Modepuppe: Barbie bekommt einen Hidschab

Der US-Spielzeughersteller Mattel setzt einmal mehr auf Vielfalt im Kinderzimmer. Barbie bekommt einen Hidschab. Für die neue Puppe in der "Sheroes"-Kollektion hat die Säbelfechterin Ibtihaj Muhammad (31) als Vorlage gedient.

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Die Barbie trägt den muslimischen Hidschab, ein Kopftuch, das Haare, Hals und Brust bedeckt. Als erste US-Sportlerin mit Hidschab war Muhammad im vergangenen Jahr in Rio bei Olympia angetreten.

Instagram (barbie)

Mit den "Sheroe"-Puppen, deren Namen sich aus den englischen Wörtern "she" (sie) und "hero" (Held) zusammensetzt, will Mattel eigenen Angaben zufolge weibliche Vorbilder feiern, die Mädchen inspirieren sollen.

 

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Die Sportlerin selbst zeigte sich auf Twitter begeistert von der neuen Puppe. "Ich bin stolz, zu wissen, dass kleine Mädchen überall jetzt mit einer Barbie spielen können, die einen Hidschab trägt." Damit sei für sie ein Kindheitstraum wahr geworden, sagte Muhammad.

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Auch Ken, der langjährige Partner der Puppe, hat einen neuen Look. Er kommt seit einiger Zeit mit Zopf, geflochtenen Haaren oder breiter Hipster-Brille zum Spielen. Der US-Hersteller Mattel präsentierte 15 neue Ken-Puppen. Sie sollen dem in die Jahre gekommenen Plastik-Schönling ein moderneres und ethnisch vielfältigeres Image geben.

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Ken ist jetzt auch in drei Körperformen ("breit", "schlank" und "original") zu haben. Außerdem gibt es bei den 15 neuen Puppen die Auswahl zwischen sieben Hautfarben, acht Haarfarben und neun Frisuren. Auch die Kleidung des inzwischen 56-Jährigen wurde modernisiert: Neben Sportswear und lockerer Bürokleidung trägt er nun auch Skinny-Jeans und Karo-Hemden im Hipster-Look.

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Vor eineinhalb Jahren war bereits Kens Begleiterin neu getrimmt worden. Barbie wird seitdem in vier Körpervarianten angeboten. Neben der Originalform gibt es sie in einer größeren, zierlicheren und einer kurvenreicheren Ausführung. Auch bei Hautfarbe und Haarstil von Barbie haben Käufer seither größere Auswahl- und Kombinationsmöglichkeiten.

 

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Mit der Neuerfindung seiner berühmten Puppen will sich Mattel dem Abwärtstrend in den Verkaufszahlen entgegenstemmen. Das Unternehmen wolle Ken und Barbie für die junge Generation "neu definieren", sagte Vizechefin Lisa McKnight.

 

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Mattel wurde lange vorgeworfen, ein einseitiges und für die meisten jungen Menschen unerreichbares Schönheitsideal zu propagieren.

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Die Ur-Barbie ist eine gertenschlanke Blondine mit Wespentaille, der Original-Ken ein blauäugiger Schönling mit üppigem Haarschopf.

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Ob Plus-Size-Model Ashley Graham als Kind wie Barbie aussehen wollte? Mittlerweile sieht Barbie jedenfalls wie Ashley Graham aus. Mattel und das Supermodel haben im bereits zusammengearbeitet.

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Die Puppe gleicht dem Model stark. Nicht nur die Körperform wurde auf Graham abgestimmt, auch das Gesicht inklusive Muttermal.

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Graham wollte damit Kindern ein positives Körpergefühl vermitteln. "Ich denke bei der jüngeren Generation wir das Körpergefühl ein anderes sein weil sie jemanden als Vorbild haben können, der wirklich so aussieht, wie sie. Ich denke heutzutage sind wir alle Barbie", erklärte sie im Interview mit US Weekly.

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Mattel hat Anfang 2016 damit begonnen, Barbie nach mehr als einem halben Jahrhundert ein neues Aussehen zu verpassen.

 

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Die einst sehr schlanke Barbie gab es seitdem zusätzlich in den Figurtypen "kurvig", "klein" und "groß". Ebenso stand ein breit gefächertes Spektrum an Hauttönen, Haarfarben und Frisuren zur Auswahl.

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"Wir haben die Verantwortung, Mädchen und Eltern eine breitere Auffassung von Schönheit zu präsentieren", sagte die damalige General Managerin Evelyn Mazzocco.

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Neben breithüftigen Barbies mit den typischen blonden Mähnen fanden sich zierliche mit asiatischen Zügen, dunkelhäutige, Latino- oder rothaarig-blasse Barbies. Auch eine hochgewachsene Blondine mit Undercut kam ins Angebot.

 

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Bereits 2015 hatte Mattel die Barbie-Palette um 23 Puppen mit unterschiedlichen Hauttönen und auch einem normalen, flachen Fuß erweitert.

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Mit kurvigen Superstars wie Beyonce oder Jennifer Lopez, Celebrities wie Kim Kardashian oder auch selbstbewusst-feministischen TV-Stars wie Lena Dunham wurden zunehmend rundere Frauen zu Vorbildern.

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Trotzdem hatte der Schritt für Mattel auch ein gewisses Risiko. Denn bisher war Barbie ein 57-jähriges und trotzdem altersloses Symbol des blonden, langmähnigen American Girl.

 

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Obwohl ihr Eisprinzessin Elsa aus "Frozen" den Beliebtheitsrang abgelaufen hat, nennen immer noch 92 Prozent der amerikanischen Mädchen zwischen drei und zwölf Jahren eine Barbie ihr eigen. Und ihr Verkauf in mehr als 150 Ländern weltweit bringt Mattel etwa eine Milliarde US-Dollar (910 Millionen Euro) ein.

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In aufwendigen Vorabtests versuchten die Puppendesigner in El Segundo deshalb bei Spieltreffs mit Mädchen und Müttern einzuschätzen, wie die neuen Barbies ankommen. Eine Reporterin des "Time Magazine" durfte diese heimlichen, unter dem Projektnamen "Dawn" (Morgenröte) laufenden Tests besuchen.

 

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Dabei schienen die Mütter auf den ersten Blick mehr angetan als ihre Kinder. Eine Siebenjährige, bereits gewöhnt daran, andere durch die Wortwahl nicht zu beleidigen, fand die Puppe ulkig, weigerte sich aber, sie als "dick" zu beschreiben. "Ich möchte ihre Gefühle nicht verletzen", antwortete sie der Reporterin.

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Es blieb also offen, ob diese Erweiterung des Barbie-Repertoires die Marke stärkt oder ob die - von kritischen Eltern lang geforderte - Abkehr vom surrealen Körperbau der Original-Barbie zu spät kommt.

 

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"Hasser werden sie weiter hassen. Aber wir wollen, dass uns Barbie-Liebhaber künftig noch mehr lieben - und dass vielleicht diejenigen, die negativ eingestellt sind, künftig wenigstens neutral werden. Das wäre schön", sagt Mattel-Präsident Richard Dickson.

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