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In Flanderns Feldern

24.07.2012 | 18:21 |  OLIVER GRIMM (Die Presse)

Das Weltkriegsmuseum im westflämischen Ypern ist völlig erneuert. Man muss es besuchen, gerade jetzt.

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94 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs sei, so meinen viele, schon alles dazu gesagt, gezeigt, gelesen. Die letzten Veteranen sind tot, bald wird ihnen auch jeder gefolgt sein, der damals ein Kind war. In Flanderns Feldern pflügt, so wie am Verlauf der Isonzo-Front und anderen Kriegsschauplätzen, ab und zu ein Bauer bleiche Knochen aus dem Acker; doch das sind heute Funde, keine Schicksale mehr. Sie wecken archäologisches Interesse, nicht zeitgeschichtliche Aufmerksamkeit und erst recht keine persönliche Betroffenheit.

Soll man also die Jahre 1914 bis 1918 so distanziert behandeln, wie wir es mit der Schlacht bei den Thermopylen tun? Das sind Fragen, die sich uns Europäern spätestens in zwei Jahren stellen werden, wenn der hundertste Jahrestag des Mordanschlags von Sarajewo naht. Ein guter Ausgangsort, um nach den Antworten zu suchen, ist seit ein paar Wochen wieder das Museum „In Flanders Fields“ im westflämischen Ypern. In den Schützengräben und Schlachtfeldern rund um diese Stadt, die etwas kleiner ist als Steyr, fanden knapp 600.000 Menschen aus mehr als 50 Völkern den Tod. Mehr als 150.000 davon haben weder Grab noch Namen; diese Zahl bis zum Jahr 2014 zu verkleinern ist Ziel der Museumskuratoren (unter www.inflandersfields.be finden sich weiterführende Informationen).

Manch einer meint, der Krieg liege nun einmal in der Natur des Menschen, auch wenn – leider, leider – Späne fallen, wo gehobelt wird. Nicht wenige tragen dieser Tage vor, man könne die syrische Katastrophe mit ein paar Marschflugkörpern auf Damaskus beenden. Ihnen allen sei ein Ausflug ins bildschöne Ypern empfohlen – das übrigens eine vollständige Kopie seines zerstörten Selbst ist: Im November 1918 blieben hier nur Schutt und Asche und Schmerz ein großes „Warum?“.

 

E-Mails an: oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2012)

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