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Türkei: Modisch, elegant - und keusch

01.02.2012 | 18:13 |  von unserem Korrespondenten JAN KEETMAN (Die Presse)

Ein muslimisches Lifestyle-Magazin für die modebewusste, konservative Frau sorgt in der Türkei für Furore. Es richtet sich an modebewusste Frauen, die auch durchaus arbeiten dürfen.

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Istanbul. Jahrzehntelang galt vielen Türkinnen das Kopftuch als bestenfalls dörflich und altbacken, schlimmstenfalls als reaktionäres Zeichen der Unfreiheit. Doch seit die religiös-konservative AK-Partei das Land regiert, ist das Tuch wieder im Kommen. Ob die Zahl der Kopftuchträgerinnen tatsächlich so zugenommen hat, ist umstritten. Aber Köpfe mit Tuch werden nun selbstbewusst gezeigt, insbesondere von den Frauen und Töchtern aus einer neureichen Schicht, die die Gelegenheiten des Booms der letzten Jahre genutzt hat. Vor allem fällt das Tuch auch deshalb mehr auf, weil es plötzlich bunt und modisch geworden ist.

Genau für die modebewussten Kopftuchträgerinnen gibt es nun das Hochglanzmagazin „Âlâ“. Das im Türkischen sonst kaum gebrauchte Wort kommt aus dem Arabischen, der Sprache des Korans, und bedeutet einfach so viel wie „höher, besser“. Nach ihrem Untertitel ist „Âlâ“ eine „Zeitschrift für den schönen Lebensstil“. Als ein „muslimisches Lifestyle-Magazin“ bezeichnet der Gründer Mehmet Volkan Atay seine Erfindung.

Sie richtet sich an modebewusste Frauen, die auch durchaus arbeiten dürfen. So gibt es eine Umfrage über das beste „Büro-Outfit“. In der Rechtsberatung wird die Frage, ob eine Frau ohne die Zustimmung ihres Mannes ein Unternehmen gründen dürfe, mit einem klaren „Ja, aber“ beantwortet. Sie darf heute alles, wenn sie „den Frieden und Nutzen für die Ehe“ im Blick behält.

 

Fotos, Tipps und Rezepte

Neben vielen raffiniert geschossenen Modefotos stehen Artikel über Geburt, Kleinkinder, Tipps zur türkischen Küche, etwas über die Kunst, Blumen zu malen, über selbst gefertigten Schmuck, über Hautpflege, und immer wieder wird für das Kopftuch geworben. Im Editorial zitiert die Herausgeberin Esra Sezis den Brief einer Leserin, die zwar kein Kopftuch trägt, aber anerkennt, dass es eigentlich „der Wille meines Schöpfers“ wäre. Und dann berichtet die Leserin von einem glücklichen Traum, in der ihr ein Kopftuch überreicht wurde. Auf den Modefotos achtet man peinlich genau darauf, dass kein einziges Haar zu sehen ist.

Neben Zuspruch hat „Âlâ“ aber auch Kritik aus dem islamischen Lager zu hören bekommen. Der islamische Autor Ihsan Eliaçik meint gar, „Âlâ“ würde seine Leser zu „Kommunisten“ machen. Einen Schleier zu tragen bedeute doch, „sich zu verheimlichen und sich in den Hintergrund zurückzuziehen“, meint Eliaçik. Wenn das Gesicht einer Frau mit Kopftuch „riesengroß“ auf die Titelseite gedruckt werde, so sei dies das Gleiche wie wenn „ein Mannequin im Badeanzug ausgestellt wird“. Die Zeitungsmacher hätten den „Geist der Verschleierung“ nicht verstanden.

Solche Kritik kann aber den Erfolg des Magazins für die konservative Frau nicht schmälern: Mit einer Auflage von 10.000 ist die Zeitschrift gestartet. Die siebte Nummer hat nun schon eine Auflage von 30.000. Laut eigenen Angaben findet das Magazin auch Absatz im Ausland, viele Abonnentinnen befänden sich etwa in Deutschland. Auf der Internetplattform Facebook interessieren sich mehr als 111.000 User für das Magazin.

 

Kopftuch im Trend

Im Trend liegt „Âlâ“ sicher: War es früher ein Karrierehindernis, mit einer Kopftuch tragenden Frau verheiratet zu sein, so gilt heute vielfach das Gegenteil. Auch das Kopftuchverbot an den Universitäten ist de facto außer Kraft gesetzt. In vielen Berufen, etwa als Lehrerin oder Ärztin in einem staatlichen Krankenhaus, dürfen Frauen auch weiter kein Kopftuch tragen. Doch diese Verbote bröckeln.

Die langsam einsetzenden Liberalisierungen beim Kopftuch mögen einigen Frauen tatsächlich den Weg in das Berufsleben erleichtern. Trotzdem ist in der konservativen Revolution die Zahl der berufstätigen Frauen nicht angestiegen, sondern sogar erheblich zurückgegangen. Die Töchter der neuen konservativen Elite dürfen studieren, vielleicht auch etwas in einen Beruf hineinschnuppern, das Happy End ist aber noch immer das Leben für die Familie. Und insbesondere darauf bereitet die Zeitschrift „Âlâ“ ihre Leserinnen gewissenhaft vor.

Auf einen Blick

Die Zeitschrift „Âlâ“ ist ein muslimisches Lifestyle-Magazin. Mit einer Auflage von 10.000 Stück wurde gestartet. Die siebte Nummer hält nun schon bei 30.000 Exemplaren. Laut eigenen Angaben gibt es zahlreiche Abonnenten im Ausland, so auch in Deutschland. Die Facebook-Gruppe zählt immerhin mehr als 111.000 Unterstützer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2012)

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16 Kommentare
Gast: Eleonora K.
02.02.2012 12:55
4 0

Kopftuch

Also türkischstämmige Migrantinnen in Österreich sind offenbar viel modischer eingestellt. Sie tragen schon seit längerer Zeit Kopftuch. Aber ob auch sie arbeiten oder studieren weiss ich nicht. Ich sehe sie meistens Kinderwagen schieben.

Antworten Gast: peekmen31
02.02.2012 23:18
0 1

Re: Kopftuch

..fleissige Geburtenrate, davon werden auch SIE profitieren- falls Sie es schon nicht tuen- indem Sie jeden Monat dankbar das Geld der PVA überwiesen bekommen. Danke Geburtenrate!

Sie sollten sich beeilen, gemäß dem Motto Kinder statt Inder. Aber der (westliche) Zug ist schon längst abgefahren.

Antworten Antworten Gast: I sog da ans
03.02.2012 08:39
0 0

Inwiefern soll die Vorposterin davon profitieren?

Haben Sie irgendeine Ahnung von wirtschaftlichen Zusammenhängen oder plappern Sie nur nach, was Sie irgendwo aufgeschnappt haben?

Bezahlt werden Pensionen von Arbeitnehmern, die Pensionsversicherungsbeiträge einzahlen. Viele Kinder in die Welt zu setzen ist noch kein Beitrag ins Pensionssystem.
Der Arbeitsmarkt ist angespannt, viele Jugendliche finden weder Job noch Lehrstelle und werden in AMS-Förderkurse gesteckt.
Das Bildungsniveau scheint im freien Fall zu sein, zunehmend mehr Jugendliche beherrschen kaum Lesen, Schreiben und die Grundrechnungsarten. Ich erinnere an die Klagen diverser Unternehmer in einem TV-Bericht über kaum brauchbare Lehrstellenbewerber.

Eine hohe Geburtenrate finanziert also noch keine Pensionen - dann müsste Bangladesh ja ein wunderbar funktionierender Sozialstaat sein. Oder auch Ägypten mit seinem enormen Bevölkerungswachstum.

Pensionen werden durch ein starkes BIP und Beschäftigte, die Steuern und Versicherungsbeiträge zahlen, gesichert.


Antworten Antworten Antworten Gast: Peekmen31
03.02.2012 23:11
0 0

Re: Inwiefern soll die Vorposterin davon profitieren?

Wieso sind Sie nur so eingeschränkt. Logik ist nicht so Ihre Stärke. Ich merke Sie kommen wie soviele mit irgendwelchen Studien und Statistiken. Wohlhabend sein bedeutet nicht immer auch glücklich zu sein. Schauen Sie nicht ständig auf andere Länder und Kulturen herabwertend. Ich verstehe nicht was Sie da nicht kapieren können. Bald wird die 60er Generation in Pension gehn (die Geburtenstärkste) und eine Kluft wird am Arbeitsmarkt entstehen. Und in Wien ist schon jetzt jeder dritte Arbeitnehmer "zugreist", weil Wien die Arbeitskräfte braucht. Will man Erfolg haben und den Wohlstand sichern braucht man Arbeitskräfte. Keine Kinder= Keine Arbeitekräfte = auslandskräfte, oder die Firma schließt. Österreich ist veraltet sie können Indonesien mit Österreich nicht vergleichen. Außerdem ist es am Arbeitsmarkt schwer weil die Firmen die unter 40 jährigen suchen sie können sich vorstellen wieviel Erfolg sie damit haben..viel Spaß beim suchen.

Gast: justerix
02.02.2012 12:24
2 1

türkei

Vollkommen überflüssiger Kommentar aus der Türkei, der niemanden interessiert.

Gast: Gast 0000
02.02.2012 10:46
2 0

Raffiniert

Wenn eine moslemische Frau, die voll im Berufsleben steht und frei ihre Religion ausübt, freiwillig ein Kopftuch tragen und damit ihren Glauben ausdrücken will, warum nicht? Andere tragen Kreuze oder Davidsterne. Aber, sorry, kein Verständnis für weibliche vermummte Simplex-Ausgaben, die 3 Schritte hinter ihrem schick gekleideten Mann gehen (müssen), der seinerseits, immer Hände in den Taschen (männlich...), leben kann, wie es ihm für recht erscheint. Wenn das nach Pauschalisierung klingt, ist es mir auch egal, ich sehe dieses Bild jeden Tag. Bin gespannt auf die erbitterten Reaktionen der Gutmenschen...

Gast: peekmen31
02.02.2012 00:39
3 2

zeitung

...was für ein bedeutungsloser unnötiger Bericht. Konzentrieren wir uns auf das Elementare.
Diese Zeitung liest niemand in der Türkei- bedeutungslos- vergleichbar mit "Der Woche" hier, oder irgendeine Briefmarken ausgabe 2/2012. Zudem weiß jeder moderne Erdenbürger das Köpftücher nicht jede Woche neu diskutiert (präsentiert) werden müssen, aber irgendwie werd ich den gedanken nicht los daß es ständig wiederholt wird.Off.

Gast: double standard
01.02.2012 22:05
9 1

Ein sehr unkritischer Artikel - würde über ein "Modemagazin"

von Frau Rosenkranz - die sich frauenbildmäßig in einem ähnlichen Universum befindet- auch so wohlwollend und zahm berichtet werden?

Gast: gönner
01.02.2012 21:59
4 1

gönnt es ihenn

Ich als Gutmensch würde unseren grünen Bartkraulerinnen diese Zukunftsaussichten von herzem gönnen;))))))))))))

Gast: von Tempsky
01.02.2012 21:55
11 1

soso,...

sie dürfen also "durchaus" arbeiten ... ja das ist aber nett.
ich schlage vor, herr keetman, sie tragen selbst mal ein paar wochen solch ein "buntes" und "modisches" kopftuch, und "schnuppern" da mal rein, wie das so ist, und dann stellen sie sich vor, gesundheit und leben wären in gefahr, wenn sie es wagen, diesen fetzen abzunehmen...
und wenn sie dabei sind, können sie auch gleich in den koran "reinschuppern", muß ja nicht gleich in arabisch sein, vielleicht wissen sie dann auch, worüber sie hier eigentlich schreiben.

Gast: Altkater1
01.02.2012 21:25
11 1

Herr, gib uns unser täglich Brot

Ähh - wollte eigentlich sagen: gib uns unsere tägliche Beweihräucherung!

Alpha17
01.02.2012 20:09
10 1

Wo sind die Feministinnen?


7 1

Re: Wo sind die Feministinnen?

Die gibts doch gar nicht in der Türkei. Wo sollen sie also sein?

Hier im Presseforum gibts auch keine - die tummeln sich eher im Standard.

Antworten Gast: Karl Huber
01.02.2012 20:52
9 0

Re: Wo sind die Feministinnen?

Die wandeln jetzt bald alle in Burkha herum wie von einer GrünenInin in NL verlangt.
Mir persönlich wärs wurscht.
Vielleicht isch Ihnen auch aufgfallen, dass diese ganzen linken Emanzen die den Moslems den Bart kraulen meistens nicht wirklich anschaulich sind... :)

Gast: gasti
01.02.2012 20:01
15 3

Die Töchter der neuen konservativen Elite dürfen studieren, vielleicht auch etwas in einen Beruf hineinschnuppern, das Happy End ist aber noch immer das Leben für die Familie

ich muss schon sagen, es die art eine arbeitssklavin zu umschreiben wird durch unsere medien immer raffienierter bewerkstelligt

Antworten Gast: Linksgrüne GutmenschIn
02.02.2012 12:10
1 0

Das ist bei unseren Bürgerlichen auch nicht anders ...