Mach es selbst: Und jetzt auch noch die Skier

Maßanfertigung statt Massenware: Wer es individuell mag und ein Faible fürs Handwerken hat, der schwingt sich im Winter auf handgefertigten Skiern die Hänge hinunter.

Symbolbild Skier im Schnee
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Symbolbild Skier im Schnee
Symbolbild Skier im Schnee – (c) Michaela Seidler

In der hellen Werkstatt riecht es an diesem Samstagnachmittag nach Kleber. Zwei Frauen und sechs Männer mit blauen Gummihandschuhen an den Händen stehen um Arbeitsbänke aus Holz. Darauf liegen je zwei lange, schwarze Plastikbahnen mit Metallrändern. In Skiform. Die einen laufen in der Mitte eng zusammen, die anderen sind durchgehend breiter. Je nachdem, ob daraus schnittige Pistencarver, Tourenskier oder Bretteln für frisch verschneite Pulverhänge werden sollen.

Der Trend zum Selbermachen ist auch im Wintersport angekommen: Immer mehr Skifahrer wollen einen möglichst individuellen Ski. Doch statt ihr Sportgerät bei Profis in Auftrag zu geben, greifen sie lieber selbst zu Hammer, Klebstoff und Säge. In Innsbruck zeigen Skibauexperten wie Peter Pfeifer im Rahmen von Workshops, wie das geht. So ein Paar individuell gestalteter und selbst gebauter Skier gibt es freilich nicht umsonst: Wer sie – oder ein Snowboard – haben möchte, muss Geld, zwei Wochenendtage und ein bisschen Fleiß investieren.

Vorabplanung notwendig

Die Grundform für den jeweiligen Ski wird schon vor dem Workshop in einem Gespräch mit den Skibauexperten festgelegt: nach Wünschen, Fahrkönnen und Bedürfnissen der Teilnehmer. Peter Pfeifer erklärt die nächsten Arbeitsschritte: „Wir kommen jetzt zum Laminieren. Das muss relativ flott gehen, darum arbeiten immer zwei von euch gemeinsam an einem Paar Skier.“ Mit kleinen Malerrollen tragen die Skibastler den türkis-grünlichen Kleber, ein Epoxidharz, auf.

Die Masse schmatzt, während sie möglichst gleichmäßig auf dem schwarzen Untergrund verteilt wird. Den Skibelag haben die Teilnehmer am Vormittag bereits ausgeschnitten und mit Stahlkanten versehen. Darauf kommt eine Fiberglasmatte, erneut Kunstharz, dann der Skikern aus Eschenholz. Dieses Holz eigne sich besonders gut für den Skibau, sagt Pfeifer. Es ziehe wenig Feuchtigkeit, und seine besondere Faserlänge erzeuge die beste Abfahrtsperformance.

Insgesamt entscheidet aber der gesamte Aufbau eines Skis über seine Eignung und Qualität: Zwischen vier und zehn Schichten Material kommen aufeinander. Die oberste, das Top Sheet, gibt dem Ski schließlich sein Design. Das kann ein vor Ort ausgewähltes Holzfurnier mit Einlegearbeit sein. Aber auch eine selbst gestaltete Grafik ist möglich. Sie wird vorab außer Haus auf eine Bügelfolie aufgebracht und beim Workshop als Skioberfläche verwendet. Schließlich ziehen die Teilnehmer vorsichtig über jedes der Skibündel einen durchsichtigen Plastiksack.

Wissen, wie es geht

Lydia (25) und Florian (29) Strohmayer sind die Ersten, die mit dem Laminieren fertig sind. Zufrieden schauen sie zu, wie eine Motorpumpe mit Gebrumm die Luft aus dem Plastiksack über dem künftigen Paar Skiern saugt. Die beiden sind extra für den Workshop aus Baden bei Wien mit dem Nachtzug nach Innsbruck gekommen. „Weil man so erfährt, woraus ein Ski besteht und wie er gemacht wird“, sagt Lydia Strohmayer.

Knapp 1500 Wintersportbegeisterte haben bislang einen dieser Selbermacherkurse besucht. Der jüngste Teilnehmer war elf Jahre alt, der älteste 87. Und einer der Kunden kam sogar aus Australien angereist, um sich in Innsbruck seine Wunschskier bauen zu können. Vor bald fünf Jahren haben Peter Pfeifer und der ehemalige bayerische Skirennläufer Michael Freymann, der zum Studium nach Tirol gekommen ist, die Idee zu diesen Kursen. Seither leiten sie gemeinsam mit sieben bis 14 Mitarbeitern die Workshops – alle erfahrene Skibauexperten, viele davon ehemalige Rennläufer, Snowboardprofis oder Skilehrer. Pfeifer und Freymann, die sich „nicht als Handwerker, sondern als Skifahrer“ sehen, haben dafür mittlerweile die Firma Spurart gegründet und bauen auch Maßskier auf Bestellung.

Skier müssen aushärten

Aus den ersten Skipackungen ist die Luft jetzt abgesaugt. Die Bündel werden nun mit Zwingen fixiert und auf ein mannshohes Regal mit Rollen gelegt. Über Nacht kommen sie in einen Spezialofen, in dem sie bei einer Temperatur von 60Grad Celsius aushärten. Eine Presse wie bei Industrieskiern braucht es für die Herstellung hier nicht, da die Skier mit einem Druck von fünf bis sechs Tonnen vakuumiert werden.

Der Tiroler Stefan Frischhut legt mit einem der anderen Skibastler eine Oberfläche aus hellem Furnierholz auf das Skibündel vor ihm. Es glänzt klebrig im Licht der Werkstattlampen. Frischhut hat den Workshop als Geschenk zum vierzigsten Geburtstag bekommen und konnte im Vorfeld drei unterschiedliche Skivarianten aus dem Spurartsortiment testen. „Den Ski, für den ich mich entschieden habe, baue ich gerade.“ Für den begeisterten Skifahrer ist vor allem die Qualität der Skier ausschlaggebend.

Denn Skier von der Stange erfüllen die Wünsche guter Skifahrer oft nicht ganz. „Unser Ansinnen ist es, super Skier zu bauen“, erklärt Peter Pfeifer die eigene Motivation. „Für unsere Kunden ist zunächst die Möglichkeit, das Aussehen der Skier selbst zu gestalten, ausschlaggebend. Das dreht sich dann aber häufig um, wenn sie die selbst gebauten Skier ein paar Mal fahren“, fügt er hinzu.

Geduld gehört dazu

Bis es so weit ist, müssen sich die Teilnehmer dieses Workshops aber noch gedulden. Am Sonntagmorgen dürfen sie ihre Skier endlich aus dem Vakuumsack schälen. „Da leuchten die Augen dann oft, als ob das Christkindl vor der Tür steht“, freut sich Pfeifer jedes Mal über diesen Augenblick. Der kritischste Moment steht den Skibastlern allerdings noch bevor: Die Skier müssen mit der Stichsäge vorsichtig ausgeschnitten werden – immer der Kante entlang. Da passiert es schon einmal, dass der eine oder andere vor Aufregung in die Kante hackt. „Das gehört dazu“, sagt Pfeifer und lacht. „So eine Matze im Ski ist ja auch etwas Individuelles.“ In Summe achten die Workshopleiter aber sehr darauf, dass die Teilnehmer brauchbare Brettln mit nach Hause nehmen können. Handwerkliches Geschick ist deshalb nicht unbedingt nötig, wenn man sich seine Traumskier selbst bauen will.

Skier bauen

Ein Skibau-Workshop in Innsbruck dauert zwei Tage. Er kostet für die Herstellung von Skiern und Snowboards 790 Euro, für Splitboards 890 Euro. Im Vorfeld findet mit den Teilnehmern ein telefonisches Skiplanungsgespräch mit den Organisatoren statt. Auch das Design der Skier kann selbst gewählt werden. www.spurart.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.01.2016)

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