24.05.2013 09:37 Merkliste 0

Was man von Fußball-Fans lernen kann

27.08.2012 | 18:29 |  ULRIKE WEISER (Die Presse)

Rapid-Fans in Saloniki, ein „Hass-Grieche“ und freundliche Fotos - Neulich nachts beim „Ideen-Frisieren“.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wenn man eine Kolumne mit einem Link zu einem Artikel übers Kolumnen-Schreiben beginnt, heißt das wohl, den Begriff Metaebene überzustrapazieren. Aber der „Deadline-Blog“ des Schweizer Journalisten Constantin Seibt (blog.tagesanzeiger.ch/deadline) ist es wert. In seinem aktuellen Eintrag beschreibt Seibt die halbseidene Kunst des „Ideen-Frisierens“ und vermittelt einen Eindruck, wie Zeilen wie diese zustande kommen.

Etwa so: Man sitzt daheim und macht sich Sorgen, weil Freund J. die blöde Idee hatte, zum – inzwischen einschlägig bekannten – Rapid-Auswärtsmatch nach Griechenland zu fahren. Mit leerem Handyakku. In solchen Nächten beginnt man zu bilanzieren, was eine Dekade an der Seite eines überzeugten (aber nicht „erlebnisorientierten“, wie das so euphemistisch heißt) Fußball-Fans mit sich bringt. Und wer (sehr) lange „Pros“ sucht, der findet auch: Sollte es mich zum Beispiel einmal in die Außenbezirke europäischer Großstädte verschlagen, fände ich mich dort leidlich zurecht (denn ich kenne sie aus dem Urlaub, vom Stadien-Besichtigen).

Weiters habe ich – wozu auch immer das gut sein wird – einen Überblick über internationales textiles Fanartikel-Design (da gäbe es viel zu tun!), und ich weiß inzwischen, dass man eine Sprache nicht verstehen muss, um Sportzeitungen zu lesen. Schließlich habe ich eine fundierte Meinung zu den Grenzen der Fankultur, dank endloser Debatten, in denen ich auch gelernt habe, Gespräche abrupt („Danke, reicht schon wieder“) zu beenden. Und manches, das J. erzählt, ist auch schlicht originell: So trafen Rapid-Fans in Saloniki zufällig jenen reich tätowierten Mann, der nach dem Wiener Platzsturm 2011 im Boulevard als „Hass-Grieche“ bekannt wurde. Er posierte mit den Fans. Freundliches Foto. Einer davon ist ein Polizist.

 

E-Mails an: ulrike.weiser@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com