„Iconic Recycling“: Modische Fußstapfen

Prager Modestudenten entwarfen fiktive Kollektionen für große Marken. Ihre Entwürfe kommen nun nach Wien.

Jean Paul Gaultier. Die DNA des Pariser Designers versuchte Lenka Vacková fortzuführen.
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Jean Paul Gaultier. Die DNA des Pariser Designers versuchte Lenka Vacková fortzuführen.
Jean Paul Gaultier. Die DNA des Pariser Designers versuchte Lenka Vacková fortzuführen. – (c) Beigestellt

Auch wenn das im echten Modeleben wahrscheinlich nicht ganz so funktioniert – für junge Designer, gar noch in Ausbildung begriffen, ist es ein Traumszenario: Es läutet an der Tür, davor liegt ein Päckchen mit einem besonders typischen Modell einer großen Modemarke. Dazu wurde vielleicht noch eine Grußkarte gepackt: „Ich möchte, dass Sie mein Nachfolger werden. Lassen Sie sich von diesem Kleidungsstück für Ihre erste Kollektion inspirieren. Beste Grüße, Designer XY.“

Traumberuf. Mehr oder weniger mit dieser Vorgabe durften Modestudenten an der Prager Kunstuniversität unter der Ägide ihrer Professorin Liběna Rochová und der österreichischen Modeexpertin Elisabeth Längle unlängst ein Semesterprojekt absolvieren. Längle hatte der ­Universität insgesamt 25 Kleidungsstücke internationaler Luxusmarken aus ihrer Sammlung gestiftet, aus denen die Studierenden auswählen durften. „Für die jungen Leute war es etwas ganz Besonderes, diese Teile in der Hand zu halten“, so Längle. „Und obwohl sie sich alle darüber im Klaren sind, wie schwierig der Job eines Chefdesigners ist, träumen sie doch alle davon, einmal für ein großes Modehaus arbeiten zu können.“

Romeo Gigli. Ein Modell des italienischen Designers inspirierte Kateřina Plamitzerová .
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Romeo Gigli. Ein Modell des italienischen Designers inspirierte Kateřina Plamitzerová .
Romeo Gigli. Ein Modell des italienischen Designers inspirierte Kateřina Plamitzerová . – Beigestellt

Wie groß die Herausforderung nämlich ist und unter welch schwierigen Bedingungen die Kreativen im Dienste globaler Marken heute arbeiten, das habe man erst unlängst wieder durch den Rückzug von Raf Simons bei Dior und Alber Elbaz bei Lanvin gesehen, bemerkt Elisabeth Längle. Doch am Engagement für eine bekannte Marke führt ihrer Meinung nach zu Beginn einer Karriere kaum ein Weg vorbei. „Auch Tom Ford durch Gucci oder Marc Jacobs durch Louis Vuitton haben einen Bekanntheitsschub erfahren, der ihnen selbst später zugutekam.“

Mode oder nicht? Unter den verschiedenen Marken, die den jungen Leuten für das Entwerfen ihrer fiktiven Antrittskollektionen zur Verfügung standen, fanden sich etwa Helmut Lang, Prada, Céline, Yamamoto, Gaultier oder Donna Karan. Auch und gerade in einem kleinen Land ohne Textilindustrie, wie es die Tschechische Republik ist, sei schließlich der Gang ins Ausland unerlässlich, sagt die Prager Modeprofessorin Liběna Rochová. „Ich sage meinen Studenten stets: Zunächst müsst ihr im Ausland Erfahrungen sammeln, am besten in einem der etablierten Maisons, danach könnt ihr zurückkommen und euer eigenes Label gründen.“ Es sei freilich nicht darum gegangen, bloß als Kopist einer Luxusmarke zu agieren – die Übersetzung der jeweiligen Ästhetik in die eigene Formensprache war unbedingt erwünscht. „Wir haben uns auf die DNA dieser Marken konzentriert“, so Rochová, „aber das Aufblitzen der individuellen Kreativität war eine Grundvoraussetzung.“

Yohji Yamamoto. Japanischer Chic von der Prager Modestudentin Michaela Čapková.
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Yohji Yamamoto. Japanischer Chic von der Prager Modestudentin Michaela Čapková.
Yohji Yamamoto. Japanischer Chic von der Prager Modestudentin Michaela Čapková. – (c) Beigestellt

Die Präsentation der Arbeiten unter dem Titel „Iconic Recycling“ erfolgte in den letzten Monaten bereits in Tokio und New York, die dritte und letzte Station folgt nun in Wien. „Und es ist auch der wichtigste Stopp“, so Elisabeth Längle. „Denn mein Credo, das ich allen Studierenden immer weitergebe, lautet: Mode, die sich nicht verkauft, ist keine Mode.“ In der Wiener Galerie Mauroner werden ab Ende November die Entwürfe der jungen Leute zum Verkauf stehen, und es wird sich erweisen, wem es gelungen ist, durch seine kreative Anstrengung auch ein Produkt zu schaffen, das für potenzielle Kunden attraktiv ist – von möglichen Arbeitgebern ganz zu schweigen.

Tipp

„Iconic Recycling“. Vernissage der Modeausstellung in der Galerie Mario Mauroner (Weihburggase 26, 1010 Wien) am 26. November um 19 Uhr. Danach sind die Arbeiten bis 9. Jänner 2016 zu sehen.

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