Kindermode: Wie die Mutter, so die Tochter

Strampler und Latzhosen sind passé. Kindermode ist erwachsen geworden und bietet luxuriöse Mini-Me-Varianten.

Romantik. Vor allem für Hochzeiten und besondere Anlässe entwirft Sandra Tomic mit ihrem Label Min.
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Romantik. Vor allem für Hochzeiten und besondere Anlässe entwirft Sandra Tomic mit ihrem Label Min.
Romantik. Vor allem für Hochzeiten und besondere Anlässe entwirft Sandra Tomic mit ihrem Label Min. – (c) Beigestellt

Ein mit Blumen bestickter Mantel im doppelreihigen Military-Look, dazu ein schwarzer Rock, Beanie-Mütze und Lackboots. Zugegeben, die Outfits aus früheren Kindertagen haben mit dem Look von Dolce & Gabbana so gar nichts gemein. Latz- und Radlerhosen in quietschbunten Farben, die oftmals bis zum kleinsten Geschwisterchen weitervererbt wurden und dementsprechend mitgenommen waren, sieht man kaum noch. Kindermode hat mittlerweile einen anderen Designanspruch und unterscheidet sich von Erwachsenenkleidung kaum noch.

Doppelte Lottchen. Dolce & Gabbana ist in Sachen Mini-Me-Mode sehr beliebt.
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Doppelte Lottchen. Dolce & Gabbana ist in Sachen Mini-Me-Mode sehr beliebt.
Doppelte Lottchen. Dolce & Gabbana ist in Sachen Mini-Me-Mode sehr beliebt. – (c) Beigestellt

Mini-Me. Kinder sind nicht nur in der Erziehung die Spiegelbilder ihrer Eltern, auch optisch soll das vermehrt zum Tragen kommen. Partnerlook ist wieder en vogue, verblasst sind die Assoziationen mit Pärchen im Wanderurlaub, die von Kopf bis Fuß in die gleiche multifunktionale Aktivkleidung gehüllt sind. Auch Stars – allen voran etwa Trendsetterin Kim Kardashian – stimmt ihr Töchterchen North modisch gern auf sich selbst ab. Erst kürzlich trug die Vierjährige ein Korsettkleid, das für einen medialen Aufschrei sorgte, bis Kim Kardashian auf Social Media Wort ergriff und ihre Entscheidung verteidigte. Es handle sich lediglich um ein Kleid, das wie ein Korsett aussehe, aber in keiner Weise geschnürt sei – „I think it‘s really cute“.

Ganz auf Mini-Me-Mode hat sich auch die Deutsche Sandra Tomic mit ihrem kürzlich gegründeten Luxuslabel Min, benannt nach dem ägyptischen Gott der Zeugung und Fruchtbarkeit, spezialisiert. Sie entwirft vor allem romantische Kleider für Mütter und Töchter für Anlässe wie Hochzeiten. Die Designerin zelebriert selbst mit ihrer fünfjährigen Tochter den Partnerlook. „Die Verbundenheit, die man hat, ist toll. Bei Veranstaltungen wird man gar nicht mehr gefragt, welches Kind das eigene ist.“ 100 Prozent ähneln sich die Outfits jedoch nicht, was der Designerin wichtig ist zu betonen. „Die Kleider für Frauen sind feminin und sexy, die Tochter bleibt Kind“, stellt sie klar. Auch ihre Tochter sei nicht unentwegt top gestylt. „Für besondere Anlässe gibt es die Kleider, für den Kindergarten die Matschhose“, ist sie um einen Mittelweg bemüht. Ihre Tochter sei von dem Partnerlook begeistert. „Wenn ich mir etwas kaufe, dann fragt sie gleich, ob sie das nicht auch haben kann.“

High Fashion. Bloß nicht lächeln. Bei Givenchy sind schon die Kleinen ganz groß.
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High Fashion. Bloß nicht lächeln. Bei Givenchy sind schon die Kleinen ganz groß.
High Fashion. Bloß nicht lächeln. Bei Givenchy sind schon die Kleinen ganz groß. – (c) Beigestellt

Theresa Zimmermann und Anita Dorner vom Wiener Luxuskinderlabel The Small Gatsby wollen nicht einfach bei den „Großen“ abkupfern. „Es geht darum, dem Kind Respekt zu zollen, egal ob es ein paar Tage oder Jahre alt ist. Und sein eigenes Ding haben lassen“, erklärt Zimmermann. Dass sich Kinder jedoch gern wie Erwachsene anziehen, weiß das Duo. „Es ist eine Gratwanderung, den Wünschen des Kindes zu entsprechen und trotzdem auf die Bewegungsfreiheit und die Entwicklungsstufen Rücksicht zu nehmen“, erzählt sie weiter. Da Kinder andere Silhouetten und Bewegungsabläufe haben, ist die Konzeption der Schnitte nur mit viel „Trial and Error“ möglich. „Wir können nicht viel vom Papier weg designen, wir müssen es relativ schnell ausprobieren. Ein ‚Old School‘-Designprozess“, sagt Dorner. Viele Kinder kommen zum Probetragen. „Sie wissen, dass es etwas Besonderes ist und sind stolz, trotzdem ist das Feedback sehr direkt. Authentisch und kompromisslos“, nennt es Zimmermann. Nachhaltige Produktion in Österreich mit außergewöhnlichen Stoffen macht den Luxus von The Small Gatsby aus. Bei der Linie „Reserve“ gibt es etwa keine Minimal-, sondern eine Maximalorder. „Wir hatten einen Originalstoff aus den 30er-Jahren. Der hat nur bestimmte Meter und dann gibt es nur eine bestimmte Anzahl an Kleidern. Dann ist Schluss. Auch diese Endlichkeit definiert Luxus“, berichtet Dorner.

Das Beste für die Kleinsten. Die Bereitschaft, mehr Geld für Kindermode auszugeben, ist in den letzten Jahren stetig gewachsen und hat den Zenit wohl noch länger nicht erreicht. Nahezu alle großen Luxusmarken haben ihre eigenen Kinderlinien. Givenchy ist mit einer Herbstkollektion jetzt neu hinzugekommen. „Givenchy ist mehr als eine Marke, es ist ein Lifestyle. Außerdem haben ‚Freunde des Hauses‘ oft gefragt, ob wir nicht auch für ihre Kinder Stücke designen“, erklärt ein Sprecher die Gründe für die Lancierung. Die Keylook von Givenchy – typische Streetwear-Styles mit schwarzen Bomberjacken, Pullover mit Sternen und T-Shirts mit den kultigen Tiermotiven – geben hier den Ton an. „Jeder, der auf kreative Weise eine Symbiose zwischen der eigenen Garderobe und der seiner Kinder sucht, wird hier glücklich“, heißt es von Seiten des Modeunternehmens.

Edel. Bei The Small Gatsby definieren Handarbeit, Nachhaltigkeit und außergewöhnliche Stoffe Luxus.
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Edel. Bei The Small Gatsby definieren Handarbeit, Nachhaltigkeit und außergewöhnliche Stoffe Luxus.
Edel. Bei The Small Gatsby definieren Handarbeit, Nachhaltigkeit und außergewöhnliche Stoffe Luxus. – (c) Beigestellt

Auch in Österreich nimmt der Trend und das Luxusbewusstsein zu. Wobei The Small Gatsby seine Kundschaft hauptsächlich in Asien, den Emiraten, Russland und den USA hat. „Überall dort, wo es ein Qualitätsbewusstsein gibt und man mit Kindern bewusst Schönes erlebt und beispielsweise ins Haubenlokal geht, wird mehr Geld für Kindermode ausgegeben“, weiß Zimmermann. Aber: „In Österreich nimmt das Bewusstsein für Handwerk und die Familie als übergeordnete Tendenz zu. Das ist natürlich auch eine Entwicklung, die uns zugute kommt.“

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