Teilnehmer schon endgültig?
Noch nicht ganz, aber eine ganze Reihe hochwertiger Partner wie Jimmy Choo, Tiffany, Miu Miu, Prada und ansässige Wiener Händler wie Juwelier Heldwein oder Liska sind schon dabei. Zum einen laden wir aktiv ein, und ebenso kommen Händler auf uns zu und bekunden ihr Interesse, an Fashion's Night Out teilzunehmen.


Nützen erfahrungsgemäß auch Händler, die nicht offizielle Partner sind, diese Dynamik aus?
Absolut. Das Format ist ja sehr demokratisch und offen angelegt, anders als andere „Vogue“-Veranstaltungen, die sich üblicherweise an geladene Gäste wenden. Wer aber Lust hat, an diesem Event teilzunehmen, ist herzlich eingeladen.


Sie werden selbst vor Ort sein?
Ja, klar, ich werde nach Österreich kommen. Weil es mir jedes Mal großen Spaß macht, selbst bei Fashion’s Night Out dabei zu sein. Und ich freue mich auf Wien.

Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Christiane Arp: „Jetzt muss etwas passieren“

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.