Heute vor genau 710 Jahren galoppierte ein stolzes französisches Ritterheer in eine der verheerendsten Niederlagen des Hochmittelalters. In der Nähe der westflämischen Stadt Kortrijk, rund zehn Kilometer von der heutigen Grenze zwischen Belgien und Frankreich entfernt, metzelte am 11. Juli 1302 eine flämische Fußtruppe die Chevaliers in einem Sumpf nieder. Deren goldene Sporen dienten den Flamen als Kriegsbeute, gaben der Schlacht ihren Namen und Flandern seinen Feiertag.
Auch heute noch nutzen Politiker wie Flanderns Ministerpräsident Kris Peeters diesen Anlass für markige Sprüche. Am Dienstag erklärte er, auch auf europäischer Ebene müsse Flanderns Stimme öfter und lauter gehört werden. Nicht nur bei den politisch eher unverfänglichen EU-Ministerräten zur Fischerei oder Bildung sollten flämische Minister vertreten sein, sondern auch bei den Finanz- und Außenministern. Sowohl Flandern als auch Wallonien haben ein eigenes Parlament samt Regierung, sind für weite Teile der Bildungs- und Landwirtschaftspolitik zuständig und nehmen somit im Zuge eines recht komplizierten Abkommens Belgiens Platz bei den genannten Räten ein.
Bloß ist Außen- und Finanzpolitik eine Zuständigkeit des belgischen Bundesstaates, nicht der Regionen. Außenminister Didier Reynders ließ Peeters folglich durch die Blume wissen, er möge sich seine goldenen Sporen weiß Gott wohin hängen.
Und weil schlechte Nachrichten selten allein kommen, müssen Flanderns Nationalisten noch dies hier hinnehmen: Eine Befragung von 3426 derzeit 14-jährigen Flamen durch Forscher der Universität Leuven ergab, dass die meisten sich in erster Linie als Belgier sehen – und nicht als Flamen. Godverdomme!
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2012)
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