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Hier und da und gleich und dann

16.07.2012 | 18:39 |  VERONIKA SCHMIDT (Die Presse)

Deutsch-österreichische Freundschaften auf dem Prüfstein der gemeinsamen Sprache.

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Ich bin hier, wo da dort ist, und du bist dort, wo da hier ist. Dieser Satz ist wahr, wenn man gerade in Deutschland weilt und mit jemandem kommuniziert, der in Österreich ist. Im Zuge der Recherche über Austriazismen, also Bezeichnungen, die in Österreich zur Standardsprache gehören und im deutschsprachigen Ausland als „typisch österreichisch“ wahrgenommen werden, fielen mir viele Begebenheiten meiner deutsch-österreichischen Freundschaft, kurz DÖF, ein, die ich gern pflege. (Apropos, Frage: Was wurde aus DÖF, dem Deutsch-Österreichischen Feingefühl, die außer „Taxi“ und „Codo“ keinen Hit mehr produzierten? Antwort: Joesi Prokopetz ist inzwischen solo – auf der Bühne – und spielt fleißig Kabarett).

Meine deutschen Freunde waren jedenfalls schon eifersüchtig, weil es mir passierte, dass ich neben den lieben Tübingern vom „netten Deutschen“ erzählte. „Und was sind dann wir, die unnetten Deutschen?“, fragte die Dame, die kurz zuvor noch Kulturunterschiede mit der Frage „Habt ihr in Österreich eigentlich Fasching?“ suchte. Mit dem „netten Deutschen“ meinte ich den Kollegen aus Ostwestfalen („He was born in Paderborn“), der uns gern auf Unterschiede der gemeinsamen Sprache aufmerksam machte.

Denn in Österreich bedeutet „da“ „hier“, in Deutschland heißt „da“ „dort“. Schwierig wird's, wenn Ösis sagen: „Ich bin gleich da.“ Dann könnte der Deutsche verstehen: „Ich bin dann mal dort.“ Denn auch die Zeitangabe „gleich“ unterscheidet sich zwischen Wien und Berlin. „Gleich jetzt oder gleich dann?“ ist wiederum auch bei uns eine häufige Frage, sobald jemand sagt: „Ich mache das eh gleich.“ Man könnte aber auch sagen: „Das geht sich schon aus.“ Und das verwirrt unsere deutschen Freunde dann gleich völlig.

 

E-Mails an: veronika.schmidt@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2012)

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