19.06.2013 15:09 Merkliste 0

Das Leben, ein einziges Synchronschwimmen

03.08.2012 | 18:49 |  MIRJAM MARITS (Die Presse)

Die Olympischen Spiele sind also eine Woche alt, und man hat sich an die turnenden, boxenden, vorwiegend aber nassen Athleten gewöhnt, die sich eine Zeitzone weiter in teils absurden Bewerben (Trampolinspringen!) messen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die Olympischen Spiele sind also eine Woche alt, und man hat sich an die turnenden, boxenden, vorwiegend aber nassen Athleten gewöhnt, die sich eine Zeitzone weiter in teils absurden Bewerben (Trampolinspringen!) messen. Die faszinierendste Disziplin ist dabei das Synchron-Turmspringen. Nicht nur wegen der optisch bedenklichen Badeanzüge (Worst Case: die Deutschen in Grellgrün). Sondern, weil die Synchron-Paare auch synchron aussehen: Gleich groß, gleiche Frisur, gleiche Mimik. Ob die so zusammengecastet wurden („Suche 1,75 große Dunkelhaarige für gemeinsames Ins-Wasser-Springen“)? Oder ist das so wie bei Hunden und ihren Besitzern: Man schaut sich im Laufe der Jahre einfach immer ähnlicher?

Seither laufen mir überall synchronisierte Double-Pärchen über den Weg. Das pummelige Mädchen mit den zu kurzen Shorts in der U-Bahn ist mit einer anderen Pummeligen in den gleichen zu kurzen Shorts unterwegs. Der Pubertierende mit der Andreas-Gabalier-Gedenkfrisur hat einen ganz ähnlich gestylten Schlagerstar-Klon neben sich sitzen. Wir waren früher nicht so, habe ich mir gedacht, viel individueller und so, bis mir Fotos vom Schulskikurs untergekommen sind: Die Mädels alle in XL-Holzfällerhemden (die 90er!) und Levi's 501. Erst irgendwann nach der Pubertät war es mit dem synchronisierten Leben vorbei. Und alle trugen synchron keine Holzfällerhemden mehr.

Müsste man Olympia 2012 auf ein Symbol reduzieren, es wären wohl Klebestreifen. In bunten Farben kleben sie an diversen Körperstellen der Athleten. Nur eine Frage der Zeit, bis der nicht-olympische Rest der Welt auf den Klebewahn aufspringt. (Man denke nur an die Nasenpflaster-Bewegung vor einiger Zeit.) Das „Kinesio-Taping“ (so heißt der Klebetrend) kann wirklich alles, übrigens: Muskeln stärken, Stoffwechsel anregen. Und wer weiß, vielleicht auch Hirn ausschalten. Schade eigentlich, dass Markus Rogan so unbeklebt war.

 

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

7 Kommentare
Gast: te
11.08.2012 14:57
1 0

unfassbar

Ich muss den Lieben Leuten (Corpulento, Christramp und mh) rechtgeben ich übe diesen sport seit 5 Jahren aus und es ist nicht einfach.
Grüße Te.

Gast: Tinali
09.08.2012 21:46
1 0

So etwas....

... würde man von der Presse nicht erwarten... Hätte nicht gedacht, dass ein so unqualifizierbarer Beitrag auf der Seiter der Presse veröffentlicht wird. Die Zeitung ist auch nicht mehr das, was sie einmal war.... schade....

Gast: Dieter Soletti
09.08.2012 21:22
1 0

Kein Grund zur Aufregung!

...ist natürlich nicht jedermanns Sache, sich Sport anzusehen, der komplexer ist als Fußball...

Gast: Yipp
09.08.2012 01:33
0 0

Die Autorin...

...hat mit Sport wohl ziemlich wenig am Hut... ;-)

Gast: Corpulento
07.08.2012 20:37
1 0

Gefällt mir nicht!

Sehr geehrte Frau Marits,

ich schließe mich meinen beiden Vorgängern an - es ist nicht fair speziell die Sportart Trampolinspringen als "absurd" hervorzuheben.

Die Olympischen Spiele tragen auch immer zur Bekanntheitssteigerung von auch nicht so populären Sportarten bei. Deswegen finde ich es schade, dass sie mit ihren Worten die Ernsthaftigkeit und Professionalität dieser Sportart in Frage ziehen.

Mit freundlichen Grüßen

Corpulento


Das kann nicht Ihr Ernst sein?!?

Sehr geehrte Frau Marits,

ich habe in meinem Mail meinen Unmut ja schon ausgedrückt, möchte aber, dass auch andere dies lesen können.

Es ist eine bodenlose Frechheit, die Sportler, die es schaffen sich für Olympia zu qualifizieren so anzugreifen und als lächerlich darzustellen!!
Um einmal dabei zu sein bei so einem Wettkampf trainieren diese Menschen tagtägliche mehr als 4 Stunden und die meisten in Ihrer Freizeit nach oder vor der Arbeit. Ich finde das ist eine Leistung der man wirklich Respekt zollen sollte und dann wird das in einer österreichischen Zeitung so dargestellt?!

Ich bin 17 Jahre aktiv Trampolin gesprungen und kann mehrere nationale sowie internationale Erfolge verbuchen.
Es ist also verständlich wenn ich empört darüber bin,wie Sie meinen Sport in Ihrem Artikel in Verruf bringen.
Ich hoffe sie nehmen mein Angebot an und kommen zu uns ins Training um einmal zu sehen wie anstrengend und fordernd Trampolinspringen ist. Denn auf einem Pratertrampolin schaut jeder der einen Salto kann gut aus doch auf einem Wettkampftrampolin ist es schon schwerer immer am Tuch zu landen!!

MfG

Christian

Gast: mh
06.08.2012 23:28
1 0

eine unglaubliche frechheit !

Liebe Frau Martis !

Grundsätzlich werde ich mir noch ein paar tiefgreifendere Zeilen einfallen lassen als diese aus der ersten Emotion, aber ich lade Sie sehr herzich zu einem Training meiner Trampolinspringer ein um zu Erfahren was es heißt auf einem Trampolin zu springen.
Ihren Zeilen nach zu urteilen wissen Sie nicht wovon Sie da schreiben.

Mit freundlichen Grüßen

Markus