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Smartphones schlachten spannende Gespräche

13.08.2012 | 18:13 |  MADALENA KLEMUN (Die Presse)

Smartphones schlachten spannende Gespräche – leider klappt das fast so effizient wie bei Schussmaschine und Schwein.

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Smartphones schlachten spannende Gespräche – leider klappt das fast so effizient wie bei Schussmaschine und Schwein. Nur dass Kotelettes ein erfreulicheres Ergebnis sind als Inhaltslosigkeit. Stimmt, das ist keine Tierschutz-Kolumne.

Das alles klingt brutal, steht aber darin der Neigung des i-Menschen, alles „schnell nachschauen“ zu wollen und damit das Gespräch abzutöten, um nichts nach. Gerade an Sommerabenden macht sich dieser Wahrhaftigkeits-Zwang bemerkbar: Luftig und lau lassen sommerliche Soireen mehr Raum für Diskussionen. Solche der raren Art, die sich verlaufen, verlieren und gerade so frisches Gedankengut hervorbringen können. Nicht zuletzt weil rund um Urlaub, Strand und Inselpanorama (-wein) auch die Gehirnwindungen in der Hängematte ausspannen durften.

Lauerte da nicht das Smartphone – das wird bemüht, sobald sich das Gespräch dem Point of no Return nähert: Entfällt einem Gesprächspartner etwa Zahlenmaterial (oder der Name des Intellektuellen, der das Gleiche sagt), um sein Argument zu untermauern, wird die Waffe gezückt: „Ich schau' mal schnell nach!“ Es folgt Vakuum. Auf das Vakuum folgt Wut: In Zeiten, in denen Migrationsbewegungen von Milliarden von Bits pro Sekunde alltäglich sind, werden längere Ladevorgänge kaum ohne cholerische Ausbrüche ertragen. Auf Wut folgt Missstimmung. Dezent zwar, aber ausreichend, um das Thema zu wechseln. Und ebenso ausreichend, um die aufkommende Böe eines echten Meinungsaustauschs auf das Tempo eines müden Sommerföns abzubremsen. Denn die Gefahr bleibt die gleiche, egal ob über die deutsche Dominanz in der EU oder die Glaubwürdigkeit von Homöopathie diskutiert wird: Eine Meinung ist ein komplexeres Konstrukt als ein Faktum auf einer Internetseite – die Herausforderung ist dann, sich eine solche zu bilden. Wann kommt eigentlich eine App, die uns daran erinnert?

 

E-Mails an: magdalena.klemun@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2012)

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