Wohnte Alfred Einstein in einem Albtraumbau?

25.06.2012 | 18:41 |  VERONIKA SCHMIDT (Die Presse)

Eine Schreib- und Leseschwäche kann zu großer Erheiterung und dummen Peinlichkeiten führen.

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Die Legasthenie ist ein Hund. Interessanterweise erwarb ich diese Teilleistungsschwäche nach dem Leben als Einserschülerin erst als Studentin und kann mich noch genau erinnern, als ich im Chemie-Hörsaal saß und bei der schriftlichen Prüfung bei Prof. Vierhapper mit der Füllfeder das Wort „Elektronenkonfiguration“ schreiben wollte. Bei „Elektrokofigar...“ dachte ich plötzlich: „Jetzt sollte doch irgendwo ein ,n‘ kommen...“ Seither begleitet mich eine leichte Form der „Schreib- und Leseschwäche“, die mir allerdings den Alltag erheitert und mir nur mehr selten solche Versagensängste anhängt, wie das damals an der Uni Wien der Fall war.

So musste ich mich kürzlich bei dem Studium der Immobilienseiten heimischer Zeitungen über folgendes Fangwort wundern: „Albtraumbau!“ stand da in Großbuchstaben. Dachte ich. Aufs dritte Mal hinschauen war erst klar, dass dort „Altbautraum“ steht. Oder bei den Berichten über den heurigen Songcontest las ich immer wieder von einer Popo-Mager-Truppe, bis ich erfuhr, dass dort eine „Pop-Oma-Gruppe“ für Furore sorgte. Weiters entnahm ich einem SMS von Freunden, sie würden mir am Sonntag „Frühstück servieren“. Erst als ich vor deren leerer Wohnung stand, las ich den Text nochmal. Da stand: „Wir werden wo fürs Frühstück reservieren.“

Für größte Erheiterung und zugleich grobe Bloßstellung führte allerdings jener Zeitungsbericht, der in der „Presse“ im Juni 2008 erschien. Das Thema Legasthenie wurde wissenschaftlich erfasst und Ursachen und Therapien abgehandelt. Die ersten Worte des Textes lauteten: „Alfred Einstein hatte sie und John F. Kennedy, Bill Gates und Walt Disney.“ Leider fiel keinem der Mitarbeiter auf, dass der Einstein Albert hieß.

 

E-Mails an: veronika.schmidt@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2012)

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