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Wien–Tokio: Das kreative Gipfeltreffen

14.06.2012 | 19:23 |  von Daniel Kalt (Die Presse - Schaufenster)

Dank der Kooperation zweier Modeuniversitäten funktioniert die Achse Wien–Tokio bestens. Die Frage ist: Wie lange noch?

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Unlängst im Wiener Straßenbahnmuseum: Vor versammeltem Publikum dreht sich eine zierliche, ältere Japanerin, in eine flammend rote Weste gewandet, in überraschend ausladender, fast einer Siegespose im Kreis. Es handelt sich bei der Dame jedoch nicht um eine Spitzensportlerin oder besonders prominente Kulturtreibende, sondern um die Dekanin des (zumindest in der Modewelt) berühmten Bunka College of Fashion in Tokio.

Sanae Kosugi, so ihr Name, war angereist, um der Abschlussshow des Bachelorstudiengangs für Mode der Kunstuniversität Linz am Standort Hetzendorf beizuwohnen. Mitgebracht hatte sie die Kollektionen von vier Bunka-Studenten, schließlich kooperieren die beiden Bildungsinstitutionen seit nunmehr fünf Jahren. Frau Kosugis selbstbewusster Auftritt deutet darauf hin, dass sie sich im Wiener Umfeld schon fast wie zu Hause fühlt; die Kooperation trägt also Früchte. Ihr Fortbestand ist freilich gefährdet, da ja, wie im vergangenen Herbst verlautbart, der Wiener Studiengang eingestellt werden soll. Vor wenigen Jahren – das Studium wurde erst 2006 an der bekannten Modeschule eingerichtet – war das nicht abzusehen.   
 
Die Suche nach Neuem. Die Partnerschaft mit der Bunka-Universität wurde 2007 vom damaligen Handelsdelegierten in Tokio, Ernst Laschan, angebahnt: „Die Rede ist immer von der Marke Österreich“, kommentiert Laschan, „man sollte also nicht nur die Sängerknaben ins Ausland schicken, sondern auch junge Modemacher.“ Je früher man Kontakte knüpfe, dies eine weitere Überlegung, desto intensiver kann sich eine Partnerschaft entwickeln. In Anbetracht der Tatsache, dass Japan für die meisten der selbstständigen Designer aus Österreich der wichtigste Absatzmarkt ist, können sich solche Bande auf lange Sicht als umso vorteilhafter entpuppen. Nicht alle Bunka-Absolventen werden ja zu Designern; die Universität versorgt die gesamte Modeindustrie des Landes mit Nachwuchs.

Sanae Kosugi, die im persönlichen Gespräch nicht ohne Stolz ein Foto von sich mit ihrem Studienkollegen Yohji Yamamoto herumreicht und ihre Assistentin von der besonders innigen Freundschaft mit Issey Miyake erzählen lässt, hat für ihre Studierenden einen klaren Nutzen vor Augen: „Der Markt in Japan ist so groß und facettenreich, dass die meisten Designer zuerst auf ihrem Heimatmarkt reüssieren wollen. Das kann aber nicht für immer und für alle gelten, darum sind Kooperationen wie mit Hetzendorf umso wichtiger.“ Die jungen Leute sollten in die Welt hinausgehen und von ihren Erkundungstouren profitieren, meint sie: „Japan ist bekannt dafür, innovationssüchtig zu sein. Und die Zyklen werden immer kürzer; die Suche nach Neuem und Unbekannten hört nie auf.“

Mode: Wien-Tokio

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Mit der Bunka-Delegation nach Wien gekommen war auch Daphne Mohajer Va Pesaran, eine Kanadierin iranischer Abstammung. Sie hat die letzten vier Jahre in Tokio verbracht und begrüßt den Austausch nicht zuletzt als Anknüpfungspunkt zum europäischen Geschehen: „Tokio funktioniert irgendwie losgelöst vom Rest der Modewelt; das Inseldasein ist spürbar. Umso interessanter ist es zu sehen, wie unsere Mode im Ausland aufgenommen wird.“ Ihre Wiener Distanzkommilitonin Sophie Skach, die zweimal an Defilees in Tokio teilgenommen hat, hebt ebenfalls den möglichen Perspektivenwechsel als vorteilhaften Aspekt hervor: „Für uns ist es wichtig zu sehen, wie Mode in Japan funktoniert und gesehen wird. Zum Beispiel ist Japan offen für alles Experimentelle; während man in Europa eher auf Subtilität setzt, funktionieren dort auch plakativere Positionen.“

Das drohende Ende. Auch Louise Witt-Dörring, die wie Skach mit dem aktuellen Semester ihr Bachelorstudium abschließt, hebt die Vorreiterrolle Japans hervor: „Tokio gilt als Modestadt, die am meisten auf Innovation setzt. Viele Designer, die maßgebliche Impulse gesetzt haben, kommen von dort.“ Witt-Dörring selbst möchte sich künftig in Richtung Modetheorie weiterentwickeln und zu diesem Zweck ein Philosophiestudium beginnen; in zwei Jahren, dann wird der letzte Jahrgang das Modestudium in Hetzendorf abschließen, wird sie allerdings auf keine „Alma Mater“ für ihre erste akademische Ausbildung mehr verweisen können. Entsprechend deutliche Worte findet die Studienrichtungsvertreterin, die auch die Protestaktion „Hetzendorf brennt“ ins Leben gerufen hat: „Dass das Bachelorstudium in zwei Jahren wieder eingestellt wird, ist die größte Tragik im Wiener Modeleben.“ Feine Ausläufer dieses Bebens werden dann auch in Japan zu spüren sein.

Die Sparflamme lodert

Die Situation habe sich, meint Hetzendorf-Studienprogrammleiter Reinhold Rebhandl, seit Herbst kaum verändert. Die MA 13 der Gemeinde Wien bleibe dabei, ihre finanzielle Unterstützung einzustellen. Die Kunstuniversität Linz habe weiterhin keine Mittel, um das Studium selbst zu finanzieren. „Wir haben“, so Rebhandl, „Gespräche mit den Geldgebern geführt und uns sogar überlegt, den Studiengang anderswo anzusiedeln. Die Schwierigkeiten bleiben aber immer dieselben, weil wir eine Zusage von fast zwei Millionen Euro brauchen, um den Bachelor für drei Jahre fortzuführen.“ Mit 650.000–700.000 Euro könne man bei einer verringerten Studierendenzahl exklusive Mietkosten auskommen. Ob das Wissenschaftsministerium einspringt, ist fraglich. So bleibt die Suche nach Sponsoren. Was im angelsächsischen Raum durchaus üblich ist, erweist sich in Österreich als schwierig. „Wir wissen nicht, wie sinnvoll es ist, mit branchenfremden Firmen zu kooperieren. Im Modebereich gibt es aber in Östereich nur wenige, die so große Summen aufbringen können.“ Fortsetzung folgt – hoffentlich.

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