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Diese Schecks wollen einfach nicht platzen

03.07.2012 | 18:14 |  OLIVER GRIMM (Die Presse)

Überall auf der Welt steht der Scheck als Zahlungsmittel vor dem Aussterben. Nicht so in Belgien.

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Vielleicht ist Politik an der Grenze dessen angesiedelt, was Menschen leisten können, ohne, um es biblisch zu sagen, „Schaden zu nehmen an der Seele“: Was der deutsche Sozialdemokrat Erhard Eppler in vornehme Worte kleidet, lässt sich im real existierenden Surrealismus Belgiens täglich beobachten. So ist zum Beispiel in so gut wie allen entwickelten Volkswirtschaften der Welt der Scheck zu Recht eine aussterbende Zahlungsform.

Nicht so in Belgien: Hier empfangen Angestellte von ihren Arbeitgebern sogenannte „chèques-repas“, Essensgutscheine also, die ursprünglich zur Verpflegung der werktätigen Massen bestimmt waren. Aus unerfindlichen Gründen scheinen aber alle angestellten Belgier mehr Gutscheine zu erhalten, als sie in der Mittagspause vernaschen können. Und so zahlen sie damit im Supermarkt ebenso wie in fast allen Brüsseler Bars und verursachen zusätzliche Wartezeiten (siehe „Presse“, 22. 11. 2011, „Das Warten ist des Belgiers Lust“).

Man muss schon einigermaßen meschugge im Eppler'schen Sinn sein, um diese Zettelwirtschaft beizubehalten. Doch die Belgier sind so vernarrt in ihre Schecks, dass sie 2009 einen weiteren eingeführt haben: Bis zu 250 Euro pro Jahr darf der Arbeitgeber in Form steuerfreier „éco-cheques“ abgeben. Davon darf man sich, gemäß einer jährlich von Amts wegen formulierten Liste, ökologisch löbliche Waren wie Elektromopeds oder Komposthaufen kaufen.

Ja, um Himmels Willen, mögen Sie nun händeringend ausrufen, warum ein Scheckwesen begründen, wenn es Freibeträge für die Arbeitnehmer viel einfacher täten? Wer lang genug in Belgien lebt, gewöhnt sich solche Fragen ab. Man will ja, biblisch gesprochen, keinen Schaden nehmen an der Seele.

 

E-Mails an: oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2012)

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