Wie, zum Teufel, wird man hauptberuflich Hammerwerfer? Irgendwann in der Nacht von Sonntag auf Montag schoss dem ORF-Moderator Armin Wolf diese Frage in den Kopf, und gottlob bot ihm Twitter ein Ventil, um die interessierte Öffentlichkeit an seinem Grübeln teilhaben zu lassen.
Die Antwort ist schnell gefunden, denn für den Hammerwurf entscheidet man sich aus denselben Gründen wie für die TV-Moderation: Weil man Spaß daran hat, gut darin ist und Zuspruch von Dritten bekommt. Einen Unterschied gibt es in dieser Hinsicht allerdings, denn während man hauptberuflich dem Moderieren der ORF-Nachrichten nach- und dafür mit einem sechsstelligen Bruttojahresgehalt heimgehen kann, taugt der Hammerwurf nicht als Broterwerb. Er ist nämlich das, was höchstens alle vier Jahre bei den Olympischen Spielen ins Blickfeld der nur passiv am Sport interessierten Öffentlichkeit dringt, eine sogenannte „Randsportart“. So bezeichnen Aktivzuschauer jede Disziplin, die ihnen nicht von der kommerziellen Erregungswalze permanent ins Gesichtsfeld geschoben wird. Der Österreicher an sich ist bekanntlich ein besonders passionierter Passivmitmacher, und darum verbindet er seinen Ärger darüber, dass „die Unsrigen“ schon wieder nix gewonnen haben, besonders geschmeidig mit der Schmähung der „Randsportler“.
In meiner kurzen und nicht allzu glänzenden Karriere als Mittelstreckenläufer schmunzelte auch ich anfangs über die Hammerwerfer in unserem Leichtathletikklub – und zwar so lang, bis die schweren Brocken mich beim Sprinttraining auf den ersten 20 Metern stehenließen wie nichts. Wer den Hammer weit werfen will, muss schnell sein, standfest und die Balance halten können: fast wie ein TV-Moderator.
E-Mails an: oliver.grimm@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2012)
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